»Es thut wohl recht weh?« fragte er ängstlich.

»Vater – schieß den Bär,« bat der Sohn, »ich sterbe hier vor Ungeduld – höre nur, wie uns die Hunde rufen – der alte Wolf ruft mich!«

»Aber soll ich Dich hier allein lassen?« fragte der Alte, noch unschlüssig.

»Du bist in zehn Minuten wieder zurück, und wenn ich den Knall der Büchse und den Sturz des Bären höre, werde ich wieder gesund!«

Die Hunde heulten jetzt wirklich auf eine herzzerreißende Art, und der alte Jäger, von den Bitten des Sohnes und seinem eignen Wunsche, ein schwerverwundetes Kind zu rächen, gedrängt, winkte dem ihm freudig Zulächelnden noch ein kurzes Lebewohl, sprang auf sein Pferd und seinen Jagdruf ausstoßend, der von der Meute jubelnd beantwortet wurde, war er in wenigen Sekunden im Waldesdunkel verschwunden.

Bald darauf ließ das Bellen der Hunde nach, ein Augenblick ängstlichen Stillschweigens, der früheren Todtenstille ähnlich, herrschte, und der Verwundete hob sich mit unendlicher Mühe etwas auf seinem Ellbogen in die Höhe, um sein Gesicht nach der Seite hin zu kehren, von welcher her er den Schuß zu hören erwartete. Da krachte der scharfe Knall der Büchse; die Hunde stießen einen Schrei aus, und gleich darauf schallte der dumpfe Fall des schweren Thieres, das von seiner erklommenen Höhe herabstürzte, zu dem jungen Mann herüber. Hochauf athmete der, und sank zufrieden lächelnd auf die Wurzel des Baumes zurück, unter dem er lag.

Wenige Minuten darauf aber sprengte auch schon in vollem Carriere sein Vater wieder zurück, warf sich vom Pferde und kniete an der Seite des todtmatten jungen Mannes nieder, der bleich, mit geschlossenen Augen, aber leise athmend da lag.

»William,« sagte er, leise seinen Arm berührend, »William – schläfst Du?«

»Nein, Vater,« hauchte der Kranke, die Augen aufschlagend und ihn freundlich anblickend – »hast Du den Bär?«

»Hier ist seine Tatze,« sagte der Alte, indem er dem Sohne die blutige, abgeschnittene Tatze des Ungethüms hinhielt – »der ist nicht mehr schädlich.«