Der Indier schwieg natürlich, sah ihn aber mit den dunklen Augen erschreckt an — er glaubte wahrscheinlich, daß ihm jetzt das Urtheil bekannt gemacht werden sollte.
„Aber Richter,“ — meinte da der Sheriff trocken, „wenn er all das Gesprochene nicht versteht, wie soll er denn da gegen die Zeugen sich vertheidigen? — wir brauchen einen Bombay-Dolmetscher — weiter Nichts. Hallo, da ist Einer der spricht deutsch, der wird ja auch wohl bombaysch können.“
„Sein Sie so gut,“ antwortete ihm der Deutsche — „Bombay liegt nicht in unserm Kirchspiel.“
„Ja aber, was ist da zu thun?“ sagte der Richter, die Achsel zuckend; „ich spreche auch nicht bombaysch — versteht denn kein Mensch das verdammte Kauderwelsch?“
„Laßt mich einmal zu ihm!“ sagte jetzt ein langer breitschulteriger Yankee, der bis dahin, ohne eine Sylbe zu äußern, in der einen Ecke gestanden und den Ostindier angeglotzt hatte als ob er ihn verschlingen wollte. „Laßt mich einmal zu ihm!“
„Das ist recht, Barneywater, versucht’s einmal!“ sagte der Richter aufmunternd; „schwört ihn als Dolmetscher ein. Sheriff — schwört ihn als Dolmetscher ein!“
Der Yankee arbeitete sich indessen zu dem Ostindier durch, und dieser, als er den langen, bleichen Menschen mit dem finster entschlossenen Gesicht auf sich eindrängen sah, schien das Schlimmste zu fürchten. Er drückte sich, so weit es die ihn Umstehenden gestatteten, zurück, und sah sich ängstlich nach Hülfe um. Die hie und da lächelnden Gesichter die ihn umgaben, mochten ihm um so entsetzlicher vorkommen.
Der Yankee hatte ihn jetzt erreicht, faßte ihn mit der rechten Hand an der Schulter und bog sich zu ihm nieder.
„Solu gu’a orang,“ stöhnte der Indier.
„Never mind,“ sagte der Yankee, und schrie ihm dann, als ob er ein Schiff aus weiter See anriefe, in die Ohren: „He du! hast du was dagegen einzuwenden, was die Zeugen da eben gegen dich ausgesagt haben?“