»Schon gut, die alte Noth, Du willst nicht hören, so gehe denn ruhig Deinen Weg. Aber da drüben kommt Emiliens jüngerer Bruder gerade auf uns zu, von dem wirst Du augenblicklich erfahren können, wo Du die Göttliche zu suchen hast.«

Ich wandte mich unwillig von ihm ab, dem Bruder der Geliebten zu; wer aber beschreibt mein Erstaunen, ja mein Entzücken, als ich höre, daß Emilie, ebenfalls durch eigenthümliche Hindernisse aufgehalten, noch gar nicht erschienen ist, aber jeden Augenblick erwartet wird. Ich hätte dem liebenswürdigen jungen Manne, einem etwas hochaufgeschossenen Secundaner, auf offenem Ballsaale um den Hals fallen können. Daß ich mich jetzt dicht an der Saalthüre postirte versteht sich von selbst; allerdings begrüßte ich hier in meinem Eifer wohl zehn Mal fremde Damen, hatte mich mehrere Male zu entschuldigen und fand endlich, daß Emilie zu einer Nebenthüre eingetreten sei, doch was schadete das? durch ihren Bruder geführt, suchte sie selbst mich auf und ich vergaß in dem Augenblicke Fahrt, Reisesack, Täuschung und langes Harren – ich vergaß die Welt und lebte, athmete nur in ihr.

Eine Stunde entschwand mir so im Wonnetaumel; was ich getanzt, was ich mit ihr gesprochen, wie sollte ich es wissen, ich sah auch nicht, was uns im wirbelnden jubelnden Festesdrang umgab, nur in ihre Augen schaute ich und in diesen blühte ein Paradies für mich auf, Emilie war nie so freundlich mit mir gewesen und ich hätte in diesem Augenblicke mit keinem Gott getauscht.

Erst in einer der Pausen gewann ich Zeit mich etwas ruhiger mit ihr zu unterhalten; Arm in Arm wanderten wir im Saale auf und ab und ihre kleinen rosigen Lippen flüsterten und plapperten mir die süßesten Schmeichelworte in die Ohren.

Wir hatten indessen eine der kleinen, an den Seiten angebrachten rothgepolsterten Bänke erreicht und ließen uns nieder; Emilie aber entschuldigte sich jetzt, daß sie so bleich und angegriffen aussähe. Guter Gott, das hatte ich ja noch gar nicht bemerkt, sie sah wirklich bedeutend blässer aus als gewöhnlich – auch in der That etwas verändert – was war ihr geschehen?

»Ach bester Freund,« flüsterte sie auf meine theilnehmenden Fragen, »es war gerade nichts von Bedeutung und doch etwas, das mich bald gezwungen hätte, dem Vergnügen des Tanzes heute ganz zu entsagen.«

Das Blut strömte mir kalt zum Herzen, als ich nur an die Möglichkeit dachte. –

»Aber wie war das möglich? – Doch nicht etwa Krankheit? Ihre Wangen sind heute Abend wirklich auffallend bleich –.«

»Ich war ein Kind,« lächelte sie, »Angst und auch – Aerger, wenn ich denn aufrichtig sein will, sind die eigentlich thörichten Ursachen gewesen.«

»Aerger?«