»Ich will gekielholt werden, wenn ich's weiß,« brummte Jener – »verdammt schnell ging's, so viel ist gewiß, und schwarz war's auch – wenigstens am Stern, denn weiter hab' ich nicht viel davon gesehen.«
»Es wird eines der wildgewordenen Schweine gewesen sein,« beruhigte sich da Dumfry – »es giebt viele auf der Insel, und fast sonst keine anderen wilden Bestien. Ihr braucht keine Angst« –
»Da ist es wieder!« rief Van Broon und deutete erschrocken in das dichte Kraut; während aber Alle schwiegen und aufmerksam horchten, vernahmen sie deutlich, wie die Büsche, und zwar gar nicht weit von ihnen entfernt, rauschend zur Seite gedrückt wurden, als ob sich irgend ein schwerer Körper rasch hindurch dränge. Dumfry richtete sich, so weit das gehen wollte, empor, das Dickicht war aber hier höher als er selbst, es ließ sich Nichts erkennen, und ebensowenig sah er irgend einen höheren Gegenstand in der Nähe, den er hätte ersteigen können; nicht einmal ein Baum stand in mehren hundert Schritt Entfernung.
»Van Broon – Mr. Van Broon,« flüsterte da plötzlich der angebliche Neuseeländer, denn das Unbekannte rührte sich wieder, als ob es noch einmal über den Pfad brechen wollte – und zu gleicher Zeit nahm Dumfry seine Flinte wieder in Anschlag und richtete sie gegen den Ort, von dem das Geräusch herüber tönte – »versuchen Sie doch einmal, ob Sie von Mr. Tomson's Schultern aus den Plan übersehen und erkennen können, was hier eigentlich in unserer Nähe herumkriecht – ich will indessen die offene Bahn bewachen.«
»Ahem,« brummte der kleine Holländer, und wandte sich gegen den Seemann, der, wenn auch durch die Zumuthung vielleicht überrascht, doch gutmüthig, ohne übrigens die Pistole abzulegen, die linke Hand auf sein linkes Knie stemmte und dadurch seine Bereitwilligkeit ausdrückte, als Observatorium benutzt zu werden, – »ahem – will's versuchen – werde ja wohl hinauf kommen.«
»Schnell – schnell!« mahnte Dumfry ungeduldig – »die Pest über das Trödeln, glauben Sie, daß der wartet?«
»Der? wer?« frug Van Broon erstaunt und drehte sich schnell wieder gegen den Redner herum. Auch Tomson sah zu ihm auf.
Dumfry stampfte ärgerlich mit dem Fuß und Van Broon, der noch nicht recht mit sich einig schien, ob er wirklich thätigen Antheil an ihrem Abenteuer nehmen, oder die Sache ruhig abwarten solle, trat endlich kopfschüttelnd auf den Seemann zu, faßte ihn von hinten um den Hals, hob ihm sein linkes Knie über das Hüftbein und warf sich nun – mit einem Versuch, auf solche Art förmlich in den Sattel zu springen – dermaßen über den Matrosen hin, daß er diesen ohne weiteres in das Farrenkraut hineindrückte und dann gleich darauf selbst, den Kopf voran, in das Dickicht nachschoß.
»Alle Wetter!« schrie Tomson, und fuhr mit beiden Händen aus, um sich vor dem Falle zu wahren, gedachte aber dabei nicht der geladenen Pistole, und während er, von dem schweren Gewicht des kleinen Holländers niedergezogen, in dem dichten Farrenkraut verschwand, berührte sein Finger den Drücker, und die Kugel fuhr, dicht an Van Broon's Kopf vorüber, in die Luft.
Dumfry drehte sich fast unwillkürlich nach dem Schusse um. In demselben Moment glitt aber auch jener dunkle Gegenstand wieder zurück über den Pfad, und zwar diesmal vor ihnen vorüber, während der Neuseeländer durch das, was hinter ihm vorging, abgezogen, nicht rasch genug die Flinte an den Backen reißen konnte, den fremden Gegenstand aufs Korn zu nehmen, ehe dieser schon wieder im Dickicht verschwunden war. So kurzer Blick ihm übrigens gestattet gewesen, so mußte dieser doch wohl genügt haben, seinen Entschluß zu bestimmen, denn, ohne auch nur einen Moment länger zu zögern, warf er die Flinte, die ihm in solchem Pflanzengewirr nur hinderlich sein mußte, von sich, riß den Tomahawk aus dem Gürtel und sprang dort in das Kraut hinein, wo die zurückgebogenen Sträuche die Spur des Flüchtigen verriethen.