Mrs. Draper rief in diesem Augenblick zum Frühstück, und Mr. Pitt rutschte schnell unter den ihn bis jetzt noch immer verhüllenden Pferdedecken hervor, zog seinen Rock an und trat hinaus vor die Thüre, um dort in einem großen blechernen Waschbecken Gesicht und Hände zu baden. Die Jäger aber ließen sich indessen nicht besonders nöthigen, sie langten wacker zu, beendeten schnell ihr Mahl, und griffen dann, ohne weiteres Zögern, nach ihren Büchsen, die gestern aufgegebene Hetze – eine nun allerdings hoffnungslose Arbeit – wieder zu beginnen. Beim Essen schon hatten sie den Plan verabredet, wie sie jetzt am Besten des flüchtigen Negers habhaft würden, der ihnen, wie sie äußerten, nach solch furchtbarem Wetter und in dem Zustand, in welchem er sich befand, gar nicht mehr entgehen konnte. Wie Draper jetzt vernahm, so waren auch schon am Missouri selbst alle Farmer, die Boote im Fluß hatten, von der Flucht des Sclaven in Kenntniß gesetzt und bereit, ihn aufzufangen. Ihre Absicht, was mit dem Unglücklichen geschehen solle, wenn sie ihn ergriffen, äußerten sie ebenfalls unverholen: er hatte sich an einem Weißen vergriffen, und der Tod war dafür sein Loos. Der Friedensrichter stimmte ihnen auch darin vollkommen bei, und versprach sogar, den nöthigen Bericht darüber an den Gouverneur des Staates zu machen, um von dort her wenigstens einen Theil des Schadens für den Eigenthümer vergütet zu bekommen.
Fünf Minuten später waren die Männer beritten; riefen noch Dank und Abschiedswort, von den Pferden herunter, ihren freundlichen Wirthen zu, und sprengten dann, Wallis und Hilbert ausgenommen, in zwei Abtheilungen rechts und links ab, dem Missouri zu, die beiden Letztgenannten aber bildeten, mit den besten Hunden der Gesellschaft, das Centrum dieser Kette, die also langsam und vorsichtig noch einmal den ganzen Wald durchsuchten, wo sie den Flüchtling vermuthen mußten, und auf diese Art hofften, ihn entweder aus seinem Lager auf-, oder doch den am Fluß hin postirten Helfern in die Hände zu treiben.
Draper sah ihnen lächelnd nach und murmelte, als sie hinter den Büschen der Niederung verschwanden, leise vor sich hin:
»Geht nur, geht, ihr wackeren Männer, hetzt eure Hunde und Pferde ab, um einen Menschen zu jagen; den aber, den ihr sucht, bringt ihr mir nicht mehr zurück. Hat er Glück, so kann er jetzt schon bald in Illinois sein, und Mr. Peter Rollins mag ihm dort durchhelfen.«
Zu seinem keineswegs freudigen Erstaunen entdeckte übrigens Mr. Pitt, nach eingenommenem Frühstück die Abwesenheit seines Pferdes, die er sich gar nicht erklären konnte, da das Thier sonst noch nie in der Nacht den Trog verlassen hatte, an dem es gefüttert worden, und das Fortlaufen eines Pferdes in solchem Wetter doppelt unwahrscheinlich wurde, wo im Gegentheil alles zahme Vieh gern die Nähe menschlicher Wohnungen aufsucht. Hier half aber weiter kein Besinnen, und er mußte, wollte er die Betversammlung heute nicht versäumen, Mr. Draper's Vorschlag annehmen, der ihm eines seiner Pferde zum Gebrauch überließ und den Goldfuchs zu suchen versprach, sobald er selbst zurückkehren würde. Die beiden Männer ritten auch zusammen voraus, und nur Hennigs blieb bei den Damen zurück, um diese, die erst noch Manches zu ordnen wünschten, später zu begleiten.
Kaum schlossen sich nun die Büsche hinter dem Friedensrichter und seinem Gefährten, als sich der junge Farmer, der ihr Fortreiten durch eine Spalte der Hütte beobachtete, mit triumphirendem Blick gegen die Matrone wandte. Die arme Frau hatte aber nur mit fürchterlichster Kraftanstrengung bis dahin, und so lange die Fremden zugegen gewesen, ihre äußere Unbefangenheit und Ruhe behaupten können, jetzt, da der Zwang aufhörte, ließen auch ihre Kräfte nach, und das Antlitz in den Händen bergend, sank sie zitternd auf einen Stuhl nieder und schluchzte laut.
»Mutter!« riefen die beiden Mädchen, und sprangen an ihre Seite: »liebste, beste Mutter!«
»Mrs. Draper!« bat Hennigs, »beruhigen Sie sich doch; schmerzt es Sie denn, daß Sie ein Menschenleben gerettet haben?«
Die Matrone bedurfte einige Zeit, ehe sie sich wieder sammeln konnte; endlich blickte sie mit den thränenden Augen zu dem jungen Mann auf, und sagte leise:
»Sie haben mich hart gestraft, Hennigs, ich werde gewiß in recht, recht langer Zeit nicht den gestrigen Abend vergessen, habe ich aber gefehlt, so mag mir Gott die Sünde vergeben, ich konnte nicht anders. – Ach, unser Herz ist ja so schwach, und weiß wohl oft selbst nicht, wo es irrt und wo es recht handelt. – Wie ist der arme Junge entkommen, und ist er überhaupt gerettet?«