»Alle Wetter!« rief da der ehrliche Leslie aus, »jetzt läuft der fort, weil er dem Frieden doch nicht so recht traut, und ist ein ehrlicher Mann und ich habe ihm Unrecht gethan. Nein, Sheriff, der soll nicht lange in der Welt umherirren und sich fürchten, einem ordentlichen Kerl in's Auge zu schauen – den müssen wir wieder finden, und mein bestes Pferd soll er haben, wenn er's annehmen will, nur deshalb, weil ich ihn für einen Schurken und Mörder gehalten. Gebt Ihr aber indessen wohl auf den zitternden Hallunken acht – gnade Gott dem, der ihn entspringen läßt. Nun fort, Ihr Leute, laßt uns Mac Ferson wiederfinden – er kann noch nicht weit sein, und drüben an der Straße stehen ja alle unsere Pferde.«

Der ehrliche Backwoodsman suchte jetzt, von seinen Freunden gefolgt, den ganzen Bezirk ab, und bald entdeckten auch ihre scharfen geübten Augen die Fährten des Entflohenen; Andere waren indessen nach den Pferden abgesandt, und Leslie schwang sich bald auf seinen feurigen Rappen und sprengte mit verhängten Zügeln dem nach, dem er so entsetzliches Unrecht gethan zu haben glaubte. Die Übrigen folgten zwar noch ebenfalls eine Strecke, gaben aber die Jagd bald auf, da sie einsahen, daß sie mit dem besser berittenen Leslie nicht Schritt halten konnten.

Indessen hatte sich um den auf so wunderbare Art gefangenen jungen Mann eine ganz eigene Gruppe gebildet; noch immer barg dieser nämlich sein Gesicht in den Händen und die Frauen, die gar zu gern gewußt hätten, was er denn eigentlich für Augen habe und wie er überhaupt aussähe, drängten immer näher und näher herzu und hielten den Sheriff und den zitternden Mörder fast allein umzingelt, während die kräftigen Gestalten der zurückgebliebenen Hinterwäldler den äußeren Kreis um diesen Zirkel bildeten. Der Sheriff aber winkte jetzt dem einen Constabel, den Verbrecher aufzuheben, um ihn in die Stadt und seinem richterlichen Verhör zuzuführen; erst nach langem Sträuben gehorchte der Unglückliche aber seinen Wächtern, und mehre Male mußte ihm der Baptistenprediger zureden, sich zu ermannen, seine Sünden zu bereuen und Gott wenigstens mit seinem entsetzlichen Verbrechen auszusöhnen.

»Wo ist Mac Ferson?« flüsterte dieser endlich mit leiser, kaum hörbarer Stimme.

»Hol' mich der Henker – ob er den Namen nicht kennt,« sagte der Constabel – »der ist fort, sie werden ihn aber wohl wieder holen!«

»Fort?« rief der Gefangene mit lauter freudiger Stimme und richtete sich schnell und plötzlich hoch auf – »fort? ist er wirklich fort?«

»Jesus von Nazareth!« schrie die Frau des Presbyterianischen Geistlichen, die dicht neben dem jungen Manne stand, und sich bis jetzt vergeblich bemüht hatte, sein Gesicht zu sehen, während ihr dieser jetzt starr in's Antlitz sah – »Jesus von Nazareth, das ist ja Missis Mac Ferson.« –

»Missis Ferson?« rief Alles erstaunt durcheinander; »die Frau des Iren? seine eigene Frau? und das der Mörder?«

Judith Mac Ferson aber, denn es war in der That die Frau des jetzt glücklich Befreiten, sank wieder thränenden Auges auf ihre Kniee nieder und sandte zu dem Allerbarmer ein heißes Dankgebet empor, daß ihr die Rettung ihres Mannes so glücklich gelungen sei.

Der Sheriff sammelte sich zuerst wieder, denn die Übrigen standen wirklich alle so stumm und starr vor Überraschung, als ob sie der Schlag getroffen habe; mit blitzenden Augen trat er der schönen jungen Frau, die jetzt die entstellende Binde und den Strohhut von der dunklen Lockenfülle abwarf, entgegen und rief mit finsterem Blick und drohender Stimme: