Um des Gefangenen Züge spielte ein leises schmerzliches Lächeln, – aber sein Blick suchte wieder die im Süd-Westen aufsteigenden Wolken, die er in den letzten Minuten schon aufmerksam betrachtet hatte. Wie unruhig schaute er dann nach dem Oberbramsegel hinauf. Bill, der neben ihm stand hatte den Blick gesehen und sagte leise:

»Du hast recht Hans, wir kriegen heut Abend faul Wetter und wenn der Alte nicht bald Segel« –

Des Capitäns Stimme unterbrach ihn hier. – Dieser war bis dicht an die dünne eiserne Railing getreten, die das Quarterdeck, das halb aus dem unteren Raum emporragte, von dem Mitteldeck trennte, und redete jetzt die Mannschaft mit lauter aber doch nicht fest klingender Stimme an:

»Leute – wie Ihr wohl wissen werdet, so hat gestern der deutsche Matrose da – könnt Ihr nicht aufrecht stehn, Sir, wenn man zu Euch spricht? – heh?« – Hans versuchte sich aufzurichten, mußte sich aber immer noch festhalten und suchte sich jetzt mit dem gesunden Beine gegen das Faß zu stützen.

»Sein Bein thut ihm noch weh,« sagte der zweite Mate leise zum Capitän, hinter dem er stand. –

»Sein Bein soll verdammt sein,« erwiederte dieser barsch und laut, »übrigens hab ich Euch nicht gefragt Sir, daß Ihr Euch hier das Wort erlaubt.« –

»Ich meinte nur.«

»Ihr habt Nichts zu meinen, Ruhe Sir – Gott verdamme mich, ich will Ordnung hier an Bord haben, oder mit Schiff und Mannschaft zu Grunde gehn – und Gnade Gott allen denen, über die ich vorher noch weg muß. – Also wie ich Euch sagte, Leute, so hat gestern der deutsche Matrose, sich erst im Raum unten, als ich ihn wegen Unordnung und Liederlichkeit zurecht wieß, mit Worten gegen mich vergangen, und zuletzt sogar einen mörderischen Angriff auf mich gewagt, bei dem er mich, von der Dunkelheit des unteren Raumes und der Lokalität begünstigt, mit irgend einem schweren Instrument oder Gegenstand vor den Kopf traf und zu Boden warf.«

»Ich hätte meinen Hals verwettet,« flüsterte Bill dem neben ihm stehenden Jean zu, »daß er's akkurat so herausbringen würde. – Ein Advokat hätt's nicht besser machen können.«

»Dem Gesetz nach könnte ich ihn nun bis Indien« – fuhr der Capitän fort, »schwer geschlossen im unteren Raume lassen. Da wir aber überdies schwach bemannt und einige von uns noch dazu krank sind, so dürfte ich das jetzt kaum mit der Sicherheit des Schiffes verantworten können. Ganz ohne Strafe soll er aber natürlich, bis ich ihn in Calcutta den Gerichten übergeben kann, nicht wegkommen, und der Bootsmann wird ihm deshalb hier vor Euren Augen funfzig Hiebe aufzählen – als Warnung für jeden Einzelnen unter Euch für die Zukunft. Ihr habt mir in Sydney Aerger und Kosten genug gemacht, und ich will mir hier an Bord wenigstens nicht länger von Euch auf der Nase herumspielen lassen, oder mich gar Euren mörderischen Angriffen aussetzen. Bootsmann – thut Eure Schuldigkeit.«