„Mucho oro aqui, amigo?“ („Viel Gold hier, Freund?“) ist eine Redensart, die besonders den Amerikanern geläufig wird, da es auch ungefähr das Einzige ist, was sie von der spanischen Sprache behalten, und sie sehen dann gleichgültig und ernsthaft dabei aus, als ob ihnen eben nicht besonders viel daran läge es zu erfahren — die Antwort bleibt immer dieselbe.
„Si, poquito, Señor“ („Ja, ein wenig, Señor“) was sie mit einem eigenthümlich singenden Ton und einem halben Achselzucken erwiedern. Alle anderen gebrochenen Redensarten verstehen sie nicht, und wer wirklich spanisch spricht und dadurch schon näher mit ihnen bekannt geworden ist, fragt sie schon überhaupt um Nichts, denn wenn er auch Etwas erführe, könnte er sich darauf verlassen, daß es eine Lüge wäre.
Sogar an total wasserarmen Stellen, wo es keinem Amerikaner einfallen würde zu arbeiten, sieht man sie mit ihren kurzen Brechstangen stoßen und wühlen oder „trocken waschen“, wie es die Uebrigen nennen. Sie zerdrücken dann die bröckliche Erde in ihren hölzernen Pfannen und blasen den Staub mit dem Mund hinaus, wo das schwerere Gold natürlich zurückbleibt; aber es läßt sich denken, welche schwierige Arbeit das ist, und was für eine Lunge dazu gehört.
Mit diesem stillen, unermüdlichen Fleiß und der Art ihrer Arbeit, bei der sie sich nicht mit oberflächlichem Untersuchen begnügen, sondern eben in die Erde wie ein Maulwurf hineingehen, und darunter fortwühlen, haben sie aber auch schon in Californien fast an allen Wassercoursen die reichsten Goldlager zuerst entdeckt, und sind nicht selten später von den Amerikanern daraus vertrieben worden. So war es in Murphy’s Diggings, wo die Letzteren ein paar Mexikaner mit einer Frau an der Arbeit fanden, die unter einigen einzeln stehenden Kiefern eine Art Brunnen gegraben hatten und von den rohen Gesellen geradezu verjagt wurden. Der Platz wies sich nachher als sehr reich aus. Sodann mit Carson’s-Flat, wo zehn oder zwölf Mexikaner fast ein halbes Jahr gearbeitet hatten und, wie das Gerücht ging, eben nur knapp ihren Lebensunterhalt verdienten, denn wo sie sich ihre Provisionen holen mußten, bezahlten sie nur mit sehr feinem, unansehnlichem Gold, und handelten bis auf das Blut, um Alles billig zu bekommen. Als aber einige Amerikaner später zufällig und wirklich fast aus Verzweiflung, nirgends anders Etwas finden zu können, mit begannen, erwies sich die ganze Fläche als eine der reichsten in den californischen Minen, und die Mexikaner zogen still mit schwerbeladenen Maulthieren ab.
Dieser Nation wurden auch, besonders in den ersten Jahren, eine Menge Mordthaten vor die Thür gelegt, die sie an Minern verübt und sie beraubt haben sollten. Gewiß ist, daß es auch unter ihr, wie bei allen Nationen, eine Masse Gesindel gab, das sich den ungeregelten Zustand der Minen zu Nutzen zu machen suchte und manches Verbrechen verübte. Ihnen allein darf aber wahrlich nicht die Schuld gegeben werden, denn auch jener von Amerika herübergezogene Schwarm von Spielern, die, wenn sie kein Gold mit falschem Spiel erbeuten konnten, eben so gern bereit waren mit Blut und Raub ihre Säckel zu füllen, ferner die von Australien in nicht unbeträchtlicher Zahl hierher verschifften Deportirten, die sich glänzende Aerndten mit Aufnahme ihres alten Geschäfts versprechen durften, suchten, wenn sie eine solche That verübt, den Verdacht auf Mexikaner zu lenken, indem sie irgend ein kurzes Brecheisen, am häufigsten eine hölzerne Waschschüssel oder auch eine Sandale als corpus delicti zurückließen, und nun vielleicht gar mit die waren, welche gleich von Anfang an Zeter über die blutdürstigen „Mexicans“ schrieen. Mehrere Mordthaten haben sich, besonders in der Gegend des Sonora-Camp und der benachbarten Minen, anfänglich mit den Beweisen mexikanischer Hände, endlich doch auf jene Bande zurückführen lassen, deren Hauptstamm später in San-Francisco durch die Vigilance Committee aufgehoben und zerstört oder wenigstens zerstreut wurde.
Nichts destoweniger war jenem amerikanischen Gesindel, das in Masse von den Vereinigten Staaten mit eingeschmuggelt worden, ein solcher Verdacht gerade gegen diese fleißigen und für die Bearbeitung der Minen so geeigneten Stämme nur höchst wünschenswerth, denn sie machten nicht selten ordentlich Jagd auf solche mexikanische Lager, in deren Nähe sie stets, und oft nicht mit Unrecht, die reichsten oder doch reichhaltige Stellen vermutheten. Wo sich das bestätigte, griffen sie dann irgend ein altes Gerücht eines verübten Mordes auf, und vertrieben die armen Teufel von ihren mühsam bearbeiteten Plätzen.
Der Haß der Mexikaner gegen die Amerikaner fand dadurch immer neue Nahrung, aber nur in einzelnen und sehr wenigen Fällen wagten sie, sich ihnen wirklich ernstlich zu widersetzen; Tapferkeit gehört nicht zu ihren vorwiegenden Eigenschaften, und sie räumten meist immer das Feld, sobald die tollköpfigen Amerikaner gegen sie anrückten. Dann zogen sie sich wieder, um auch besonders der den Fremden auferlegten monatlichen Steuer zu entgehen, in noch unbearbeitete Berge zurück, und es war ihnen solcher Art schwer beizukommen. So viel aber ist gewiß, daß sie mit ihrem Fleiß und ihrer Ausdauer, wie zugleich mit ihren mäßigen Ansprüchen an das Leben, in den meisten Fällen vortreffliche Geschäfte machten. Ob sie nun in den Bergen gruben oder als Maulthiertreiber Waaren und Provisionen in die Minen schafften, sie verdienten Geld und, was mehr ist, sie bewahrten was sie verdienten, bis sie für ihre Bedürfnisse genug hatten und in ihr Vaterland zurückkehren konnten.
An den Wassern des Stanislaus, in den südlichen Minen und an ziemlich reichen Stellen arbeiteten auch, während meines dortigen Aufenthalts, in der Nähe eines kleinen Minenstädtchens oder großen Lagers mehrere Gesellschaften Mexikaner und einige Deutsche und Amerikaner. Der Platz, wo das meiste Gold, auch wieder durch die Mexikaner, gefunden worden, war eine große „Flat,“ d. h. eine ebene Strecke in einem Thal, wo diese schon mehrere tiefe Löcher gegraben und, wie es hieß, viel Gold herausgenommen hatten. Herzuwandernde Miner fingen dort ebenfalls an nach Gold zu suchen, und die Bewohner des Camps oder Lagers stellten, wie das fast immer geschieht, ein Gesetz zwischen sich fest, daß ein einzelner Arbeiter nicht berechtigt sein sollte mehr Terrain zum Niedergraben zu beanspruchen, als eine gewisse Anzahl Quadratfuß (gewöhnlich 48–64, höchstens 80). Hatten sie die ausgearbeitet, so konnten sie einen neuen „Claim,“ wie derartige Plätze genannt wurden, beanspruchen.
Drei Deutsche arbeiteten ebenfalls in dieser „Flat,“ hatten sich ihre drei „Claims“ gleich zusammen an einer Stelle genommen und ein weites bequemes Loch ausgeworfen, bis auf den goldhaltigen Kies hinunter zu arbeiten, wonach sie erst, jedenfalls die bequemste und auch sicherste Art, wollten zu waschen anfangen. Einige zwanzig Schritt von ihnen entfernt arbeiteten mehrere Mexikaner, und der Platz zwischen den beiden Parteien lag noch, wenn auch schon belegt, doch noch nicht in Angriff genommen.