»Glaubst Du an ein böses Geschick, Meier?«
»Ach laß den Unsinn – wo hast Du denn eigentlich meinen Schlüssel, und – hahaha, wessen Hut trägst Du denn?«
Ich nahm den Hut ab und sah jetzt zum ersten Male, daß eine kleine Cocarde mit silbernen Schnüren an der Seite saß; ich hatte gestern Abend in aller Eile den Hut irgend eines Bedienten aufgegriffen.
»Meier,« sagte ich und blickte, dadurch nur noch mehr in meinem Entschlusse bestärkt, auf den Hut nieder, »weißt Du wem der fremde Reisesack gehört?«
»Einer Dame auf jeden Fall, die sich über die verbrannte Rosenguirlande ungemein freuen wird – wahrscheinlich einer Schauspielerin, weil sie Schminke und Perrücken bei sich führt.«
»Hm,« sagte ich und schritt, immer noch den Hut in der Hand, an seiner Seite die Straße hinauf seinem Hause zu; da erkannte ich plötzlich die Thüre, an der ich gestern Abend gestanden, die Klingel – ich hatte den dicken runden Knopf noch nicht vergessen – an der ich so fabelhaft geläutet und – Pest und Gift! – von dem weißen runden Schildchen lächelte mir höhnisch eine 13 entgegen, die ich in Nacht und Dunkelheit jeden Falls für meine 15 gehalten. Das Maaß meines Ingrimms war gefüllt.
»Meier,« sagte ich, und winkte einer gerade vorbeifahrenden Droschke zu, »es giebt Dinge in der Welt, die sich nicht gut mündlich verhandeln lassen, ich will Dir meine Geschichte lieber schreiben. Es ist jetzt aber gerade ein Viertel auf Zehn; um halb zehn geht der Frühzug ab, sei doch so gut und schicke mir mit nächster Gelegenheit mein Gepäck nach. Deine Beinkleider kannst Du mir so lange borgen, ich würde sonst, was ich um keinen Preis der Welt möchte, den nächsten Zug versäumen.«
»Was? Jetzt willst Du auf einmal wieder fort?« rief Meier nicht wenig erstaunt aus, »das geht ja gar nicht, was würde auch Emilie dazu sagen?«
»Die – grüße schönstens,« murmelte ich mit einem halbverbissenen boshaften Lächeln, »grüße sie und – bitte sie, mir doch gefälligst den Reisesack umzutauschen. Halt – noch eins – thue mir doch auch die Liebe und sieh zu, daß Du den Eigenthümer dieses Hutes wiederfindest, der dafür wahrscheinlich den meinigen zurückbehalten hat.«
»Wache ich denn oder träume ich,« rief Meier, »Emilien gehörten jene Apparate? – Aber Adolph, Du kannst doch wahrhaftig nicht im bloßen Kopfe reisen –«