»Schadet nichts, will nur einen Augenblick bleiben – gehe gleich wieder fort.«
Er öffnete eine Thür dicht vor uns und ich fand mich gleich darauf in einem kleinen, kaum vier Schritt im Quadrat haltenden Zimmer. An dem Tisch saßen die Frau und zwei erwachsene Töchter von etwa sechzehn und siebzehn Jahren, rechts davon, nach dem Ofen zu noch ein paar kleinere Kinder und ein anderes, vielleicht zwölf oder vierzehn Monate altes, lag in einem Kasten, der ihm als Bettchen und Wiege diente. Die fürchterlichste Armuth herrschte in diesem Gemach, nicht einmal reinlich waren die Leute im Stande es zu halten, denn das Stroh, auf dem sie Nachts lagen, mußte in der Stube bleiben, sie hatten keinen andern Raum dafür. Die Frauen rückten schüchtern zusammen, als ich eintrat und der Mann schob mir einen der hölzernen Stühle hin, von denen zwei im Zimmer standen, sonst waren Bänke an den Wänden.
»Wie geht es Euch denn, Ihr Leute,« frug ich endlich, nachdem ich den Jammer, der mich umgab, wenige Secunden schweigend überblickt hatte; »wie geht es mit den Preisen, mit der Arbeit, mit den Lebensmitteln?«
»Ih nun,« sagte der Mann seufzend und schaute gar wehmüthig ernst vor sich nieder, »es geht recht schlecht – es kann nicht mehr viel schlechter werden.«
Die Frauen klöppelten eifrig fort und redeten keine Sylbe – sie waren so reinlich, wie das der enge Raum und das Zusammenleben mit den Kindern gestattete, angezogen, ihre Kleidung bestand aber aus fast lauter zusammengeflickten Lumpen. Es war ein peinliches Schweigen, das keiner brechen mochte.
»Sie sind wohl ein Spitzenhändler?« sagte die Frau endlich mit leiser Stimme und wandte sich halb nach mir um – ich verneinte es und der Mann fuhr fast mehr mit sich selber sprechend, als zu mir gewandt fort:
»Die Preise werden immer schlechter, die Kartoffeln sind verdorben und – aufgezehrt – ich wollte es wäre Sommer, aber damit hat's noch lange Zeit.«
»Und es ist keine Aussicht, daß die Preise wieder steigen.«
»Wenn sie nur einmal in England aufhörten Spitzen zu machen,« murmelte der Mann; »die Engländer haben doch viel auf dem Gewissen.«
»Aber Ihr wollt es ja auch nicht anders haben?« sagte ich jetzt; »warum hört Ihr nicht auf, warum klebt Ihr hier in den Bergen und zieht nicht fort, weit fort, wo es andere Arbeit und etwas zu verdienen giebt; lieber Gott, wenn Niemand Eure Spitzen mehr kaufen will, weshalb macht Ihr sie denn noch unausgesetzt und verhungert und verkommt dabei?«