»Ich kenne gar keinen Meier, Herr!« rief die Stimme mit einer fürchterlichen Bestimmtheit, »hier im ganzen Gebäude existirt kein Meier. – Gute Nacht, schlafen Sie wohl –«

Und ich hörte, wie sich der Unmensch mit aller Gewalt auf die andere Seite warf, seine Worte aber waren wie ein Donnerschlag für mich – kein Meier im ganzen Hause! Das konnte ja gar nicht sein – hatte ich denn nicht die Nummer mit eigenen Augen gelesen? – Doch das Innere des Hauses selbst, die ganze Einrichtung war mir in der That fremd – sollte er recht haben? Doch nein, auf jeden Fall wohnte mein Meier hier; der Droschkenkutscher hatte mich ja auch gleich vor die richtige Thüre gefahren, ein Beweis, daß ich doch damals die Nummer gewußt; an mir lag es daher einen zweiten Versuch zu machen um mein Bett zu finden.

Ich schritt, immer weiter rechts, langsam an der Wand hin und erreichte endlich einen von außen durch einen Wollbeschlag verwahrten Eingang, der auf jeden Fall zu einer Wohn- oder Schlafstube führte; hier mußte übrigens die Klinke auf der verkehrten Seite sein, denn ich fühlte erst vergebens ringsherum und fand sie endlich in der Mitte. Kaum hatte ich sie jedoch berührt und darauf gedrückt, als von innen heraus ein so fürchterlicher markdurchschneidender Schrei erscholl, daß ich entsetzt zurückfuhr.

»Herr Meier,« rief ich aber gleich darauf rasch gesammelt und klopfte dabei scharf an die Thüre; »mein guter Herr Meier!«

»Mörder – Diebe – Spitzbuben! Feuer! Feuer!« gellte als Antwort die Stimme und nach dem Hofe zu wurde eine Klingel, die auf jeden Fall mit dieser Stube in Verbindung stand, aus Leibeskräften gerissen.

»Aber bester Herr Meier,« bat ich und suchte dadurch den Sturm zu beschwichtigen.

»Hülfe – Hülfe – Feuer – Diebe!« tobte das Echo und überall im Hause klappten Thüren und wurden ängstliche Stimmen gehört. Wieder, aber dies Mal noch in viel ängstlicherer Hast, schlurrten die Pantoffeln des Hustenden herbei und ich wußte für den Augenblick wirklich nichts Besseres zu thun, als mich diesem auf Gnade und Ungnade zu ergeben.

Ich fühlte meinen Weg, so schnell das gehen wollte, an die Treppe zurück und das Geländer hinunter, wo ich mit Freuden das eben wieder in die Hofthüre hereinblitzende Licht des Hustenden begrüßte. Dieser aber gewahrte kaum meine, wie er nach allem dem Hülfeschreien wahrscheinlich glauben mochte, in höchst böswilliger Absicht auf ihn zueilende Gestalt, als er blitzschnell, wie die Figur in irgend einer künstlichen Uhr, zurückschnellte, die Thüre in's Schloß warf und den Zeter von einer Treppe hoch mit

»Faß ihn, Türk, halt ihn fest, Packan, hu hetz hetz, Nero, hu hetz hetz!« accompagnirte.

Wohl sprang ich jetzt an die Hausthüre und schob den Riegel zurück, denn es wurde mir nun doch klar, daß ich durch das unseligste Mißverständniß in ein falsches Gebäude gerathen sei, die verwünschte Thüre ließ mich gegenwärtig aber ebensowenig hinaus, als sie mich vorhin hereingelassen hatte und zu der Aufregung, in der ich mich überhaupt befand, kam auch noch die Furcht, daß der schwindsüchtige Barbar am Ende gar zu guter Letzt eine Meute Kettenhunde auf mich losließe, wo ich dann in der engen Hausflur eine Scene aus den altheidnischen Thiergefechten hätte aufführen können. Glücklicher Weise mußte aber kein Hund auf dem ganzen Hof sein und die drohenden Laute sollten wohl blos dazu dienen die vermeintlichen frechen Diebe zurückzuschrecken. Ehe ich jedoch im Stande war einen festen Entschluß zu fassen und einmal schon wirklich im Begriffe die jetzt ebenfalls verschlossene Hofthüre zu sprengen, um mir wenigstens Bahn in des Hausmanns warme Stube zu brechen, flog das Thor plötzlich auf und drei entsetzte Gestalten mit Heugabeln, Schaufeln und einem großen Küchenmesser bewehrt, rückten in verzweifelter Tapferkeit heran und forderten mich mit grimmer Stimme zum Niederlegen der Waffen auf.