„Das war Vorsehung — Schicksal — was mich geleitet hat, Fischer,“ sagte aber Johnny ernst — „Ich stand vor dem Zelt und dachte daran, wo Hilgen nur bliebe und da fiel mir’s ein hier einmal die kurze Strecke nach dem Hügel hinaufzugehen, von wo aus ich sehen kann, ob Hilgen Licht in seinem Zelt hat oder nicht. Kaum bin ich aber hier oben, als mir die ganze heilige Caravane, Madame Hilgen mit dem Esel und ihrem Manne, fast auf den Hals kam — ich behielt eben noch Zeit, mich hinter einen alten dort liegengelassenen Baumstumpf zu werfen. Gerade als sie bei mir vorbeigingen, sagte Madame Hilgen lachend — „Wenn sie jetzt dort im Zelte wüßten, daß wir hier bei Nacht und Nebel fortziehn, wie sollten sie da so schnell hinter uns her sein. Also sie wollten aus Dir heraus haben, wo es wäre?“ — „O sie waren wie verteufelt drauf,“ antworte Hilgen, „besonders Fischer und der kleine Napoleon“ — weiter konnte ich aber nichts hören und machte auch rasch daß ich zurückkam, Dich zu holen. Nun aber still — wir dürfen kein Wort mehr mit einander reden, denn sie könnten auch ebensogut einmal angehalten haben, und wenn sie merken, daß sie verfolgt werden, ist Madame Hilgen schlau genug, hier irgendwo abzubiegen und lieber ihren Mann und uns die ganze Nacht spatzieren zu führen, ehe wir durch sie herausbekommen sollten wo sie hinwollen.“

Schweigend und lautlos verfolgten sie von da ab ihren Weg, bis sie von weitem die kleine Caravane hörten, und nun dicht, aber sich wohl hütend nicht gesehen zu werden, in ihren Fährten blieben.

Fischer hatte übrigens kaum das Zelt verlassen, als Fuchs Starke anstieß und leise sagte:

„Du — Starke — Johnny hat irgend ’was auf dem Kieker, der winkte eben Fischer, und ist wieder hinausgegangen — wenn wir nun einmal sähen, wo die blieben.“

„Ach laß sie,“ sagte Starke, der noch einen Rest in der einen Flasche sah, „wenn die ’was besonderes hätten, sagten sie’s uns auch — komm, schenk noch einmal ein.“

„Ne, ne,“ fuhr aber Fuchs dringender fort — „komm einmal mit heraus, wir wollen wenigstens sehen was sie haben, nachher können wir ja immer wieder zurückkommen.“

Während Einer der Amerikaner gerade eine endlose langweilige Ballade von irgend einer Seeschlacht mit monotoner Stimme ableierte, standen die Beiden auf und verließen das Zelt.

Erbe saß jetzt allein auf der Bank, war aber keineswegs so vernagelt, daß er nicht hätte Unrath merken sollen. — Erst trank er jedoch vor allen Dingen die Flasche leer, die noch halb gefüllt vor ihm stand, damit der weiter kein Unglück passiren könnte, dann steckte er die rechte Hand wieder in die Tasche und simulirte.

„Well, wenn das unsere deutsche Treue und Einigkeit ist, so will ich auch Spießruthen laufen — lassen Einen hier ganz allein sitzen und putten ihre Köpfe zusammen — aber wart Johnny — wenn das so ist, wie ich’s calculire, dann sollst Du doch hell ketschen (to catch hell was tüchtiges abkriegen). Doch ne,“ fuhr er dann fort — „so ganz ruhig will ich sie auch nicht abtravveln lassen!“ Und damit stand er auf, rückte sich die Mütze noch ein klein wenig mehr auf die Seite und verließ, ganz in seiner gewöhnlichen Art, nur heute mit einem etwas außergewöhnlich rothen Gesicht, das Zelt. Als er übrigens hinauskam, war Niemand mehr zu sehen wie ein Neger, der eben sein Pferd an das kleine, zu dem Zwecke dort angebrachte rack band.