»Wohnen Sie denn hier?«

»Jawohl, oben beim jungen Herrn.«

»Seit wann denn?«

»Seit heute Abend neun Uhr; wir sind zusammen zum Balle gefahren.«

»Ah so!« nickte der Alte, der damit seiner Hauspflicht genügt zu haben glaubte und wandte sich mit einem kurzen »gute Nacht« zum Gehen, mein Blick war aber dadurch und als ich mich nach ihm umdrehete, auf die Hausthüre gefallen und ich sah dort den Riegel, den er eben wieder vorgeschoben hatte.

»Wird denn hier das Haus von innen verriegelt?« fragte ich ihn erstaunt, »das habe ich ja gar nicht gewußt, – da hätte mir ja auch mein Schlüssel nichts geholfen.«

»Ja,« meinte der Alte und bekam wieder den bösen Husten, »seit sie hier – oho oho oho – in der Schloßgasse, die – oho oho oho – die Frau erschlagen haben, oho oho, ist mein Herr ängstlich geworden – oho oho oho.«

»Wie kommt da aber der junge Herr herein?«

»Der klingelt auch!« meinte sehr lakonisch der Brustkranke und zog sich, nicht ohne Grund die nachtheiligen Folgen der Zugluft für sich selbst fürchtend, mit einem wahren Anfalle von Keuchhusten durch die Hofthüre in seine eigenen Apartements zurück.

»Das also ist das Ende meines süßen Traumes!« seufzte ich, als ich die breite steinerne Treppe im Dunkeln hinaufstieg und dabei links das Geländer hielt, um nicht irgendwo anzulaufen; was kümmerte mich in diesem Augenblicke der Riegel? mir gingen andere fürchterlichere Gedanken im Kopfe herum. –