»Norden ist dort,« sagte Hans, »und Süden hier, aber ich fürchte wir sind zu weit in das Thal des Flusses selber hinein gerathen, und da wird uns die Himmelsrichtung insofern irre geführt haben, als sich die breiteste Strecke Sumpfland gerade hier nach Norden hinaufzog; unsere einzige Wahl bleibt jetzt nur geradezu nach Osten hinüberzuarbeiten, und dann unserem guten Glück zu vertrauen, wohin wir kommen, und wo wir zuerst frei von diesem Chaos von Zweigen und Stämmen werden.«

Neunzehntes Capitel.
Das Bivouak.

Die beiden Franzosen, so schon durch das ungewohnte Gehen und Klettern, ermüdet und abgemattet waren durch das Hindurcharbeiten durch Dornen und Schlingpflanzen und niedergebrochenes trockenes Holz oder verwachsene Büsche so erschöpft worden, daß sie kaum mehr ihre Glieder regen konnten. Das Bewußtsein sich verirrt zu haben, oder wenigstens nicht mehr genau zu wissen wo man sei – jedenfalls ein geringerer Grad desselben – schien dabei nicht geeignet sie heiterer zu stimmen. Der Wasservorrath den sie mitgenommen, war ebenfalls schon aufgezehrt, die Zunge klebte ihnen fortwährend am Gaumen, und das in den Flaschen warm gewordene Getränk löschte nicht einmal mehr ihren Durst.

Hans wußte zu gleicher Zeit recht gut, daß ein Berathschlagen mit den beiden doch weiter nichts gefruchtet hätte. Ruhig deshalb die Bahn verfolgend, die er für die richtige ansah, hielt er sich jetzt am Ufer einer schmalen Salzwasser-Lagune, die nach Nordosten zulief, und in ihrem inneren Bett etwas offenere Vegetation zeigte, und suchte dabei so rasch als möglich vorwärts zu dringen. Aber es half ihm alles nichts, die Nacht brach an, ehe sie auch nur einen anderen, der See näher scheinenden Ort erreicht hatten, und es blieb ihnen jetzt nichts weiter übrig als da, wo sie sich gerade befanden, ein Lager aufzuschlagen und den dämmernden Tag zu erwarten.

Jean wollte nun freilich auch noch die Nacht benützen, den Strand doch am Ende zu erreichen, da, wie er gehört hatte, die Eingebornen in dunkler Nacht nie gern ihren Lagerplatz verließen. Hans weigerte sich aber entschieden aufs geradewohl noch weiter, besonders im Dunkeln durch die Büsche zu kriechen, und warf nicht mit Unrecht ein, daß sie möglicherweise dadurch immer weiter vom Boote abkämen. Dagegen konnten sie in der Nacht wenn alles ruhig geworden war und besonders der Lärm der wilden Tauben hier im Unterholz aufgehört hatte, ihre Gewehre abschießen und Antwort vom Boot aus bekommen, wonach sie dann die genaue Richtung wußten, in der dasselbe lag.

Diesem fügten sich François und Jean endlich ebenfalls, und bald loderte mitten in einem Pandanusdickicht ein lustiges Feuer auf, um das sie ihre Gewehre jedoch immer schußfertig neben sich lagerten, und von ihren Provisionen ein reichliches Mahl hielten. Der mitgenommene Wein kam ihnen jetzt sehr zu statten, denn sie hatten kein Wasser finden können, und erst nachdem alles still und ruhig um sie her geworden, und nur noch hie und da das Zirpen einer Grille oder das wunderliche Geräusch eines einzelnen »fliegenden Fuchses« die Ruhe der Nacht unterbrach, nahm Hans sein Gewehr, um es nach der Richtung zu, nach der er das Boot vermuthete, abzufeuern.

In dem Augenblick tönte schwach, aber nichtsdestoweniger deutlich, der Schall eines Schusses zu ihnen herüber, und als sie sämmtlich von ihren Sitzen emporfuhren und horchten, hörten sie unverkennbar das zweite Signal.

»Das ist gescheut!« sagte François, während er den Hahn seines eigenen Gewehres spannte – »nun wollen wir« –

»Halt!« unterbrach ihn aber Hans, indem er die Hand auf das Gewehr des Franzosen legte, »Bill erspart uns die Nothwendigkeit, der ganzen Nachbarschaft anzugeben wo wir uns gegenwärtig befinden, und es wäre mehr als thöricht, das jetzt leichtsinnig zu mißbrauchen.«

»Aber sie werden im Boote glauben wir hätten es nicht gehört,« sagte Jean.