– »Das ist das Resultat meiner Reise –, das der Grundstein meines künftigen Glücks, auf dem ich Riesenbauten aufgeführt hätte. – Fort, fort, selbst mit der Erinnerung an mein Unglück – ich will schlafen und wäre es bis zum letzten Tage. Ach der Tod müßte jetzt eine Wohlthat sein.«
Wie dunkel das aber auf der Treppe war, nicht einmal die Stufen konnte ich erkennen, eine wirklich ägyptische Finsterniß, doch wußte ich ja meinen Weg und fühlte mich, als ich die erste Etage erreichte, links dicht an der Mauer hin. Da stieß meine Hand an irgend etwas und in demselben Moment, in dem ich mir das Knie an einer scharfen Ecke fast zerstieß, klirrte mit fürchterlichem Gepolter irgend ein irdenes Gefäß zu Boden und das plätschernde Geräusch verrieth mir, daß ich jedenfalls einen nicht unbeträchtlichen Wasserkrug heruntergestoßen haben müßte.
Das fehlte mir noch – ich watete jetzt förmlich; wie aber kam der Krug hierher und wo hatte er –? wahrhaftig da stand auch ein Tisch; der mußte dorthin gestellt sein seit wir fortgegangen und meine linke Kniescheibe trug jetzt die Folgen. Doch hier half weiter kein Besinnen, im Dunkeln konnte ich überdies nichts wieder gut machen und beschloß nur Meier, wenn ich ihn zu Hause kommen hörte, aus dem Fenster hinaus zu warnen, daß er nicht etwa über das indessen die Treppe hinabgeströmte und gefrorene Wasser stürze.
Ich tappte jetzt an der linken Wand hin. – Nun? – Da sollte doch die Thüre sein. – Ich konnte nichts fühlen als die nackte kalte Mauer; auf jeden Fall mußte ich sie gleich im Anfange übergangen haben und suchte meinen Weg noch einmal zurück bis zur Treppe, aber keine Thüre war zu sehen und ich wußte doch so genau, daß sie sich auf der Seite befand. Wieder begann ich meine Wanderung, und die Zähne klapperten mir vor Frost und wieder mit nicht besserem Erfolge als zuerst, nur kam ich, als ich mich immer weiter hinarbeitete, zu einem Fenster, das in irgend einen dunkeln Hof hinausführte. – Wo war ich jetzt? Was sollte ich thun, was beginnen? Ich konnte doch wahrlich nicht die ganze Nacht auf der Treppe bleiben, wäre ja auch in meinem dünnen Ballanzuge erfroren. Und sollte ich Lärm hier im fremden Hause machen? – mit was für einem Gesichte durfte ich mich dann morgen – ei zum Henker, Noth bricht Eisen, erfrieren konnte ich auch nicht. Uebrigens mußte ja doch auch irgendwo eine Thür sein, und traf ich nicht die rechte, so weckte ich wenigstens Menschen, die mir das richtige Zimmer öffneten.
Rasch entschlossen ging ich an's Werk und kam glücklicher Weise endlich an eine Klinke, die ich zu öffnen versuchte; doch umsonst, sie widerstand allen meinen Bemühungen und auf mein mehrmaliges Anpochen erhielt ich ebenfalls keine Antwort. Ich ging jetzt weiter, stolperte nochmals über einen Stuhl, stieß an einen kleinen Tisch, über dem ich einen Spiegel fühlte, und erreichte zuletzt eine zweite Thüre.
Obgleich auch diese mir den Eintritt versagte, so glaubte ich doch ein Geräusch wie das eines Schnarchenden zu vernehmen. Ich klopfte herzhaft an und horchte – da regte sich etwas – eine Bettstelle knarrte, als ob sich Jemand darin umdrehe, dann war alles wieder still. – Ich wiederholte mein Pochen, da rief plötzlich eine allem Anscheine nach auf's Aeußerste erstaunte Stimme:
»Was zum Henker giebt's denn da draußen? Wer klopft? Johann, bist Du das?«
»Ich bin's, Herr Meier!« erwiederte ich ihm mit schüchterner, aber nichts desto weniger lauter Stimme, denn ich mußte natürlich in ihm den Vater meines Freundes vermuthen. – »Adolph Müller ist's, der Freund Ihres Sohnes; ich kann meine oder vielmehr seine Stube nicht finden.«
»Donnerwetter, Herr, stören Sie die Menschen nicht im Schlafe!« rief aber der vermeintliche Vater mit keineswegs freundlicher Stimme, »ich habe gar keinen Sohn – gehen Sie zum Teufel und lassen Sie mich in Ruhe –«
»Aber bester Herr,« bat ich ihn, »ich stehe hier draußen in der grimmigsten Kälte und kann den Tod davon haben; wenn ich nur wenigstens ein Licht hätte, daß ich meine Stube finden könnte. In welchem Zimmer wohnt denn nur Herr Meier?«