Die Nacht kam mir so lang wie ein Monat vor, und als der Morgen endlich trübe durch unser naßgraues Segel dämmerte, konnte ich die erstarrten Glieder kaum so viel bewegen, unter unserem Dachwerk vorzukriechen.
Mein erster Blick war nach dem Boot, der zweite nach Himmel und Wellen — das Boot lag wirklich noch unbeschädigt neben uns, die See hatte sich beruhigt, der Sturm etwas nachgelassen, und wenn uns auch der Wind entgegen war, konnten wir doch jetzt leicht mit Rudern das Ufer gewinnen.
Unser Frühstück hielt uns nicht lange auf, ein Stück Schiffszwieback und ein Schluck Wasser. Rasch packten wir unsere Habseligkeiten wieder in das Boot und stießen, jetzt mit der besten Hoffnung, von unserem Nachtquartier ab.
Das Schiff an dem wir gelegen, war eine große französische Barke, L’Abeille und von den Leuten die wir an Bord sahen, wie sie uns von dort herunterriefen, vor einigen Tagen aufgefangen, ohne daß weder der Capitän noch sonst irgend jemand von der Mannschaft an Bord gewesen wäre.
Nach zwei Stunden etwa erreichten wir San Francisco. Wir sahen übrigens aus wie die Räuber und Mörder, und wären in jeder Stadt Europas, augenblicklich beim Kragen genommen und durch irgend einen wohlwollenden Polizeidiener der Aufmerksamkeit der Straßenjungen entzogen worden. Hier aber fällt das nicht auf, die Leute sind an abenteuerliche Gestalten jeder Art gewöhnt. Unbelästigt konnten wir uns restauriren und liefen noch an demselben Morgen, allerdings etwas müde, sonst jedoch wohl und gesund in den kleinen Fluß der Missionsbucht ein.
Der Mexikaner in den californischen Minen.
Die Mexikaner bilden in Californien, fast wie die Chinesen, eine ganz besondere und streng in sich abgeschiedene Gesellschaft, die dem fremd Eingewanderten gleich von allem Anfang an, zuerst durch ihre dunkle Hautfarbe sowohl wie durch das Eigenthümliche ihres National-Kleidungsstückes, der bunten, oft in den lebendigsten Farben prangenden Serape ausfällt, während er, je mehr er mit ihnen zusammenkommt, desto mehr kleine Züge kennen lernt, die sie von allen anderen Stämmen deutlich abzeichnen und unterscheiden.
Wohl zu trennen dabei sind die Mexikaner von den Californiern, den eigentlichen Herren des Landes, die früher allerdings unter mexikanischer Botmäßigkeit standen, doch aber eine gänzlich verschiedene Raçe scheinen, und sich mit den eigentlichen Mexikanern auch nicht viel abgeben, jedenfalls sich für mehr und besser halten, als diese.
Der Californier (ich spreche hier nicht von dem eingebornen Indianer, der in Farbe, Haaren und Gesichtsbildung seinen östlichen Bruder nicht verleugnen kann, sondern von den Abkömmlingen der echt spanischen Raçe, die aber in Californien geboren wurde) ist schlanker und kräftiger gebaut, als der Mexikaner, auch wohl von etwas hellerer Gesichtsfarbe, aber in Tracht und Sitte ähnelt er seinem südlichen Milchbruder, wie in dem Haß gegen den Amerikaner, in dem er ihn vielleicht noch übertrifft. Doch mit diesem haben wir es hier nicht zu thun, eben so wenig mit den anderen spanischen und meist von Süd-Amerika heraufgekommenen Volksstämmen, den Chilenen wie den Argentinern, beides treffliche Lassowerfer, die selbst dem Californier nicht nachstehen darin oder den Peruanern und Bewohnern der centralamerikanischen Staaten. Der Mexikaner zeichnet sich vor Allen aus und ist leicht erkennbar.