»Nein, ist mir so eine Frau schon vorgekommen!« sagte Mrß. Smith kopfschüttelnd, aber jetzt doch auch durch die Aufregung der Kranken etwas besorgt gemacht.

Rosy schrak empor – eine Ahnung dessen, was geschehen, was vielleicht im Werke sein konnte, zuckte ihr durch den Sinn, und einen Blick auf die unglückliche alte Frau werfend, winkte sie ängstlich Mrß. Smith zu und bat sie durch Zeichen, kein Wort weiter von dem Begonnenen, was es auch sei, zu erwähnen. Aber es war zu spät: ehe des Händlers Frau verstand, was sie sollte, oder ehe sich Rosy zu ihr überbiegen konnte, sie mit Worten darum zu bitten, hob Mrß. Rowland wieder den Kopf, und ihr Auge begegnete in demselben Moment dem ängstlich und bittend auf die Schwatzhafte gerichteten Blicke der Pflegetochter. Rasch begriff sie dessen Meinung und wurde dadurch nur noch mehr in der peinlichen Gewißheit dessen bestärkt, was sie nicht einmal auszusprechen wagte, weil sie selbst dadurch schon den Zauber zu zerstören fürchtete, der ihr jetzt wie in einem süßen, wenn auch ängstlichen Traume die Sinne förmlich gefesselt hielt. Wie aber der Wahnsinnige schlau die Wachsamkeit seines Wächters zu täuschen weiß, so benutzte auch die Kranke mit fast convulsivischer Hast die Gelegenheit, der geschwätzigen Frau das Geheimniß, das für sie Tod oder Leben enthielt, abzulocken.

»Sie haben Recht, Mrß. Smith,« sagte sie und versuchte dabei, mit der Qual im Herzen, zu lächeln; »wir brauchen Ihnen nichts, gar nichts mehr zu verheimlichen.«

»Sehen Sie, beste Mrß. Rowland,« rief die Dame jetzt völlig beruhigt, in triumphirender Freude aus, »das habe ich Ihnen ja auch gleich vom Anfange an gesagt; aber mein Mann ...«

»Und Tom Fairfield – ist ausgegangen – ihn – ihn zu holen – hierher nach Boonville zu holen.«

»Liebe, beste Mutter,« bat Rosy in ihrer Herzensangst, denn sie fürchtete nicht mit Unrecht die bösen Folgen, die solche Aufregung für die Kranke haben mußte.

»Laß nur, mein Kind – laß nur,« beruhigte sie aber die Leidende, »mir ist jetzt vollkommen wohl – recht wohl, Rosy – und Tom Fairfield, Madame ...«

»Nun der kann doch wahrhaftig nicht lange mehr bleiben; aber – nicht wahr – er soll ihn mitbringen?«

»Ihn? ja – ja wohl – nicht wahr – Sie – Sie meinen doch ...«

»Nun, Ihren Sohn!«