„Hallo Mister!“ frug diesen Erbe auf englisch, „habt Ihr nicht eben ein paar Männer hier fortgehen sehn?“

„Yes Massa,“ sagte der Schwarze freundlich — „gingen eben da den Hügel herauf, wie ich herunter kam — können nur eben jetzt in dem kleinen Weg sein, der oben hinläuft.“

„Ahem? — danke, aber stop — seid Ihr weiter Niemand begegnet?“ —

„Ich,“ — sagte der Schwarze — „nein — ja doch, ein Stück am Berg dort hinauf einer weißen Frau auf einem Esel und einem Mann.“

„Phssss“ — pfiff Erbe zwischen den Zähnen durch — „so türnt sich die Sache rum — aber wart’.“ Und damit verließ er dießmal rascher als seine Art war, das Zelt, und stieg mit schnellen Schritten den Hügel hinan, der sich dort schräg hinauf und einer bedeutenderen Bergkette zuzog.

Hilgen und seine Frau wanderten indessen auf dem schmalen, bei Nachtzeit keineswegs bequemen Wege weiter. Der Mann blieb allerdings manchmal stehen, zu horchen ob ihnen auch Niemand folge; Fischer und Johnny aber waren viel zu vorsichtig, ihre Gegenwart ahnen zu lassen. Sie hielten sich in der gehörigen Entfernung, und da sie beide mit der Gegend umher bekannt genug waren, wurde es ihnen nach kaum einstündigem Marsche nicht schwer zu errathen, wo eigentlich das Ziel ihrer Wanderschaft liege. Endlich senkte sich auch der Weg wieder thalab, und einem ziemlich steilen aber breiten Gulch zu, woran fast noch gar nicht gearbeitet war. Untersucht hatten sie den Gulch selbst schon einmal, aber, wie das gewöhnlich geschieht, nur oberflächlich. Je weniger sie zweifelten daß Hilgen hier Halt machen würde, um so behutsamer eben folgten sie. Der Esel, der über den ungewohnten Nachtmarsch mißvergnügt sein mochte und fortwährend schnob und prustete, stand schließlich an einem umgestürzten Baume still, ward seines Gepäcks entladen, und bald loderte neben ihm ein lustiges Feuer in die klare Nachtluft hinauf.

Fischer und John zogen sich jetzt zurück, zu berathen, was sie eigentlich thun sollten. Wie sie aber leise den schmalen Hirschpfad, den sie niedergekommen, wieder aufstiegen, außer Gehörsweite der „flüchtigen Familie“ zu gelangen, rannten sie beinahe gegen Fuchs und Starke an, die, der letztere voraus, etwas rascher vorwärts eilten, ihre Vorgänger nicht zu verlieren.

„Herr Je!“ rief Starke — Fischer packte ihn aber gleich und bedeutete ihn stille zu sein und Fuchs lachte, während Johnny im ersten Augenblick ein wenig verlegen schien. — Das gab sich aber bald, und die vier Verbündeten gingen nun etwa eine halbe Meile den Berg wieder hinauf und hielten dort Kriegsrath, was sie jetzt thun wollten. Es verstand sich von selber daß sie heute Nacht nach ihrem Zelte zurückkehrten; Fischer und Fuchs stimmten aber dann dafür, daß sie gleich am nächsten Morgen mit ihrem ganzen Geschirr herüberkämen und der „Familie Hilgen“ einen Besuch abstatteten, während Johnny vollkommen dagegen war.

„Verlassen wir jetzt ebenfalls den Mormongulch,“ schloß er ganz richtig, „so ist der Teufel los. — Alle Welt weiß dann auf einmal daß die Deutschen einen neuen Platz gefunden haben, nach dem sie Alle heimlich aufgebrochen sind, und das ganze Amerikanische Gesindel, das ohnedieß den ganzen Tag in den Bergen herumliegt, stiebte augenblicklich nach allen Richtungen auseinander, uns aufzufinden. Das würde ihnen dann bald gelingen, denn dieser Gulch liegt gar nicht so weit aus dem Weg. Ueberdieß wissen wir nicht ob der Platz wirklich so reich ist, wie jetzt Hilgen zu glauben scheint, und das können wir also jedenfalls erst einmal ruhig abwarten. Bleibt Hilgen hier, dann ist es ein Beweis daß er recht hatte, und dann verlieren wir uns so langsam ohne viel Aufhebens zu machen, vom Mormongulch weg, — ist er aber nicht so gut, dann kommt Hilgen schon früher wieder von selber zurück, und dann können wir ihn eben so gut auslachen und haben noch außerdem einen jedenfalls beschwerlichen Umzug erspart.“

Dieser Vorschlag war zu vernünftig, als daß sich die Andern nicht vollkommen einverstanden damit erklärt hätten. — Starke war es überdem gleich, was sie machten, solange er nur nicht selber über etwas nachzudenken brauchte.