„Und haben sie gar keinen Verdacht?“ fragte Johnny.

„O ja, starken noch dazu — natürlich frugen sie gleich überall nach und machten es bekannt, und bekamen denn auch heraus, daß zwei Amerikaner gestern im nächsten Store zwei Pfund eben solcher Lichte gekauft hatten. Aber was können sie ihnen damit beweisen? gar Nichts. Das Gold, was die herausgegraben haben, kennt ja keiner von ihnen, also schwören können sie gar nicht darauf, und englisch verstehen sie auch nicht, was sollen sie also machen. — Und dann sind’s noch dazu Amerikaner.“

„Und wenn sie Gott weiß was wären,“ rief Fischer. — „Caracho, wenn sie mir einmal auf die Art in’s Gehege kämen, ich wollte ihnen zeigen, wie viel Pulver meine Flinte schießt.“

„Ja da weiter hinauf soll schmähliches Gold sitzen,“ — meinte Johnny. — „Ich habe auch große Lust, es da oben noch einmal zu versuchen. Aber Ihr trinkt ja gar nicht. Donnerwetter, Fischer, Erbe hat wieder ein leeres Glas vor sich. Du mußt ein Bischen auf Deine Nachbarn passen.“

„Nu, ich denke,“ sagte Fischer, „wenn ich den in vollen Gläsern halten wollte, da hätt’ ich eine lebenslängliche Anstellung, — bei dem ist’s gerade, als ob’s in ein Sieb flösse.“

„Well, Mr. Fischer,“ sagte Erbe, und nickte, ihn von der Seite ansehend, bedeutungsvoll mit dem Kopf dazu. „Ihre Gurgel ist Ihnen auch nicht zugetied, und wenn Sie so fortfahren, so kann man Ihnen wenigstens prophezeihen, daß Sie einmal der Durst nicht killt (umbringt).“

„Sagen Sie einmal, Herr Hilgen,“ frug jetzt Fischer, die beiden Ellbogen auf den Tisch gestützt, mit freundlichem Blick zu diesem hinüber, — „die Leute hier in der Gegend behaupten Sie hätten einen neuen Platz aufgefunden, der überreich sein soll. Ist denn da was dran?“

„Unsinn!“ sagte Hilgen und leerte sein Glas, schien aber doch verlegen zu werden. „Ich bin ja gar nicht prospectiren gewesen. Ich hatte nicht einmal Werkzeug mit, und habe nur ein paar Mexikaner arbeiten sehen; weiß aber der liebe Gott, ob sie Gold fanden oder nicht. Sagen thun sie’s Einem doch nicht, wenn man sie auch frägt.“

„Sind gute Burschen das,“ lachte Fischer, „wenn man sie anredet, ob die Arbeit was ausgiebt, ist die ewige unausbleibliche Antwort: Si — poquito Señor (ja, ein Bischen), aber, Herr Hilgen, ich glaube doch nicht, daß Ihre Sache so recht richtig ist. Ihre Frau will auch nicht mit der Sprache heraus, und das ist immer ein böses Zeichen. Aus alter Freundschaft sollten Sie uns doch wenigstens reinen Wein einschenken.“

„Laßt uns ein Bündniß schließen, Freunde! Brüder!“ rief Johnny plötzlich, in Begeisterung auf den Tisch schlagend, „ein Bündniß zu Schutz und Trutz — mit einander zu leben und zu sterben. Fort mit schnödem Eigennutz — fort mit der Gier nach jenem nichtswürdigen Metall, jenem ekelhaften Gold. Manneswürde — Mannesfreundschaft — was giebt es Höheres als dies auf der Welt. Ihr wollen wir uns weihen. Vom Norden und Süden, vom Osten und Westen sind wir zusammengeschneit aus Deutschland, aus den vereinigten Staaten, aus Chile, aus dem schönen — o, dem wunderschönen Frankreich, ma belle France. Selbst aus Texas sitzt dort ein Individuum“ — Erbe guckte hoch auf — „aus allen Theilen der Erde sind wir hier zusammengekommen, Deutsche — biedere, rechtschaffene, treue Deutsche, und so laßt uns denn ein Bündniß beschwören, Alle für Einen und Einer für Alle zu stehen. Jeder schaale Eigennutz sei bei Seite geworfen, jede unedle Leidenschaft unterdrückt, und unsere sechs deutschen Herzen glühen in einer reinen Liebesflamme zusammen auf. Was der Eine hat, habe der Andere; was dem Einen fehlt, fehle dem Anderen, und hier ist meine Hand zum großen, zum herrlichen Männer-Bündniß, das seines Gleichen noch nicht hat auf der weiten Gotteswelt.“