»Hier auf dem Berg sind wir ihnen auch vollkommen preisgegeben,« meinte François kopfschüttelnd. »Sie können jede unserer Bewegungen beobachten, und sich nachher prächtig ins Dickicht in den Hinterhalt legen, ehe wir nur einmal ahnen daß sie in der Nähe sind. – Wenn sie nur mit Bill nichts unter der Zeit anfangen. Bill ist ein ganz tüchtiger Kerl, und fürchtet sich vor dem Teufel nicht; aber wo es heißt irgend einer List zu begegnen, da traue ich ihm eben nicht übermäßig viel zu.«

»Mir ist das auch schon im Kopf herumgegangen,« sagte Hans, »und ich habe nur dabei meine Hoffnung auf Timor gesetzt, der, selber halb ein Wilder, sich nicht wird so leicht überlisten lassen. – Hättet Ihr nicht Euer Herz einmal darauf gestellt, ich wäre auch gar nicht aus dem Boot gegangen.«

»Ja, und ich glaube wir haben dabei einen dummen Streich gemacht,« entgegnete ihm Jean kopfschüttelnd. »Ich gebe allerdings zu, daß ich selbst jetzt noch dabei wäre, wenn Ihr Euch alle dahin entschlösset die Landtour nach dem Süden hinunter zu unternehmen, so verzweifelt das Mittel auch sein möchte, um von hier fortzukommen. Dann aber hätten wir auch unser Boot ganz im Stich lassen, und unsere Kräfte nicht zersplittern sollen. Ueberdies sehe ich jetzt nicht recht gut ein was wir hier eigentlich wollen. Proviant brauchen wir hier noch nicht, sondern verzehren im Gegentheil mehr als mir scheint, daß wir hier wieder einlegen können, und vom Land werden wir auch nicht mehr zu sehen bekommen als wir bis jetzt gesehen haben. Es ist eine trostlose, entsetzliche Wildniß und ich stimme dafür, daß wir sobald als möglich machen wieder abzukommen. Wollen wir dabei noch ein Uebriges thun, so können wir ja eben nur einen Bogen durchs Thal ziehen, die Vegetation unten ein wenig genauer kennen zu lernen, dann sind wir gegen Abend wieder am Ufer, rufen unser Boot an und schlafen die Nacht an Bord wahrhaftig besser und sicherer als hier, wo man nie weiß von welcher Seite die schwarzen Schufte zuerst über uns einbrechen mögen.«

»Ja, und je eher wir hier fortkommen, desto besser,« stimmte François etwas kleinmüthig bei, »denn, weiß der Böse woher es kommt, aber meine Schuhe fangen auch an zu drücken, und den einen hab' ich mir auch schon in dem scharfen Boden hier aufgetreten. – Mit keiner Silbe hatt' ich ja daran gedacht, daß man zu einer Fußreise zu Land auch tüchtiges Schuhwerk nöthig hat, denn das leichte Zeug, womit wir an Deck herumlaufen müssen, damit wir dem Capitän das Quarterdeck nicht zerkratzen, würde bald fertig werden. Nachher was dann? Nein, eine Landreise klingt recht gut von Bord aus, aber mir ist's doch jetzt ungemein lieb, daß wir noch den Hinterhalt an unserem Boot haben. Nun Hans, wie stehts? – was giebts wieder?«

»Meine Meinung braucht Ihr nicht erst zu hören,« sagte dieser, ohne die Augen jedoch von einem gewissen Punkt des Waldstreifens, der sich unfern von ihnen über den Berg hinzog, zu verwenden. – »Ich bin von Anfang an gegen einen solchen Marsch gewesen, und wußte recht gut Ihr würdet das Wahnsinnige eines solchen Unternehmens einsehen, sobald Ihr nur einmal den Fuß an Land gesetzt hättet. Aber ich glaube, wir bekommen Besuch,« fuhr er dann fort, den Arm nach der Richtung hin ausstreckend, nach der er schaute. »Dorthin regt sich's jedenfalls, will aber noch nicht recht heraus. Nun wir brauchen uns wenigstens keine Mühe zu geben unsere Anwesenheit geheim zu halten, denn ich bin fest überzeugt, wir werden von allen Seiten scharf genug beobachtet.«

»Ku-ih!« rief es in dem Augenblick wieder aus dem Walde herüber, und Hans wollte eben die Hand an den Mund heben, den Ruf diesmal zu beantworten, als dicht hinter ihnen, wo ein kleiner Vorsprung des Hügels auslief, daß sie die Ecke nicht hatten übersehen können, der Schrei laut und sorglos beantwortet wurde.

Wie der Blitz fuhren die drei nach dem unerwarteten Ruf herum, und unwillkürlich rissen sie ihre Gewehre in die Höhe, Hans aber winkte ihnen auch ebenso rasch sich ruhig zu verhalten, und nur nach der Gegend zu Front machend, von der der Laut kam, standen sie still und regungslos.

Sie brauchten nicht lange zu warten. Noch keine halbe Minute hatten sie so gestanden, als ein Schwarzer, vollkommen nackt, und nur mit einem kurzen Speer bewaffnet um den Absprung des Hügels bog. Er hielt den Blick auf den Boden geheftet, und es war augenscheinlich, daß er keine Ahnung von der Anwesenheit der weißen Männer haben konnte. In dem Moment aber, wo sie glaubten daß er jetzt erstarrt vor Schreck zu ihnen aufschauen und die entsetzlichen Weißen vor sich erblicken sollte, war er plötzlich wieder fast wie in den Boden hinein verschwunden.

»Peste!« riefen Jean und François fast zu gleicher Zeit; als Hans aber rasch dem kleinen Abhang zusprang, zu sehen was aus ihm geworden, konnte er eben noch die dunkle Gestalt erkennen, wie sie an dem bröcklichen Gestein, ganz gleichgültig gegen irgend eine Gefahr von Knochenbrüchen oder sonstigen Quetschungen mehr niederrollte als glitt, und wie eine Schlange unter den nächsten Büschen verschwand.

»Wenn der Bursche nicht fest überzeugt ist den Teufel gesehen zu haben,« lachte Jean, »so will ich nie wieder auf Salzwasser fahren. Der wird eine schöne Geschichte erzählen, wenn er zu Haus kommt.«