»Nun, hier in Missouri wird die Sclaverei noch nicht so arg getrieben,« sagte Hennigs, »im Süden mag's freilich schlimmer sein; hier hören wir auch ganz selten von entflohenen Negern, und das, sollte ich denken, wäre ein ziemlich günstiges Zeichen. Wo ein Freistaat so nahe ist und die Sclaven trotzdem bei ihrem Herrn bleiben, da kann auch ihr Loos noch kein entsetzliches sein.«

»Und wie sollten sie denn entfliehen können?« frug Mrs. Draper, »muß denn nicht ein Neger, wenn er nur selbst auf eine andere Farm oder Plantage hinübergeht, einen Paß haben, ohne den er von jedem weißen Mann festgenommen werden kann? und liefert nicht selbst dann, wenn der flüchtige Neger den Freistaat wirklich erreicht hat, dieser, zur Schande der Vereinigten Staaten, den festgenommenen Sclaven an seinen Herrn aus? Wie also soll ein solcher armer Mensch denn entkommen, wenn er Niemanden weiß an den er sich wenden kann, wenn er Niemanden hat, der ihn unterstützt und ihm forthilft, und wer das thut – hat Zuchthausstrafe zu erwarten.«

»Das Ausliefern muß aber sein,« fiel ihr hier Hennigs in die Rede, »wie könnten denn die Vereinigten Staaten einig neben einander bestehen, wenn sie einander ihr Eigenthum vorenthalten wollten; das gäbe ja zu endlosen Streitigkeiten Anlaß, und müßte nach und nach zu Haß und Zwietracht führen. Nein, es ist allerdings schlimm, daß wir die Sclaverei haben, und ich selbst wollte Gott danken, wenn es ein Mittel gäbe ihrer los und ledig zu werden, und alle von Negern Abstammende wieder über die See zurück in ihre Heimath senden könnten, wie ja der Anfang dazu auch mit Liberia gemacht ist; da aber die klügsten Leute im Lande sich schon seit langen Jahren vergebens die Köpfe zerbrochen haben, wie Dem am Besten abzuhelfen wäre, so wird unser Einer doch auch nicht dagegen ankämpfen sollen. Das Bestehende, wie es nun einmal besteht, muß der Einzelne ehren.«

Lucy hatte indessen aus einer Spalte über dem Kamine ein zusammengefaltetes Zeitungsblatt herausgenommen, schlug es jetzt aus einander und hielt es dem jungen Mann entgegen.

»Sie behaupten, es entflöhen hier in Missouri keine Neger ihren Herren?« sagte sie mit leisem Vorwurf im Tone, »da – überzeugen Sie sich selbst; hier stehen Drei angegeben, und vor jedem ein kleines Bildchen: ein armer Neger mit seinem Päckchen auf dem Rücken; der eine ist sogar von einem unserer Nachbarn, aus dem nächsten County, von Squire Wallis.«

»Das spricht für und wider mich,« sagte Hennigs; »wider mich, wegen dem Entlaufen, für mich, weil eben dieser Wallis auch Einer von Ihren sogenannten frommen Leuten ist; er hat sogar schon gepredigt, und die Presbyterianer halten ihn für ein besonderes Licht, das dem Staate und ihrer Kirche in diesem Manne aufgegangen sei. Gott bewahre uns vor solcher Beleuchtung!«

»Behandelt Mr. Wallis seine Sclaven wirklich so arg?« frug die Matrone.

»Dessen war Draper und ich neulich Zeuge,« erwiederte ihr Hennigs; »wir ritten gerade vorbei, als er einen seiner jungen Neger an einen Baum gebunden hatte und ruhig daneben seine Pfeife rauchte; dann und wann nur, wie um sich eine kleine Bewegung zu machen, stand er auf und peitschte den Unglücklichen höchsteigenhändig, daß ihm das klare Blut an dem Rücken hinunter lief. Wir frugen ihn, was ihn zu einer so fürchterlichen Strafe veranlaßt habe, er behauptete aber, er thue das aus christlicher Milde, es sei gegen seine Grundsätze einen seiner Sclaven im Zorn zu strafen, und da kühle er sich in der Zwischenzeit immer erst ein wenig ab, um ruhig zu bleiben und nicht hitzig zu werden.«

»Und das nennen Sie ein freies Land!« rief die Matrone entrüstet.

»Und das nennen Sie einen frommen Christen!« warf Hennigs dagegen ein; »ist Ihnen da nicht Ihr Mann mit all seinen kleinen Fehlern und Eigenheiten, meinetwegen Schwächen, zehntausendmal lieber, selbst wenn er dann und wann das untere Ende des Whiskeykruges höher hebt, als das obere, und seinem Herzen mit etwas rauh klingenden, aber keineswegs bösgemeinten Worten Luft macht?«