»Fortziehn?« rief der Mann und sein Gesicht nahm eine etwas lebhaftere Farbe an; »fortziehn? ach Du guter Herr Gott, ja, wohin es ist und wenn's nach Amerika wäre – überall hin, wo wir nur nicht verhungern – aber wovon? fort betteln kann man sich doch nicht mit Weib und Kind, und das wäre die einzige Art, wie man daran denken könnte.«
»Aber warum gehn Eure Töchter nicht in irgend einen Dienst, sie kämen aus der Noth heraus und könnten etwas mehr verdienen.«
Die Mutter schüttelte mit dem Kopfe.
»Ja,« sagte sie, »aus der Noth kämen sie heraus, was aber kriegt so ein armes Ding, das weiter nichts gelernt hat als Klöppeln, für einen Lohn – es könnte selber nur nothdürftig davon leben, und hier zu Hause ging es nur noch schlimmer, wenn die großen Mädchen fort wären, die doch jetzt noch etwas verdienen – mein Mann ist krank, und wenn ich's auch von Herzen gern wollte, ich kann die übrigen Kinder nicht alle von den zehn oder zwölf Groschen erhalten, die ich die Woche verdiene. Und dann, wenn sie's nun nicht draußen aushielten, oder wenn ich auch krank würde und sie zurück müßten, dann haben sie sich ihre Hände zum Klöppeln verdorben und wovon dann leben? Aber ich sehe schon, es wird doch nichts anderes übrig bleiben, wenn nur der Winter erst vorbei ist, dann mögen sie hinaus gehen und sehen, wie's der liebe Gott mit ihnen fügen wird.«
»Ach ich ginge ja so gern,« flüsterte die Aelteste und sah mit stierem Blick auf ihr Klöppelkissen, »wenn ich nur einen Dienst wüßte, wo ich gut behandelt werde, – an mir sollt es nicht fehlen.«
»Sie sind gewiß ein Spitzenhändler?« sagte die Frau noch einmal und blickte mich dabei halb schüchtern an.
Ich sah mich in der Stube um – neben dem Ofen standen mehrere Töpfe, aber alle leer, – keine Spur von Lebensmitteln war im Zimmer und doch verrieth die ganze Umgebung, daß dieser eine Raum ihr Alles umschloß, was sie das Ihre nennen konnten.
»Habt Ihr kein Brod Ihr Leute?«
»Nein,« sagte er kopfschüttelnd; »wir haben bis jetzt von Kartoffeln gelebt.«
»Aber Brod ist dieß Jahr so billig.«