»Der muß noch keine Ahnung von uns gehabt haben,« meinte François.

»Es mag wohl selten genug vorkommen,« sagte Hans, »daß Weiße hier an der Küste landen, denn die Eingebornen hier haben vielleicht einen noch schlimmeren Ruf als sie verdienen. – Wir würden auch manchem auf diese Art begegnen, wenn wir länger hier blieben. Aber Jean hat recht – auch ich sehe nicht den geringsten Nutzen weiter für uns darin, nur Schaden; also je rascher wir wieder fortkommen, desto besser, und zu diesem Zweck nehmen wir ebenso gut den nächsten Weg nach der Küste zu, wo wir allerdings durch eine längere Strecke Thalland müssen, aber auch die offene Küste eher erreichen und das Boot anrufen können.« – Und ohne weiter eine Antwort abzuwarten, wollte er den bezeichneten Weg vorangehen, als ihn Jean noch einmal am Arm ergriff und gegen den Hügel, an dem sie standen, hinüberdeutend, ausrief:

»Aber sieht das hier nicht so aus wie bewohnter Boden? – die freie, scharf vom Wald begränzte Fläche, die baumstumpfähnlichen Ameisenhügel, jene fast regelmäßig eingeschnittene Hecke. – Ich glaube wahrhaftig hier ist einmal Feld gewesen.«

»Ein Schlachtfeld vielleicht feindlicher Stämme,« erwiderte Hans kopfschüttelnd, »sonst wahrlich kein anderes. – Nein Camerad, all diese weiten ungeheueren Strecken des nördlichen Australiens liegen noch wild und unberührt, ein oder zwei kleine Forts weiter westlich hin ausgenommen – und werden auch wohl so lange so liegen bleiben, bis es hier auf unserer guten Erde recht an Platz zu fehlen anfängt, oder – die Leute sich mit Salzwasser anstatt frischen Quellen zu begnügen lernen. – Aber fort – da gerade vor uns tönt schon wieder ein Ku-ih der Eingebornen, es wird Zeit daß wir nach unten gehen, denn die Sonne sinkt mehr und mehr, und – ich weiß nicht, ich fühle mich Bills wegen beunruhigt. Dort hinüber kann ich auch nicht einmal das Boot sehen, und das müßte doch eigentlich von hier aus gut zu erkennen sein.«

»Es wird hinter der kleinen Insel liegen,« meinte François – »die steigt so mit der Ebbe höher und höher hinauf. – Mir scheint, wir haben jetzt niedrig Wasser. Wetter noch einmal, wie lange wir schon hier herumgeklettert sind.«

Hans warf noch einen langen forschenden Blick über den ruhigen Spiegel dieser weiten, mit Inseln und Klippen überstreuten Binnensee, und stieg dann ohne Weiteres nach unten, ihren Weg gegen die Küste hin zu suchen. Das war aber nicht so leicht ausgeführt, als sie im Anfang geglaubt haben mochten. Gerade dem Strande zu breitete sich ein so entsetzliches Dickicht von jenen Theebaumdickichten mit durcheinander gestürzten Cycas und Banksias und Pandanus aus, daß sie mit ihren Packen oft Viertelstunden lang gebrauchten, sich nur eine kleine Strecke weit fortzuarbeiten, und die zähen Stämme nie brechen, sondern höchstens nur aus dem Weg biegen konnten.

Hans hatte gleich von Anfang an vorgeschlagen wieder umzukehren, und lieber den Weg zurückzumachen den sie gekommen waren. Jean und François wollten aber den mühseligen Pfad nicht zurück, da dem letzteren besonders die Füße wie Feuer brannten. Während sie deshalb mit jedem Schritt hofften den helleren Waldstreifen zu erreichen, hinter dem endlich der offene Strand sichtbar werden mußte, arbeiteten sie sich tiefer und tiefer in das Dickicht hinein. Zuletzt fehlte ihnen sogar die Richtung, und sie fanden bald daß sie viel weiter in den Thalgrund hineingerathen sein mußten als sie im Anfang beabsichtigt hatten.

Dabei rückte der Abend mehr und mehr vor, und Hans blieb endlich stehen, da ihm die Vegetation um sich her vorkam, als ob sie sich eher wieder den Hügeln als dem Strande der See näherten. – Die verschiedenartigen Gumbäume, Eisenrinde, Melaleuca, Gum und Stringybark, mit Acacien und Cypressen zeigten sich, und von dem Mangrovesumpf, den sie kreuzen mußten ehe sie den Strand erreichten, war noch nicht die Spur zu sehen.

»Hier dürfen wir nicht mehr weiter,« sagte er endlich, »denn ich fürchte wir haben uns schon seit etwa zwei Stunden die größte Mühe gegeben, von unserem Boote fortzukommen, anstatt darauf zuzugehen – wo ist jetzt die See – wo sind die Hügel? –«

»Ja, wenn mich Einer auf den Kopf stellte,« lachte Jean, »ich könnt's nicht sagen; Wetter noch einmal, ich weiß nicht einmal wo Nord und Süden ist, so lange ich die Sonne nicht sehen kann.«