»Um eine Kleinigkeit – ich habe jetzt einige Tage bei einer kranken Muhme im nächsten Städtchen zugebracht – mehrere Bekannte hatten dort ebenfalls einen kleinen Ball arrangirt; heute Abend kehrte ich erst von dort zurück und – Sie werden mich auslachen, verwechselte im Coupée meinen Reisesack. Nun, was erschrecken Sie denn? das ist doch nichts so Fürchterliches,« lachte sie, als ich an ihrem Arme zusammenfuhr.

»Nein, in der That nicht,« stotterte ich und sah mich dabei im Saale um, ob nicht etwa die Decke niederschlagen wollte, mich zu begraben, »verwechselten – verwechselten Ihren Reisesack – hahaha – das ist wirklich zu komisch, das ist göttlich – hahahaha – das ist kostbar.«

»Aber ich bitte Sie um Gotteswillen, Adolph!« rief Emilie erschreckt, »Sie lenken ja die Aufmerksamkeit der ganzen Gesellschaft auf uns, was fehlt Ihnen denn?«

»Bitte tausend Mal um Verzeihung!« stotterte ich ganz verstört, denn ich wußte in diesem Augenblick wahrhaftig nicht, stand ich auf dem Kopfe oder auf den Füßen. Schminke, Puder, Locken – heilige Mutter Gottes! Ich drehte mich schnell nach ihr um, sie trug beim ewigen Himmel ihre gewöhnlichen kastanienbraunen Locken nicht, von denen ich einst mit verrätherischer Scheere ein süßes, theures, tausend und tausend Mal geküßtes Andenken geraubt. Pest und Cholera – ich hatte jetzt die übrigen zu Hause in der Schachtel. Aber was nun thun? sollte ich ihr gestehen, daß gerade ich jener Unglückliche sei, der – nein das ging beim Himmel nicht, jetzt nicht. Und war denn auch der Reisesack nicht versengt, ruinirt, lag er nicht, ich durfte gar nicht daran denken, wo und neben wem; meine Sinne fingen überhaupt an sich zu verwirren und Brandflecken, Locken, schwarze Beinkleider, Schminke, Puder, das Alles drehte sich mir wie ein feuriges Räderwerk in tausend tollen bunten, immer neu gestalteten Bildern im Kopfe herum.

»Ich begreife Sie gar nicht,« flüsterte Emilie endlich und warf mir einen vorwurfsvollen aber doch zärtlichen Blick zu, »was haben Sie nur?«

»Ach, mein Fräulein,« erwiederte ich ihr in aller Verlegenheit und muß in dem Augenblicke so roth wie ein gesottener Krebs ausgesehen haben – »Sie glauben gar nicht, wie leid mir Ihr Unfall thut, wenn man nur – wenn man nur herausbekommen könnte wer der unglückselige Vertauscher –«

»Auf jeden Fall ein Herr!« sagte sie rasch, »ich fand gleich oben auf –« sie stockte plötzlich und biß sich auf die Lippen.

»Sie haben den fremden Reisesack geöffnet?«

»Ja, allerdings, aus Versehen natürlich, die kleinen Schlösser sind sich ja alle gleich und ich sah nicht eher, daß ich mich geirrt, bis ich – bis ich –«

Ich wußte was jetzt kam, was jetzt kommen mußte, sie hatten ja gleich obenauf gelegen. –