»Habt Ihr denn keinen Hausmann, der auf die Klingel kommt?«

»Der Draht ist heute gerissen und noch nicht wieder gemacht – Du wirst mich schon hören.«

»Aber der verwünscht schwere Schlüssel –«

»Laß ihn im Burnus, da genirt er Dich nicht – und noch eins – merke Dir die Thüre hier. Wenn Du im Dunkeln die Treppe heraufkommst, so fühle Dich nur links gleich an der Wand hin, Du kannst gar nicht fehlen; die erste Thüre.«

»Genug – genug!« Wir sprangen die Treppe hinunter in den Wagen und fort ging's, dem Hôtel de Russie zu, wo uns schon von weitem die blendend erleuchteten Saalfenster das Fest als begonnen verkündigten.

Wie mir das Herz pochte, als ich die breite teppichbelegte Treppe hinaufstieg! war mir's nicht, als ob ich plötzlich Blei in den Füßen habe und die Glieder nicht mehr bewegen und heben könne – mit Gewalt mußte ich mich zusammenraffen und wurde erst durch einen der betreßten Lakaien, der mir ein Stück Pappe in die Hand drückte und im nächsten Augenblicke mit meinem Burnus verschwunden war, zu mir selbst gebracht.

Wir traten ein; aus der geöffneten Saalthüre tönten uns aber schon die wilden Töne eines Gallopps entgegen. Ich hatte es mir doch gedacht, drei Tänze waren schon vorüber, die Polonaise und zwei Walzer und Emilie mußte sich ja auf den ganzen Abend versagt haben – oder durfte ich etwa vernünftiger Weise etwas anderes erwarten?

»Siehst Du,« murmelte ich, die Hand krampfhaft auf dem Herzen geballt, in Meiers Ohr, »das ist mein Schicksal, das mich rettungslos verfolgt – vierundzwanzig Meilen habe ich jetzt in grimmigster Kälte zurückgelegt – riesengroße Schwierigkeiten überwunden und besiegt und jetzt? – zu spät – der Fluch, der mir mein ganzes Leben untergraben hat – Emilie ist für mich verloren und ich bin elend – elend auf ewig.«

»Adolph,« flüsterte mir Meier zu und bog sich zu mir herüber, »Du weißt was ich Dir schon tausend Mal gesagt habe, schlag Dir, wenn Du gescheidt bist, das Mädchen aus dem Kopfe, Emilie ist älter als Du selbst, über die besten Jahre hinaus.« –

»Geh zum Henker!« rief ich unwillig, »Mensch, willst Du mich denn jetzt auch noch, wo ich überdies dem Verzweifeln nahe bin, wahnsinnig machen? Du weißt, daß ich –«