„Buenos dias, Señores.“

Kadisch machte eine leichte Verbeugung gegen ihn, der Richter sagte aber gar nichts weiter, und da der Mexikaner die vorherige Einladung sich zu setzen wahrscheinlich nicht verstanden oder vielleicht nicht einmal gehört hatte; wiederholte sie der Deutsche noch einmal auf Spanisch.

José dankte schweigend, rückte sich dann einen der Rohrstühle heran und ließ sich langsam darauf nieder. Die dunklen verschmitzten Augen liefen aber indessen rasch von einem Gegenstand im Zimmer zum anderen, und hafteten auf nichts. Nur dann und wann suchte er dem Blick des Richters zu begegnen, wenn dieser zu seinen regelmäßigen Expectorationen den Kopf wandte. Dieser aber hatte vielleicht schon ganz wieder vergessen, daß Jemand anders mit ihm im Zimmer war, oder nahm doch wenigstens nicht die mindeste Notiz, weder vom Kläger noch Verklagten.

So verging eine Viertelstunde nach der andern, und Kadisch, der andere Geschäfte zu besorgen hatte, stand schon einmal auf und bat den Richter ihn zu entschuldigen, er wolle lieber in einer Stunde etwa oder zu jeder andern Zeit, die er ihm bestimmen möchte, wieder kommen, denn er habe zu Hause nothwendige Geschäfte.

„Never mind, Kadish“, sagte aber der Richter, und winkte ihm mit der Hand sitzen zu bleiben; „der Sheriff muß den Augenblick hier seyn, und wir machen Ihre Sache dann ohne weiteres ab. Sie treffen’s vielleicht nicht allemal so günstig.“

Der Deutsche sah daß der Richter guter Laune schien, und war klug genug zu bleiben, der Mexikaner aber, der von den gewechselten Worten nichts verstand, schaute mißtrauisch bald den einen, bald den andern an, und mochte aus der Freundlichkeit des Richters gegen seinen Ankläger, nicht ohne Grund, keine der besten Folgerungen für sich ziehen.

So verging wieder eine zweite Viertelstunde, als die Thür aufging und der Sheriff hereintrat.

„Alles in Ordnung, Jenkins?“ frug ihn der Richter.

„Alles“, lautete die bündige Antwort des Schwertes der öffentlichen Gerechtigkeit.