Der Sheriff drängte die ihm zunächst Stehenden ein wenig zurück, bat sie ihm Raum zu machen, um den Gefangenen zu examiniren, und das Volk, willig gehorchend, beobachtete tiefes Schweigen.

»Hast Du den Kentuckier erschlagen?« war jetzt des Sheriffs erste Frage, der es nach all dem Vergangenen für ganz unmöglich hielt, daß der, den sie hier so mitten im Walde gefunden, vielleicht gar Nichts von der Sache wisse. »Hast Du den Kentuckier erschlagen? Gestehe es, und vielleicht kann Dir noch Gnade werden!«

»Gnade?« unterbrach ihn Leslie entrüstet, ehe der Gefangene auch nur eine Sylbe zu erwidern vermochte – »Gnade? den möcht' ich sehen, der Hills Mörder begnadigen wollte. Tod und –«

»Ruhe!« tönte es von allen Seiten. »Stört den Sheriff nicht und laßt ihn thun, was seines Amtes ist – Ruhe!«

Eine augenblickliche Todtenstille folgte dem früheren Lärmen, und der Sheriff berührte auf's Neue die Schulter des Unglücklichen und sagte mit ernster und doch milder Stimme:

»Hast Du den Kentuckier erschlagen, so gestehe es – nur durch ein offenes Geständniß kannst Du noch auf Gnade oder Mitleiden hoffen. Bist Du der Mörder?«

»Gnade – Gnade!« schrie der Knieende und umklammerte die Knie des Sheriffs – »Gnade – ich will Alles gestehen.«

»Ein Wunder – ein Wunder!« riefen die Baptisten im jubelnden Chor, und der Prediger stimmte mit voller, lauttönender Stimme ein Loblied des Herrn an, in das sämmtliche Mitglieder seiner Gemeinde jauchzend einfielen.

»Wo ist Mac Ferson?« sagte jetzt der Sheriff – – »bringt ihn her, daß wir sehen, ob dies derselbe ist, der ihm im Traum erschienen.«

Die Constabel sahen sich etwas verblüfft einander an, denn Keiner von ihnen hatte mehr an Mac Ferson gedacht. Der war ja unschuldig, der in Erfüllung gegangene Traum bewies das so sonnenklar wie nur möglich. Schnell durcheilten sie jedoch die Menge, den Verlangten aufzufinden und ihn, eigentlich im Triumph, zu dem hinzuführen, für dessen Schuld er beinah hätte büßen müssen; aber vergebens schauten sie sich zu ihrem Erstaunen nach dem bisherigen Gefangenen um, der war und blieb verschwunden und sie sahen sich endlich genöthigt, dem Sheriff Anzeige davon zu machen, der dann augenblicklich nach allen Richtungen hin Botschafter ausschickte, den vermuthlichen Flüchtling zurückzubringen, ihm aber zu sagen, daß er ohne Furcht folgen möge – er sei frei; der, den ihm Gott im Traum gezeigt, habe die Schuld schon gestanden.