Johnny streckte, sich zu seiner ganzen Länge emporrichtend, — was eben nicht viel war — die rechte Hand offen über den Tisch, und Fischer und Fuchs schlugen ein — Starke und Hilgen sahen sich verdutzt an, und Erbe hatte seine rechte Hand halb aus der Tasche, ließ sie indeß vorläufig noch stecken, erst abzuwarten, ob sie auch wirklich nöthig wäre, ehe er sie unnütz der Abendluft aussetzte.
„Eure Hände her, Männer!“ rief aber Johnny, wie von einem höheren Geiste beseelt, „Eure Hände — Mr. Drewler, Champagner (dieser Zuruf galt dem Wirth) Champagner, dies Bündniß zu besiegeln“ — fuhr er fort — „zu Schutz und Trutz, wir deutschen Männer in Californien.“
Diesem letzten Grund, d. h. dem Champagner, konnte selbst Erbe nicht widerstehen, und Starke und Hilgen legten ihre Hände ebenfalls in Johnny’s Rechte.
Die Amerikaner, die im Zelt herum standen und lehnten, traten näher zum Tische, da sie wohl erkannten, daß etwas Ungewöhnliches vorging. Von den Verhandlungen selbst konnten sie freilich Nichts verstehen, doch kannten sie Alle den kleinen Schneider und wußten, daß er manchmal an schwärmerischen Einfällen litt. Johnny fuhr unbeirrt fort:
„Hier halte ich Euch, Bürger einer neuen Welt — Erbe, nehmt die andere Hand auch aus der Tasche, es ist dies ein feierlicher Act — Bürger einer neuen Welt sag’ ich, aus deren kalten, eigennützigen Herzen ich endlich einmal einen Funken Menschlichkeit herausgeschlagen habe, hier halte ich Euch an Euren Händen und an Eurem Männerwort. Aber es hat Mühe gekostet. Es mußte erst alles Schlechte und Gemeine, was in Euch steckt, förmlich ersäuft werden und das keineswegs mit Wasser.“
„Johnny hat doch ein höllisches Maulwerk,“ sagte Fischer, freundlich grinsend. „Es geht ihm nur so vom Munde weg wie — wie am Fädchen.“
„Und grob ist er wie Bohnenstroh,“ sagte Erbe, „ich „„wundere nur““ wo er hinaus will.“
„So, nun laß aber wieder los,“ bemerkte Fuchs und suchte seine Hand aus dem Knäuel herauszubekommen, „da ist der Champagner und der darf nicht warm werden.“
„Herr Hilgen,“ nickte Fischer, während er den neben ihm sitzenden Johnny mit dem Fuße anstieß, diesem zu, „das ist schön, so sind wir auf einmal Brüder geworden und dürfen nichts mehr vor einander geheim haben. Jetzt werden Sie uns ja wohl sagen, wo der gute Fleck ist. Die Amerikaner verstehen uns nicht, lassen Sie die ruhig zuhören.“