War es Einbildung oder Wirklichkeit — bei dem jetzigen Zustand seines Gesichts ließ sich das nicht so genau unterscheiden, aber es hatten Einzelne früher eine Aehnlichkeit in Gestalt und Angesicht zwischen Johnny und Napoleon Bonaparte gefunden. Johnny’s Lieblingsstellung war von der Zeit an die mit zusammengekniffenen Brauen und untergeschlagenen Armen, ja seinen grauen Filzhut sogar hatte er dreieckig aufgeschlagen und befestigt, und als Zierrath, allerdings etwas unnapoleonisch, eine unechte Broche und eine kleine Kette aus Bronze darum, aufgenäht.

In dem Augenblick, wo wir die Gruppe der Goldgräber mustern, liegt Johnny auf dem Bauche, dicht am Rand des Gulch, in einer sogenannten Kayota, d. h. in einer Seitenhöhle, die er sich unter der Bank hineingearbeitet hatte, die goldhaltige Erde darunter hervorzuwühlen, ohne sich dabei die Mühe zu nehmen das darauf liegende Erdreich abzuwerfen. Nicht daß Johnny faul gewesen wäre — im Gegentheil, er war einer der besten Arbeiter — aber es ging doch bequemer, und die Hauptsache: schneller. So hatte er erst, während Fischer die Erde abholte, zur Maschine trug und auswusch, mit einer kurzen, zu diesem Zweck besonders nützlichen Brechstange die goldhaltige Erde mehr und mehr, vielleicht zwei Fuß vom Felsengrund ab, weggestoßen und war dabei tiefer und tiefer gekommen, bis er zuletzt mit dem ganzen Körper unter die Erde hineingewühlt war, daß nur noch die Füße eben vorguckten.

Sein Frack mit dem Hut darauf lagen, wie zierende Trophäen eines Monuments, dicht davor auf einem etwa 3 Fuß hohen Quarzblock, um den herum sie die Erde schon weggewaschen.

Fischer war eben mit seiner Pfanne fertig geworden und zurückgekommen. Er saß niedergekauert und mit gebücktem Kopf neben Johnny’s Schuhwerk und versuchte in das Loch hineinzuschauen. Die Pfanne stand neben ihm.

„Johnny“, sagte er endlich mit seiner etwas feinen aber gutmüthigen Stimme, „Du wühlst zu tief. Wenn Dir die Geschichte auf den Leib fällt, so haben wir Napoleons Grab hier, und das sollte mir leid thun.“

„Laß gut sein, Fischer,“ tönte Johnny’s Stimme dagegen etwas hohl und unnatürlich unter der Erde vor — „ich bin gleich fertig, denn der Felsen läuft wieder hoch, und so können wir ihn nachher, wenn’s lohnen sollte, von oben abdecken.“

„Jemine Johnny,“ sagte Fischer, nachdem es ihm gelungen war, einen Blick in die Oeffnung zu werfen, „warum hast Du Dir denn nicht den Quarzstein da oben herausgebrochen. Er zerreibt Dir ja den Rücken.“

„Das geht nicht,“ brummte Johnny dagegen, „er sitzt zu fest. Wenn ich den herausholen will, bricht mir am Ende die ganze Pastete nach, und Gold steckt doch nicht mehr dran. So mag er denn sitzen bleiben.“

Es war ein weißer Quarzblock von vielleicht anderthalb bis zwei Fuß im Durchmesser, unter dem sich Johnny so hindurchgearbeitet hatte, daß er jetzt mit den Schultern unter ihm stak, was ihn allerdings etwas in seinen Bewegungen hinderte. Im Monat August aber ist die Erde so hart und trocken, daß wenig Gefahr eines Einsturzes vorhanden schien, ja die Mexikaner arbeiteten fast einzig und allein auf diese Art. Sie bohrten schmale Löcher, in die sie sich kaum hinabzwängen konnten, worauf sie sich unten nach allen Seiten und oft unglaubliche Strecken weit ausbreiteten. Es hieß dies in der Minensprache, wahrscheinlich nach den kleinen Wölfen, die es in Californien in wahrer Unmasse giebt und die ihr Lager in Erdhöhlen haben sollen — kayoten.