Die Mittel, deren er sich bedient, sind sehr einfach. Calomel ist die Hauptcur, und macht, nebst irgend einer großnamigen Patentmedicin, den Mittelpunkt, um den sich alles übrige dreht; sonst gebraucht er noch etwas Opium (aufgelöst), Ricinusöl, Glaubersalz, etwas Ipecacuanha, Chinarinde und Brechweinstein, und er hat alles, was er zu einer ausgebreiteten Praxis bedarf.

Schon fünf Meilen von seinem Heimathsort, wo er dem ersten fremden Menschen begegnet, erhält er den Namen »Doctor,« und die können von Glück sagen, die noch mit Salz oder andern unschädlichen Medicinen abgefertigt werden, denn wo der junge Doctor Geld wittert, da müssen die Leute von seiner Patent-Medicin kaufen, und Gnade ihnen Gott, wenn sie das rothe, zusammengeknetete Zeug verschlucken. Sind sie vollkommen gesund, so kommen sie vielleicht mit einer heilbaren Kolik oder einigen gelinden Krämpfen und einem schwachen Anfall von Apoplexie davon; sind sie aber ohnedies kränklich, dann ist ihnen selten mehr zu helfen, und sie vermehren die Zahl der Schlachtopfer, die jährlich dem so scheußlichen Götzen »Quacksalberei« geopfert werden.

Manchmal betreiben auch diese wandernden Krämer oder »Doctoren,« wie sie sich am liebsten genannt hören, ihr Geschäft humoristisch, im Fall sie entweder zu gewissenhaft sind, den Farmern ihre Latwergen aufzudringen oder darin eine leichtere und schnellere Art sehen, Geld zu verdienen; so durchzogen z. B. im Jahre 1843 zwei Yankees die nördlichen oder nordwestlichen Staaten mit solchem Glück, daß sie in wenigen Monaten eine bedeutende Summe Geldes erübrigt hatten. Ihr Plan, oder vielmehr ihre List, war die folgende gewesen.

Der Eine von ihnen, ohne Waaren oder Gepäck, mit nur einer gewöhnlichen amerikanischen Satteltasche von seinem kleinen, feurigen Pferde getragen, war der erste auf der unter ihnen ausgemachten Marschroute, und hielt bei jedem Haus, das auf seinem Wege lag, an, stieg ab, schüttelte den Bewohnern desselben sehr freundlich und lang die Hand, ging an den Wassereimer und trank aus dem langstieligen Flaschenkürbis, der neben demselben an einem Haken aufgehangen war, unterhielt sich dann noch eine Weile mit den Leuten, sprach über dies und jenes, schüttelte ihnen noch einmal zum Abschied die Hand, kehrte wieder um und entdeckte nun irgend einem der Männer, den er bei Seite nahm und um Verschweigen des ihm Anvertrauten bat, daß er – an einer sehr bösartigen Hautkrankheit leide und frug ihn, ob er nicht irgend eine dieser abhelfenden Salbe habe. Er hielt dabei die Hand des Farmers fest in der seinen und sah ihm bittend in's Auge, bis dieser plötzlich den Sinn der Worte begriff und schnell zurücktrat. Gewöhnlich wurde er hierauf schnell und mit einigen kurzen, nicht besonders freundlichen Worten abgefertigt; das that aber nichts, er hatte seinen Zweck erreicht, schwang sich in den Sattel und trabte, wehmüthig zurückgrüßend, langsam der nächsten Ansiedlung zu, um hier seine List zu wiederholen.

Die Farmerfamilie blieb aber in größter Aufregung zurück – was mußten hiervon die Folgen sein? Der Mann mit der ekelhaften Krankheit hatte allen und höchst warm und freundschaftlich die Hand gedrückt, hatte aus demselben Trinkgeschirr mit ihnen getrunken und es war jetzt fast unvermeidlich, daß sie angesteckt werden mußten. Da nähert sich auf hohem, starkknochigem Roß ein Fremder, hält und steigt ab; die Familie ist noch so bestürzt, daß sie kaum seiner achtet, er nimmt aber ohne weiteres das kleine Felleisen, welches er hinter sich am Sattel trägt, geht in's Haus und fragt, ob niemand etwas von seinen Medicinen bedürfe.

Medicin? das war ein Wink des Himmels – der Mann kam wie von Gott gesandt, und welch ein Glück, daß er auch eine solche gerade für diese Art Hautkrankheiten nützliche Salbe bei sich führte. Es ist seiner Aussage nach das letzte, und wenn auch etwas viel für die eine Familie, so kann man ja doch nicht wissen, ob die Krankheit nicht wirklich zum Ausbruch kommt und wie sie sich zeigen wird, gut oder bösartig. Auch ist der Preis gerade für diesen Artikel sehr hoch, aber was schadet das, beugt man denn nicht damit dem Unangenehmsten vor? Der schlaue Krämer hat aber in der That seinen Mantelsack nur mit dieser Arznei gefüllt, welcher blos oben darauf zum Schein noch einige andere beigefügt sind; er streicht daher fröhlich das Geld ein und folgt schnell dem Compagnon, der indessen auf seiner Schrecken verbreitenden Bahn weiter gegangen ist und neue Opfer gesammelt hat. Da sie ihren Weg natürlich immer weiter und stets durch fremde Gegenden fortsetzten, so war auch eine Entdeckung gar nicht zu befürchten, und nie haben wohl zwei Yankees in so kurzer Zeit solche brillante Geschäfte gemacht, als diese beiden wandernden Medicinkrämer.

Zu dieser Menschenclasse gehören auch noch eigentlich streng genommen die unzähligen Kiel- und Flatboote, welche mit den größeren Strömen hinabtreiben; nur eine gewisse Art derselben legt aber an den einzelnen Farmen und Plantagen an, die Mehrzahl schwimmt dem großen Markt des Südens, dem gewaltigen New-Orleans zu. Diese Krämerboote zeichnen sich vor den ersteren Kameraden durch eine kleine Stange und einen flatternden Wimpel aus; sie landen an jeder größeren Ansiedlung und führen theils Producte des Nordens, theils Ausschnitt- oder Blechwaaren, ja manchmal sogar Schaubuden und Theater mit sich. Ist an dem einen Ort ihr Geschäft beendet, so lösen sie das Tau und treiben weiter hinunter zum nächsten Platz, wobei sie, wie schon oben erwähnt, besonders in den südlichen Staaten vorzüglich gute Geschäfte machen, indem sie heimlich an die Negersklaven Whiskey ausschenken und dafür von diesen Feldfrüchte und selbstgezogenes oder gestohlenes Vieh eintauschen.

Der amerikanische Urwald.

Der deutsche Jäger, der Abends seine Jagdgeräthschaften für den nächsten Tag in der freundlich-gemüthlichen Stube zurechtlegt, Pulverhorn wie Korbflasche füllt und nun mit Tagesgrauen nichts weiter zu thun hat, als den Hund zu füttern und für sich selbst ein Paar Butterbröde zu schneiden, wenn nicht auch das die Frau schon besorgte; der dann sein Schießzeug umhängt und mit dem klugen Ponto durch offene Felder sucht, oder durch lichte Waldung pürscht, Nachts aber wieder ruhig in seinem warmen, weichen Bette liegt: der weiß freilich nicht, wie es einem armen Streifschützen zu Muthe ist, der, weit von jeder menschlichen Wohnung entfernt, in Regen und Sturm, vielleicht in Schnee und Eis draußen im Walde campirt, und hungert und friert.