Fuchs wollte wieder Einspruch thun, Fischer verhinderte ihn aber daran und Erbe erzählte weiter.
„Durch Breiars und Wasserholes, über Hills und Rocks[29] hinweg, war ich fast die ganze Nacht dem verkehrten Jackaß nachgestiefelt, und einen Durscht hatt’ ich, o Herr Gott von Meißen, wie durschtig war ich. Wie ich mich denn aber nun auszufinden suchte, wo ich eigentlich wäre, krahlte[30] ich natürlich wieder den falschen Hill hinunter und kam an den Stanislaus. Dort fand ich glücklicher Weise einen guten Bekannten, und mit dem wollte ich, da ich doch gerade da drüben war, prospectiren gehen. Wir kamen aber nicht dazu, denn im Anfang hatte er sehr guten Brandy, und er sagte mir, er hätte sich schon lange Jemanden gewünscht, mit dem er prospectiren gehen könnte, und wir wollten nur erst den Brandy austrinken und dann lostraweln — und damit war ich auch vollkommen satisfeid[31]. Wie aber der Brandy alle war, kriegt ich so eine Art Heimweh nach dem Mormongulch, und da bin ich denn wieder herübergekommen.“
Erbe wurde natürlich seines Abenteuers wegen tüchtig ausgelacht, da er indes so viel ausgestanden hatte, erzählten sie ihm auch jetzt wo Hilgen und seine Frau arbeite, und daß sie Ende dieser Woche, wenn jene bis dahin nicht zurückgekommen wären, dorthin aufbrechen wollten.
Erbe war damit vollkommen einverstanden, und fast mehr noch durch den delikaten Punsch, als diese Mittheilung, über alles Ausgestandene getröstet. Hilgen kam aber nicht wieder, ja hielt sich, weil er sich noch vollkommen unentdeckt glaubte, so geheim, daß er nicht einmal seine Provisionen aus der Nachbarschaft des Mormongulch holte, sondern lieber einen viel weitern Weg nahm, von seinen „Verbündeten“ nicht gesehen und aufgespürt zu werden. Er erschrack auch nicht wenig, als diese am nächsten Sonntag plötzlich mit Sack und Pack vor seinem Zelt erschienen und ihm sämmtlich der Reihe nach um den Hals fielen und ihn umarmten, mußte übrigens wohl gute Miene zum bösen Spiel machen. Wenn er sich auch ärgerte, so überlistet zu sein, noch dazu da ihm Johnny wieder mit pathetischen Mienen sein gebrochenes Schutz- und Trutzbündniß vorhielt, kam Erbe doch auch wieder mit der Erzählung seiner Fahrten als Balsam dahinter her, und die kleine deutsche Colonie ließ sich an diesem Gulch jetzt gerade so nieder wie vorher an dem Nachbarbach. Da nun der Bach doch auch getauft werden mußte, und zwei Esel eine so bedeutende Rolle bei seiner Entdeckung gespielt hatten, (Erbe’s und Hilgen’s, welcher letztere ja durch sein fortwährendes Schnauben die Verfolger auf der richtigen Spur gehalten) so wurde er der „Jackaßgulch“ genannt. Diesen Namen hat er bis auf den heutigen Tag behalten, und in seinen Uferbetten sind selbst bis jetzt noch die reichsten Stellen Californischer Schätze gefunden worden.
Von all den Deutschen freilich, die dort arbeiteten, haben nur sehr wenige wirklichen Nutzen aus dem gezogen was sie damals gefunden; Hilgen und seine Frau ausgenommen. Madame Hilgen hielt zusammen, was sie Beide mit schwerer und wackerer Arbeit verdienten, errichtete auch noch später ein Kaffeehaus und einen Schenkstand, in dessen Casse manche Unze der Nachbarn floß. Beide Eheleute haben jetzt Häuser und Grundstücke mit einem boarding oder Kosthaus in San Francisco und sind auf dem besten Wege reich zu werden — wenn sie es nicht schon geworden.
Die Uebrigen verjubelten ihr Gold, wie sie es verdienten, hofften immer auf mehr und fanden bald zu ihrem Schrecken, daß die früher unerschöpflich geschienenen Minen in der That gar nicht unerschöpflich gewesen wären.
Um aber dem Leser einen Begriff zu geben, wie wenig damals das Gold geachtet wurde, und daß die ersten Berichte von Californien, so übertrieben sie schienen, dennoch Thatsachen zum Grunde hatten, will ich ihnen Starke’s Fall mittheilen.
Starke verließ, wie gesagt, den Mormongulch, nach dem Jackaßgulch hinüberzugehen, trotzdem daß er einen ausgezeichnet ergiebigen Platz auszubeuten hatte, ja noch an demselben Morgen, an welchem er sein Werkzeug zusammenpackte, in wenigen Stunden zwei Unzen Gold mit der Pfanne herauswusch. Die Unze Gold galt schon damals 16 Dollar. Nichts desto weniger glaubte er aber wo anders besser zu thun, und verkaufte das gegrabene und noch nicht halb ausgearbeitete Loch für eine Unze an einen Amerikaner. Dieser nahm noch 5000 Dollar heraus und verkaufte dann den Platz an einen Dritten für fünf Unzen, der ebenfalls wieder einige Wochen darin arbeitete. Niemand erfuhr, was der Letzte herausbekommen hatte, aber bald darauf verließ er Californien.
Der Mann an den es Starke verkaufte, stocherte schon in der ersten Stunde über anderthalb Unzen nur mit seinem Messer heraus, und als ich Starke ein Jahr später in Murphys Diggins fand, war er froh wenn er mit harter Arbeit noch so viel Dollars werth Gold finden konnte, als er früher in einem Tag Unzen gewonnen.
Johnny hatte seit der Zeit noch dreimal ein wirkliches Vermögen ausgegraben, und dreimal wieder verspielt und als ich ihn zuletzt sah, nicht Geld genug, sich neues Handwerkszeug zu kaufen, soll aber nachher eine reiche Stelle, jedenfalls zum Besten der nächsten Spielbank aufgefunden haben.