Er wandte sich um als ob er nach hinten gehen wollte. Des Gefangenen Stimme hielt ihn da zurück; er blieb mitten im Gange stehen, drehte sich aber nur halb nach diesem wieder um.
»Capitän,« sagte Hans, dem die Worte kaum aus dem Mund wollten, so erstickte die innere fürchterliche Aufregung seine Stimme. Er sprach auch sehr langsam, wie er immer that wenn er sich des Englischen bediente. – »Capitän – in Sydney haben fast alle Euer Schiff verlassen, nur ich nicht, weil ich Euch mein Wort gegeben hatte zu bleiben.«
»Du bist geblieben, Schuft, weil ich den Lohn von voriger Reise für dich in Händen hatte,« lachte der Capitän und drehte sich wieder ab – »nicht wegen deines Ehrenworts.«
»Capitän,« rief aber Hans noch einmal, dem das Blut jetzt wie mit vollen Strömen aus dem Herzen herauf ins Gesicht stieg – »ich blieb, weil ich mein Wort gegeben – und ich gebe es Euch hier noch einmal – nehmt die Strafe zurück. Ihr wißt selber, wie Ihr mich gereizt habt. – Ich war meiner Sinne nicht mächtig als ich nach Euch schlug – aber nur mit meiner nackten unbewaffneten Faust, so helfe mir Gott. – Nehmt die Strafe zurück und ich will arbeiten, daß mir das Blut unter den Nägeln vorkommt – oder in Eisen liegen wie Ihr wollt – ich will nicht murren. – Setzt mich die ganze Reise auf Wasser und Brod – behaltet zur Strafe für mich jeden Cent, den ich bis jetzt hier an Bord verdient habe – aber – aber – keine Schläge.«
Der Capitän war stehen geblieben, aber allem Anschein nach ohne den Worten auch nur die geringste Aufmerksamkeit zu widmen. – Er wandte sich jetzt rasch gegen den Zimmermann und sagte schnell: –
»Hab' ich Euch nicht befohlen Eure Schuldigkeit zu thun? – Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren, dort hinten kommt ein Wetter auf – Bob – Jim – bindet den Gefangenen an die Leeseite – nur mit den Händen – er mag aufrecht dabei stehen bleiben oder – wenn ihm das bequemer ist, auf die Kniee niederfallen.«
»Capitän!« schrie aber jetzt Hans plötzlich, als die beiden auf ihn zutraten, mit lauter fast drohender Stimme, und in so reinem, flüssigem Englisch, daß selbst der Capitän sich erstaunt nach ihm umschaute – »Ihr wißt, daß ich mein Wort halte, aber beim heiligen Gott des Himmels, der, der Hand an mich legt, schlage mich lieber gleich todt, denn so wahr ich einst selig zu werden hoffte, so wahrhaftig morde ich ihn im nächsten Augenblick, wo ich die Hände frei bekomme.«
»Ah, wenn die Sachen so stehen, wollen wir wohl zusehen daß du die Hände nicht frei bekommst, mein Bursche,« lachte der Capitän höhnisch – »Gott verdamme es, wie der Kerl auf einmal so gut englisch spricht – das bringt die Angst heraus. Also Mord – gut Sir, wir werden's nicht vergessen. – Und nun an die Arbeit, Bootsmann, und legt gut auf, oder ich laß Euch auf Euerm eigenen Rücken zeigen wie man's machen muß. Allons, Bob – Jim – Pest, noch einmal Burschen, soll ich's Euch zum drittenmal sagen?«
Die beiden hatten unschlüssig dagestanden. Dem directen Aufruf des Capitäns wagten sie aber nicht den Gehorsam zu verweigern, und führten den Gefangenen an die Leeseite, wo sie ihm das Hemd abzogen und den Rücken entblößten. Brust und Schultern waren ihm mit blauen wunderbaren Zeichen tättowirt, und auf der ersteren hatte er noch außerdem drei tiefe, aber schon seit Jahren verharrschte Narben. Sie banden ihm die Hände hoch in die Höhe, aber er sprach kein Wort mehr, und ließ alles ruhig mit sich geschehen. Der Zimmermann hatte indessen ein schon bereitliegendes noch neues Reefband vorgenommen, wickelte sich das eine Ende davon um die rechte Hand, und trat auf den Gefangenen zu.
Indessen hatte es schon lange im Südwesten geblitzt, und es folgte gerade in diesem Augenblick ein so heftiger Donnerschlag, daß Alle, die bis jetzt nur mit dem Gefangenen beschäftigt gewesen, erschrocken aufsahen.