So rückte endlich der, von Tom Fairfield so lang' und heiß ersehnte Tag der Verbindung zwischen ihm und seiner holden Braut heran, und Tom hatte alle Bekannten und Freunde eingeladen, ihn feiern zu helfen. In festlicher Procession zogen die Glücklichen nach des Friedensrichters, Mr. Cowley's Haus, und heute schloß sich selbst John nicht aus von der fröhlichen Schaar.
An Tom's Seite, gegen den er in letzter Zeit wieder so freundlich gewesen war, wie in den ersten Wochen ihres Beisammenseins, betrat er das kleine wohnliche Gemach des Richters und war Zeuge der heiligen feierlichen Handlung; als aber die Braut das schüchterne und doch so herzfreudige Ja gesprochen – als der Gatte sie leise, leise an sich zog und sie das in holder Schaam übergossene Antlitz an seiner männlichen Brust barg – da glitt er unbemerkt und geräuschlos aus dem Zimmer – aus dem Hause und über die Straße hinüber in sein eigenes kleines Gemach.
Nacht war's, und aus Tom Fairfield's neuer Wohnung brachen lichte Strahlen, und muntere Violintöne schallten die stille Straße herab; in Hornpipes und Quadrillen, in Reels und Jigs und der anderen amerikanischen oder von England herüber gebrachten Tänzen schwangen sich die fröhlichen Paare; munter ging der Becher im Kreise, und herzlich übertönte das Lachen oft die schallenden Geigenklänge.
Draußen aber vorbei, durch den Herbststurm, der jetzt schon recht ingrimmig die laublosen Zweige schüttelte, schritt, die Büchse in der Hand, den Tomahawk im Gürtel und die Decke auf dem Rücken, ein Jäger, und wollte schon rasch vorüber ziehen an dem festlichen Hause, als der silberreine Ton einer lachenden Frauenstimme sein Ohr traf. Er blieb stehen, zögerte einen Augenblick und näherte sich dann dem Hause; an der Fenz schwang er sich hinauf und schaute viele Minuten lang still und ernst durch das kleine offene ausgeschnittene Fenster in den inneren hell erleuchteten Raum, auf die fröhlichen glücklichen Menschen hin, die in dem engen Gemach sich lachend und tanzend hin und herbewegten. Glück und Freude lag auf allen Gesichtern auf die sein düsterer Blick fiel, aber von allen ab schweifte er unbefriedigt, das eine von allen denen zu erkennen das –
Ha – da trat Rosy in den Kreis – die frohe junge Frau an des Gatten Hand, und das Licht der Lampen fiel hell und voll auf die lieben Züge des jungen Weibes.
Johns Blick haftete lang und ernst auf der holden Gestalt, aber kein Laut entfloh seinen Lippen, keine Bewegung, ein einzelnes fast krampfhaftes Zucken seiner Lippen vielleicht ausgenommen, verrieth die Bewegung die in ihm kämpfte.
Endlich nickte er, wie Abschied nehmend, aber auch fast seiner unbewußt, dort hinüber, wo er jetzt Alles zurückließ, was ihm noch lieb auf dieser Welt war, und ihn wohl hätte an ein ruhiges friedliches Leben fesseln können – dann stieg er langsam wieder nieder und warf die Büchse auf die Schulter.
Als er den Boden wieder betrat, hatte er ganz die alte Ruhe wieder gewonnen – die wollene Decke, die über seine Schultern hing, zog er fest um sich her, und den Pfad verfolgend, der an seiner Mutter Grab vorüber gen Westen führte, verschwamm seine dunkle Gestalt bald in den düsteren Schatten, mit den der Urwald die enge Lichtung fest und dicht umlagerte.
Man hat nie wieder von ihm gehört; aber zu den Konzas war er nicht zurückgekehrt, denn wenige Wochen später kam von dorther der canadische Franzose, der Tom Fairfield früher auf seine Spur gebracht, und wußte nichts von ihm. Ja, Tom besuchte im Frühjahr selbst noch einmal den Stamm – doch konnte ihm Niemand Kunde geben vom »weißen Hirsch« – er war und blieb spurlos verschwunden.