„Woher erwartest Du Briefe, Johnny?“ frug Fischer, „von San Francisco?“

„Von Havre,“ lachte Hilgen. „Da wohnt die schöne Meisterstochter, die nun seit funfzehn Jahren nicht geschrieben hat.“

„Hilgen, Du bist ein — Ehemann,“ sagte Johnny mit Achselzucken; „ich kann Dir nichts weiter auf Deine Bemerkung erwiedern.“

„Hier sind alle die Briefe,“ unterbrach sie der zurückkehrende Wirth, und hielt Fischer etwa zehn oder zwölf Briefe hin, die heute, für dortige Miner bestimmt, durch einen der Leute, die hier oben ein Zelt hatten, heraufgebracht worden waren. Noch jetzt gehen diese Leute in San Francisco auf die Postoffice, lassen sich an Briefen geben, was für die Minen, nach denen sie gerade hinaufgehen, bereit liegt, zahlen ein geringes Porto dafür, und rechnen dann für den Brief ein — zwei Dollar Botengeld. Die Bestellungen, für die sie dort keine Liebhaber finden, nehmen sie selten oder nie wieder zurück, und es läßt sich denken, daß auf solche Art eine Menge Briefe für die wirklichen Eigenthümer verloren gehen müssen. So hatte der letzte Bote zwei für einen Mr. Fischer mitgebracht, weil Einer der Deutschen hier, wie er wußte, Fischer hieß. Es war aber keiner der rechte und beide blieben oben liegen. Für John Smith lagen wenigstens sechs dergleichen dort.

Fischer blätterte auch die andern Briefe durch. „Edward Hustings,“ murmelte er dabei vor sich hin, „William Roberts — Charles Roberts — John — ja, zum Henker,“ unterbrach er sich, seine Finger zwischen den Briefen lassend und Johnny dabei ansehend, „wie heißt Du denn eigentlich mit Deinem Zunamen, Johnny — hier ist einer für John Was — Wes — Wesley — Wetter noch einmal, ist das eine Pfote — ich habe Dich noch nie anders wie Johnny nennen hören, und das kann doch nicht so einfach auf der Adresse stehen.“

„Nein,“ sagte Johnny, den Hut, wie er dies fast hundert Mal des Tags that, vorn an der Krempe fassend und mit einem plötzlichen Ruck etwa sechs Zoll von links nach rechts rückend, wodurch die eigentlich vorn sitzen sollende Brosche alle vier und zwanzig Stunden etwa zwanzig Mal einen Zirkel um seinen Kopf beschrieb — „nein, die Briefe müssen französische Adresse haben an Monsieur Jean Stülbeng.“

„Stüllbeng — hm,“ brummte Fischer, „das ist ja gar kein deutsches Wort. Stammst Du denn aus Frankreich, Johnny? — Haben Sie schon ’mal einen solchen Namen gehört, Herr Erbe?“

„Nein,“ sagte Erbe kopfschüttelnd, „aber in Leipzig workte (arbeitete) ich einmal mit einem Gesellen zusammen, der hieß Sturzmeier, was auch ein sonderbarer Name ist.“

„Ja Herr Erbe,“ sagte Fischer lachend und ihm zunickend, „aber wie buchstabirst Du denn den, Johnny?“ „S — t — ü — asch —“

„O bleib mir mit Deinem ash vom Leibe, Johnny,“ unterbrach ihn aber Fischer — „Du weißt ich verstehe von Deinem Französischen Nichts, damit mußt Du mich ungeschoren lassen. Da — hier ist ein Bleistift — da schreib ihn einmal auf die Karte, nachher werden wir ja sehen.“