Die beiden Männer schlugen im Ekel die Thür hinter sich zu, und erreichten bald darauf den bestimmten Versammlungsort, wo sie die übrigen schon ihrer harrend fanden.

Vom Boreas war ein Franzose unten am Wasser eingefangen, von dem Phönix noch ein anderer, und drei Matrosen von einem schon länger eingelaufenen Wallfischfänger. Man hatte aber sonst nutzlos all die Plätze durchstöbert, wo den Polizeileuten, wie sie sagten, gewisse Kunde zugegangen, daß sie heimlich versteckte Matrosen finden sollten. Wie sie meinten, war ihnen der auf den Fang gesetzte Preis noch nicht hoch genug, denn sie könnten nicht anders hinter ihre Schlupfwinkel kommen, als wenn sie die Leute, die sie versteckt hielten, bestachen, ihnen selbst den Zufluchtsort anzuzeigen. Das kostete natürlich viel Geld, und wollten die Capitäne nicht so viel anwenden, so sollten sie nur noch »ein Bißchen Geduld« haben. Mit der Zeit hofften sie schon alle wieder zu bekommen.

»Mit der Zeit« – das konnte aber noch vier bis sechs Wochen dauern, und sie wußten recht gut, daß die Schiffe dann das zehnfache an Unkosten haben würden. Sie bezweckten aber auch damit was sie wollten. Die Capitäne waren gezwungen höhere Belohnungen auf den Einfang der weggelaufenen Leute zu setzen.

Als sie auf ihre Schiffe zurückkehrten, mochte es schon ein Uhr Morgens sein, und die Straßen waren still und öde. Einzelne Constabler gingen langsam auf und ab, und ihre Schritte hallten von den hohen Gebäuden wieder. Nur nach unten, nach dem Wasser zu zeigte sich der helle Schimmer weiblicher Kleidungsstücke. Es waren zwei Frauen, die betrunken auf einem Haufen dort gebrochener Steine lagen und ihren Rausch ausschliefen. Da sie keinen Lärm mehr machten, ließen sie die Constabler ruhig liegen.

Siebentes Capitel.
Was das Geld vermag.

Noch volle zehn Tage nach diesem Abend hatte der Boreas draußen in der Bay gelegen, und auf das Einfangen seiner Leute gewartet, ohne nur das mindeste Resultat weiter erzielt zu haben. Neue konnte der Capitän ebenfalls nicht bekommen; seine frühere Mannschaft hatte seinen Ruf durch die ganze Stadt verbreitet, und ein Proceß, den er gleich beim Einlaufen mit dem Koch und einem der französischen Matrosen gehabt und der gegen ihn entschieden und in den Blättern besprochen war, diente auch nur noch dazu, Matrosen, die ja schiffen wollten und dazu hundert andere Gelegenheiten finden konnten, vor seinem Schiff zu warnen.

Er mußte aber jetzt fort – schon hatte er sich wieder genöthigt gesehen frisches Wasser und sogar noch mehr Futter für die Pferde, die er an Bord hatte, einzunehmen. Die Preise der Leute stiegen dabei von Tag zu Tag, und es geschah endlich was die Diener der Wasserpolizei schon lange vorhergesehen hatten – er mußte sechs Pfund Sterling auf jeden eingefangenen Matrosen stellen, und brachte dadurch die ganze Polizei in Bewegung. Hier war etwas zu verdienen, und Charles wenigstens wußte, an wen er sich zu wenden hätte.

Es wird übrigens Zeit, daß ich den Leser auch wieder zu den Hauptpersonen dieser Erzählung zurückführe.

Die Mannschaft des Boreas hatte sich an dem Morgen, wo sie ihre Flucht so glücklich von Bord bewerkstelligte, nach Verabredung in das goldene Kreuz begeben. Hier harrte ihrer schon der Wirth, nahm ihre Sachen in Empfang, die er sorgfältig in ein besonderes kleines Zimmer verschloß, und ließ die Flüchtigen dann durch einen jungen Burschen, den er zu diesem Zweck die Nacht bei sich behalten hatte, über die Bay schaffen. Er beköstigte sie dort, und war durch ihre Kleider für die Auslagen der wenigen Lebensmittel, durch ihre Entfernung aber auch dagegen gesichert, daß das Gesetz ihm, wenn sie wirklich ausgespürt wurden, nicht zu Leibe konnte.