„Alles, your honor.“

„All right then, in drei Stunden die landesübliche Münzsorte oder — Auction —“ und damit stand er auf, machte eine graziöse Bewegung mit der Hand gegen Kläger und Verklagten, und sagte: „die Court ist aufgehoben. Jenkins, kommen Sie, wir wollen einmal gegenüber gehen und einen nehmen, ich bin ganz trocken im Halse geworden.“

Drei Stunden später stand José Tonjuras mit vollem Geldbeutel und betrübtem Gesicht am Tische des Richters und zahlte diesem die ihm auferlegte Summe. Er wußte recht gut, daß ihm weiter gar kein Mittel blieb; der Richter hätte ihm das letzte Maulthier aus der Fenz verauctioniren lassen, und Maulthiere hatten gerade in dem Augenblick keinen besonders guten Preis. Judge Reynolds strich aber, jetzt ohne Dolmetscher, das Geld mit sehr wohlgefälligem Antlitz ein und sagte, als der Spanier etwas niedergeschlagen Abschied nahm, indem er das Geld in seinen Tischkasten einschloß, das einzige spanische Wort, was er wahrscheinlich wußte, „Mucho gracias.“ (Muchas gracias!)

Die Entdeckung des Jackaßgulch (Eselschlucht).

Wer meiner Leser erinnert sich nicht jener ersten Berichte, die über den californischen Reichthum zu uns herüber drangen, und Manchem gleich in ihrem ersten Andrang das richtige echte Goldfieber dermaßen gaben, daß es nur durch eine fünfmonatliche Seereise geheilt werden konnte. Andere schüttelten freilich zweifelnd den Kopf, und wollten an diese Massen von Gold nicht so recht glauben. Und doch waren jene Berichte keineswegs übertrieben. Es ist aber eine sonderbare Thatsache, daß in Californien gerade die reichhaltigsten Stellen, und zwar die, wo das Gold, und noch dazu grobes Gold, nur wenige Fuß unter der Oberfläche lag, gleich im ersten Anfang entdeckt und bearbeitet wurden, und die wenigen Glücklichen, die dort gewissermaßen über den Schatz herstolperten, konnten und wollten nicht anders glauben, als das ganze Land stecke jetzt dermaßen voll Goldsplitter, daß sie eben weiter nichts zu thun hätten, als sich daneben hinzusetzen und sie herauszuziehen.

Sutters Mühle und Mormoneiland im Norden, Mormongulch und Sullivans Creek im Süden, wurden fast zu gleicher Zeit und bald nach einander gefunden, und sie alle lieferten, für die jetzigen Minen, fast unglaubliche Resultate. Die Leute dort hielten zwei Unzen den Tag für einen höchst mittelmäßigen Tagelohn, ja verließen die Stellen, wo sie das mit Leichtigkeit gewinnen konnten, und fanden an denselben Schluchten andere, die sie besser bezahlten. Sie verkauften um einen Spottpreis oder verschenkten die Plätze, die sie niedergegraben und die ihnen noch Schätze lieferten, vertranken das Gold das sie verdient, und fingen von Neuem an zu suchen. Die Minen schienen unerschöpflich, und mit höchst unvollkommenem Werkzeug, ja mit nur sehr geringer Arbeit — im Vergleich zu dem wenigstens, wie jetzt dort geschafft werden muß — förderten sie spielend zu Tage, was sie eben brauchten, und sie brauchten sehr viel. Die Flasche Champagner kostete damals von 10–16 Dollars, der Brandy 5–8 Dollars, die Flasche Essiggurken 16 Dollars d. h. w., und was sie nicht in solchen Leckereien (denn Essiggurken gehörten unstreitig dazu) geschwind genug loswerden konnten, das verspielten sie, nur wieder reine Taschen zu bekommen.

Man kann sich denken, was für toll und wild zusammengewürfeltes Volk dort hauste, und wie es da manchmal zuging. Dennoch hörte man selten oder nie von Mordthaten, wenn auch Diebereien oft genug vorfielen. Morde kamen erst in Californien an die Tagesordnung, als das Gold schwerer und unsicherer zu gewinnen war, und die Leute lebten damals in einem Zustande, von dem sie später selber versicherten, sie seien „wie im Traume“ herumgegangen.

So wie jetzt aber liefen auch schon zu jener Zeit fortwährend Gerüchte von noch viel reicheren Stellen, Plätzen, wo das Gold, wenige Zoll unter der Rasendecke, nur zum Zusammenscharren läge, und bald sollte dieser, bald jener ein solches Eldorado gefunden haben, dem nun Alle nachzuspüren suchten. Wer irgend einen andern Platz entdeckt hatte, von dem er ja noch gar nicht wissen konnte, ob er sich nicht gerade später als eine solche arabische Schatzkammer auswies, der hielt es so lange als möglich geheim, stahl sich Nachts fort, wenn es nicht anders ging, und lag Wochen lang draußen herum, bis er entweder von den Andern aufgespürt wurde, oder auch ausgefunden hatte, daß sein alter Platz eben so gut gewesen wie dieser, und er nun dahin wieder zurückkehren könne. Fand er doch dort wenigstens Provisionen und Getränke in der Nähe.

Der Leser mag aber lieber gleich einmal mit mir in den Mormongulch hinabspringen. Er lernt dort das echte Minenleben aus erster Quelle kennen, und wir finden, wenn auch nicht lauter gute, doch sicher interessante Gesellschaft.