Nach einigen, mit dem Gefangenen gewechselten Worten, hielt aber der Baptist die eben aufbrechenden Männer noch zurück, und schärfte ihnen besonders ein, den, den sie da treffen würden, lebendig einzufangen, da sie sich ja sonst gar nicht von der Unschuld des Verurtheilten überzeugen könnten; das sahen denn die einfachen Hinterwäldler auch recht gut ein und versprachen, ihr Blei zurückzuhalten, so lange es ginge. »Will er aber in spite auskratzen,« rief Einer, indem er seine Büchse schulterte, »nun dann will ich von Grashüpfern zu Tode getreten werden, wenn ich ihm nicht eins mit meiner langen Betsy auf den Pelz brenne; fort kommt er nicht, wenn er Knochen genug zeigt, um darnach zielen zu können.«
Im nächsten Augenblick waren die Männer im Walde verschwunden und Mac Ferson warf sich auf die Kniee nieder, preßte das Angesicht gegen die Wurzel einer alten hochstämmigen Eiche und betete inbrünstig. Sein Antlitz hatte eine wirklich unheimliche Leichenfarbe angenommen und seine blutunterlaufenen Augen starrten, ehe er sich zum Gebet niederbog, wild von einem der Zurückbleibenden zum andern.
Doch wir wollen indessen den Kundschaftern folgen, die, ihre Büchsen vorher untersuchend und die Messer in den Scheiden lockernd, langsam vorrückten, um sich nicht vor der Zeit zu verrathen. Leslie, der Führer der Schaar, gab endlich, an einer kleinen Waldblöße angelangt, das Zeichen zum Halten, um seine Leute zu vertheilen, und versammelte diese nun leise um sich, während er, erst nach allen Seiten einen scheuen Blick hinüber werfend, flüsternd sagte:
»Hört, Ihr Burschen, mir wird's ganz unheimlich und schauerlich zu Muthe. – Hol' mich Dieser und Jener, 's ist doch curios, einem Menschen nachzujagen, den ein anderer im Traum gesehen hat – es wird Einem ganz grauslich dabei.«
»Der Prediger hat aber doch auch gesagt, daß wir gehen sollten,« bemerkte ein Anderer.
»O der Prediger mag zu – Grase gehn!« rief Leslie, »deshalb thu' ich's beim Teufel nicht – ich will nur sehen, ob so ein Schuft noch da herumkriecht, der heimtückischer Weise einen Mann wie Hills zu erschlagen gewagt. – Oder ich will mich wenigstens selber überzeugen, daß Keiner da ist,« fuhr er, ärgerlich mit dem Fuße stampfend, fort, »denn – Tod und gelbes Fieber – verdammt will ich sein, wenn ich ein Wort von dem ganzen Unsinn glaube.«
Der alte ehrliche Backwoodsman suchte durch halbunterdrücktes Fluchen das unheimliche Gefühl zu ertödten, das sich ihm unwillkürlich aufdrang; er selbst aber zweifelte keinen Augenblick, daß hier irgend ein böser Geist, vielleicht gar der Teufel, sein Spiel treibe, und begriff nur nicht recht, was die Prediger dabei zu thun hätten.
So beschränkt aber auch seine Ideen in geistiger Hinsicht sein mochten, so ganz war er am Platz, wo es galt, einen Feind zu beschleichen oder irgend einen vermutheten Lagerplatz, wie es hier der Fall war, zu umzingeln. Schnell und umsichtig traf er seine Maßregeln. Er kannte auch das Terrain genau und wußte, nach welcher Richtung hin ein Mensch, der sich hier wirklich verborgen halten wolle, entfliehen könne, sobald er Gefahr ahne, und nur Einen deshalb auf einem Umwege dem steilen Bergkamm zusendend, in dessen Fuß die Höhlen hineinliefen, postirte er die Übrigen in einen weiten Halbkreis und gab, durch täuschend nachgemachten Eulenruf, das Zeichen zum gemeinschaftlichen Vorrücken.
Er selbst aber glitt, von einem jungen Hinterwäldler allein gefolgt, auf einem schmalen Fußpfade, der gerade zu den Höhlen hinführte, weiter, und eine kleine Anhöhe übersteigend, sah er plötzlich Rauch von dorther durch die hohen Kiefernwipfel emporwirbeln.
Ein zweiter Eulenruf fesselte Jeden an die Stelle, auf der er sich befand, und Leslie kroch nun auf beiden Knieen und auf den linken Ellbogen gestützt, während er die treue Büchse mit der Rechten fest auf der rechten Schulter hielt, jenem Orte zu, von woher der Rauch zu kommen schien.