Schon auf den Straßen die nach den Minen führen, tritt sein Charakter scharf und deutlich vor. In kleinen Trupps zusammen und mit keiner anderen Nation sich mischend, mit Maulthieren, wenn sie reich genug sind solche zu bezahlen, oder sonst zu Fuß, mit der runden hölzernen Waschschüssel auf dem Rücken, die kurze, leichte Brechstange, das einzige Werkzeug bei ihrer Arbeit, in der Hand, und das Wenige, was sie außerdem noch brauchen, in ein kleines Bündel auf den Rücken geschnallt, ziehen sie singend, lachend und erzählend ihre Straße entlang und lagern, wenn es Abend wird, seitab von dem Weg oder Pfad, in dem sie die Packsättel ihrer Maulthiere, in einem engen oder weiten Kreis, je nachdem sie zahlreich sind, um sich herum aufstellen, und mit dem anderen Gepäck dazwischen eine Art befestigtes Lager bilden, als ob sie fortwährend einen Ueberfall fürchteten.
Sie tragen leichte Hosen und Jacken und meist weiße Hemden, und ihre Serape, was der Süd-Amerikaner Poncho nennt (eine große, wollene, bunt gewebte Decke mit einem Loch in der Mitte, den Kopf hindurchzustecken), bei kaltem oder nassem Wetter halb zusammengeschlagen, den einen Zipfel über die linke Schulter gelegt, daß er nur etwas vorn herunterfällt und den anderen über den Rücken herum vorn über die Brust gezogen und dann nach hinten über die linke Schulter geworfen. Es sieht das einestheils sehr malerisch aus und hält auch Brust und Leib warm und gegen den Regen vollkommen geschützt, da das dicht gewebte wollene Zeug keinen Tropfen Wasser durchläßt. Ein Panama-Strohhut auf dem Kopf, und Ledersandalen an den Füßen vollenden ihre Toilette, die bei den Wohlhabenderen noch durch eine meist rothseidene, chinesische Schärpe, welche sie um den Leib tragen, und deren lange Zipfel von den Seiten herunterfallen, gehoben wird.
Während der Argentiner aber z. B. nie ohne sein langes Messer, das ihm hinten im Gürtel steckt, gesehen wird, und selbst der weniger blutdürstige Chilene sehr gern ein solches trägt, wird man den Mexikaner selten damit finden, er müßte es denn versteckt unter den Kleidern führen. Nur die Berittenen haben meist einen Säbel bei sich, den sie auch auf etwas eigenthümliche Art, wenn sie zu Pferd oder zu Maulthier sitzen, unter dem linken Bein durch, an den Sattel geschnallt tragen, wo der Griff solcher Art der rechten Hand leicht und bequem liegt. Der Säbel hindert sie dadurch nicht allein nicht beim Reiten, indem er, wie gewöhnlich umgeschnallt, an der Seite herumklappern würde, sondern sie können auch, besonders wenn sie durch Busch und Wald reiten, nirgends damit hängen bleiben. Pistolen führen sie ungemein selten, wissen auch nicht mit Feuerwaffen, oder doch nur sehr mittelmäßig umzugehen. Dafür haben sie ebenfalls den Lasso rechts hinter sich am Sattel zusammengerollt aufgebunden, daß er mit einem Griffe zu lösen und zu fassen ist.
Der Mexikaner ist aber keineswegs so blutdürstig und grausam wie manche seiner Stammgenossen, und die Ursache hierzu liegt sicher mit in der großentheils vegetabilischen Nahrung. Während sich der Argentiner nie um Brod bekümmert, wenn er Fleisch haben kann, und selbst der Californier es wohl ißt wenn er es gerade hat, aber sich auch keine besondere Mühe damit geben mag, bilden die auf großen Blechen gedörrten, ganz dünnen, knusprigen Weizenkuchen einen Haupt-Bestandtheil von des Mexikaners Mahlzeit, und er wird lieber dem Fleisch entsagen, ehe er diese aufgiebt. Ueberhaupt bietet ein solcher mexikanischer Lagerplatz ein belebtes, fröhliches Bild, und wenn kein Fremder zwischen ihnen ist, singen und lachen sie und tanzen auch wohl, trotz dem ermüdenden Ritt über Tag, bis spät in die Nacht hinein, um am anderen Morgen wieder mit Tages-Anbruch aufzustehen und ihren Marsch fortzusetzen, oder ihre Arbeit zu beginnen.
Eine außerordentliche Fertigkeit haben sie im Bepacken ihrer Maulthiere, auf die sie mit ihren Lassos und langen ledernen Riemen an zwei- bis dreihundert Pfund, sei dies nun in Kisten, Fässern oder Säcken, aufbinden. Säcke packen sich am besten, und ein Maulthier, schwer geladen, trägt gewöhnlich drei, von je hundert Pfund; Fässer mit gepöckeltem Schweinefleisch und anderen Provisionen werden immer zu zweien aufgeladen, und kleinere und größere Kisten auf eine Art weggestaut und befestigt, daß sich die Last nicht rühren und regen kann und das Thier, wenn es überhaupt nicht überladen ist, leicht darunter fortschreitet. Selbst einzelne große Fässer, besonders mit gepöckeltem Schweinefleisch, die oft dreihundert Pfund wiegen, wissen sie allein oben auf dem Packsattel eines Maulthieres so geschickt zu befestigen, daß ein Nachschnüren unterweges fast gar nicht nöthig ist. Die Mexikaner verdienten deshalb auch gleich im Anfang viel Geld damit, Lebensmittel in die Minen und besonders in die Bergschluchten zu schaffen, die man mit Wagen und Geschirr gar nicht erreichen konnte, und wo Fracht, besonders im Winter bei schlechten Wegen, nach den entfernteren Stellen bis zu einem und einunddreiviertel Thaler preuß. Courant (siebzig, achtzig, ja, bis zu hundertzwanzig Cent) für das einzelne Pfund bezahlt wurde. So verdienten sie oft mit einer einzigen Reise, die sie recht gut in acht Tagen zurücklegen konnten, ihr Maulthier.
Die Mexikaner sind dabei ungemein mäßig; sie essen nur wenig und einfache Kost und trinken fast Nichts als Wasser, sind deshalb auch vortrefflich geeignet, in den Minen und in einsamen Bergschluchten — ihren Lieblingsstellen — auszuhalten, und verdienen gewöhnlich eine für ihre bescheidenen Ansprüche sehr große Quantität Gold, mit dem sie sich dann eben so ruhig über die Berge wieder zurück in ihre Heimat ziehen, wie sie gekommen sind.
Der Amerikaner mag übrigens deshalb den Mexikaner eben so wenig wie den Chinesen leiden. Die Menschen verzehren zu wenig, haben zu wenig Bedürfnisse, und das wenige Geld, was sie umsetzen, bleibt fast ausschließlich unter ihren Landsleuten. Sie kommen meist in Karawanen und Zügen zu Lande von Mexiko herauf und weichen dem Amerikaner in Californien aus, so viel sie können. Sie suchen auch die Gesetze, die ihnen für Arbeiten in den Minen einen gewissen Beitrag auferlegen, so viel als möglich zu umgehen, indem sie fortwährend aus einer Schlucht in die andere wechseln, bis sie einen guten Platz gefunden haben den sie, ohne sich mit einem Laut zu verrathen, ausbeuten und dann wieder mit ihrem Gold verschwinden.
Sie haben dabei eine von den übrigen Stämmen ganz verschiedene Art zu arbeiten. Während die Amerikaner, wie sämmtliche übrige Nationen fast, sich der Schaufeln und Hacken zum Auswerfen der Erde und der verschiedenartigsten Maschinen zum Auswaschen derselben bedienen, bleiben die Mexikaner noch in den meisten Fällen, größere Compagnieen ausgenommen, bei ihrer hölzernen Waschschüssel und dem kleinen, kurzen Brecheisen, mit dem sie die Erde aufstoßen, dieselbe mit den Händen in die Schüssel werfen und forttragen. Natürlich ist es mit diesem unvollkommenen Handwerkszeug viel mühsamer den schweren Grund zu bearbeiten, und wollten sie dabei auf dieselbe Art verfahren, wie alle übrigen Goldwäscher, d. h. große Löcher auswerfen und frei arbeiten, und dann daran gehen, das von der oberen Decke befreite, so wie sie die Golderde einmal erreicht haben, auszuwaschen, würden sie nie und nimmer auf die Kosten ihrer Arbeit kommen, wie auch gar nicht im Stande sein so viel Erdreich mit ihrem unvollkommenen Geschirr zu bewältigen. Die Mexikaner arbeiten aber auf ganz andere Art. Gewöhnlich graben oder wühlen sie ein brunnenartiges Loch aus, von so schmaler und enger Röhre aber, daß wirklich nur ein Mexikaner sich im Geringsten darin regen könnte. Mit ledernen Säcken meist schaffen sie die taube Erde dann zu Tage, fortwährend dabei mit ihren hölzernen Pfannen versuchend, ob sie noch nicht auf goldhaltigen Grund kommen und die „Ader“ treffen. Von da an nun wühlen und stochern sie weiter, folgen der Goldader, die sich fast immer in nicht zu großem Umfange, bald hierhin, bald dorthin abkreuzend, in der Erde hinzieht, stoßen die Erde vor sich weg mit den Brechstangen gleich in ihre Pfannen oder Säcke los, und scharren und kratzen sich ordentliche Stollen unter dem Erdboden hin auf weite Strecken.
Die Amerikaner nennen dieses Arbeiten cayoting, nach den kleinen Wölfen, cayotas, die sich auch ihre Höhlen in die Erde graben.
Still und abgeschlossen, halten sie sich dabei für sich, ja selbst den Eingang ihrer Gruben verborgen, so weit das irgend geht, und arbeiten fleißig und unverdrossen fort, verkehren auch so wenig wie möglich mit ihren Nachbarn und stehen selten oder nie dem Fremden, der sich mit ihnen einlassen will, Rede und Antwort. Kömmt man deshalb an einer solchen Stelle vorbei wo sie arbeiten, und will sich mit ihnen in ein Gespräch einlassen, so hält das schon an und für sich schwer. Sie sehen es auch gar nicht gern, wenn man bei ihnen stehen bleibt, obgleich sie es eben auch nicht verhindern können, und antworten nur artig auf den ihnen gebotenen Gruß; jede weitere Frage wäre vollkommen nutzlos. Hundertmal wohl habe ich gehört, wie sie von Anderen angeredet wurden, die aus ihnen herauszubekommen suchten, ob sie irgend etwas verdienten.