In dem Zelt des Constabels aber lag der Ostindier ausgestreckt auf einer wollenen Decke, hatte das Zelttuch ein klein wenig in die Höhe gehoben und schien aufmerksam das Niederbrennen einer gewaltigen Fichte zu beobachten, die gar nicht weit von dem Zelte stand und durch ihre züngelnden Flammen die ganze Nachbarschaft mit Tageshelle erleuchtete. Es war außerdem Vollmond und die runde glänzende Scheibe stand hoch und klar am Himmel; von Nordosten herauf zogen aber dichte Wolkenstreifen und näherten sich mehr und mehr dem Monde.
Mitternacht war vorüber — der Himmel hatte sich bewölkt und die Fichte war niedergebrannt — die halbverkohlten glühenden Trümmer rauchten nur noch, und dann und wann stieg zuckend ein heller Flammenstrahl in die Höhe, wenn die Hitze einen bis dahin verschont gebliebenen und niedergefallenen Rindenstreifen erfaßt hatte und nun rasch und gierig verzehrte.
Im Zelt des Constabels war Alles ruhig, Nichts regte sich und nur dicht daneben kamen eben ein paar fröhliche Zechbrüder vom späten Mahl zurück. Unterwegs waren möglicher Weise bei dem Einen von ihnen Zweifel über die Bewohnbarkeit des Mondes aufgestiegen, die der Andere dagegen hartnäckig vertheidigte, und sie stellten sich jetzt vor das Zelt hin, gesticulirten nach dem gleichgültig zu ihnen niederschauenden Mond empor, und wurden dabei unnöthiger Weise viel heftiger, als die Gelegenheit erforderte.
Endlich beruhigten sie sich aber doch wieder, hatten auch vielleicht schon vergessen über was sie eigentlich gestritten, und suchten ihre verschiedenen Zelte auf, aus denen sie nur noch einzelne unzusammenhängende Schimpfwörter vorbrummten.
Gerade jetzt stand eine schwere Wolke vor dem Mond; in diesem Augenblick hob sich die hintere Wand von des Constabels Zelt und eine dunkle Gestalt glitt rasch daraus vor. Unter dem nächsten straußartigen Rothholzbusch hielt sie etwa eine Minute an, kroch dann mehr als sie ging nach dem Creek hinunter, den sie, ohne den darüber hinliegenden Baumstamm zu benützen, dicht unter diesem durchwatete und verschwand gleich darauf als der Mond wieder hinter den Wolken vortrat, in den düstern Schatten, welchen die steilen hohen Ufer auf den murmelnden Strom hinunterwarfen.
In dem Mondschein zurück aber blieb eine andere Gestalt, die jetzt gerade unter dem Stamme weg, an welchem hin der Indier geflüchtet war, und aus dem Wasser heraus vorstieg — es war der alte californische Häuptling, mit dem Muschelschmuck. Lange — lange horchte er, bis die Schritte des davon Eilenden weit in der Ferne verklungen waren und er sich sicher fühlte, daß Jener keinen Blick mehr auf den jetzt hellbeschienenen Hügelhang zurückwerfen könne — dann stieß er einen leisen schrillen Ruf aus — gerade wie die Schnepfe ruft, wenn sie Nachts über dem Wald ihren Lieblingswiesen zustreicht, und folgte, ohne eine Antwort darauf abzuwarten, blitzesschnell dem Davongeeilten.
Der Constabel kam an dem Abend spät, oder vielmehr an dem Morgen sehr früh zu Hause und war viel zu glücklich an etwas anderes zu denken, als an sich selber, ja die Abwesenheit seines Gefangenen oder eigentlich Gastes nur zu bemerken. Als er aber gegen acht Uhr etwa von den hellen Sonnenstrahlen geweckt wurde, sich ein wenig auf das Vorgefallene besann und in seinem Zelte umschaute, entstand auf einmal ein Mordspektakel, und die herbeigerufenen Nachbarn erfuhren gleich darauf, daß der „verdammte schwarze Hallunke von Bombay“ nicht allein sich selber — damit waren alle zufrieden — aber auch zwei Pistolen, ein Messer, zwei Hemden, eine wollene Decke und einen kleinen Lederbeutel mit circa drei eine halbe Unze Gold, mit fortgenommen habe, den der Constabel leichtsinnig genug unter seiner Matratze hatte liegen lassen.
Von Indianern war kein einziger mehr in Stoutenburgk zu sehen.
So ruhig fortlassen wollte man aber den schwarzen Verbrecher nicht, und der Constabel beschloß, ohne erst einen großen Warrant auszunehmen, ihn augenblicklich nachzusetzen. Einige Freiwillige schlossen sich ihm gleich an. An die Kayotas wurde zugleich ein Bote abgeschickt, ein Paar von ihnen zum Spüren herüberzuholen, die dann auch, als sie hörten worauf es abgesehen sei, nicht lange auf sich warten ließen. Zwei Stunden später setzte sich der kleine Zug in Bewegung, von den Indianern geführt, den Fährten des Bombay Mannes zu folgen.