„Und was steht darin?“ fragte der Schweizer.

„O es ist scheußlich, niederträchtig!“ rief Fuchs.

„Nur ruhig Blut,“ meinte aber der Schweizer — „erst einmal genau hören — die ganze Geschichte kann auch übertrieben sein.“

„Uebertrieben?“ zürnte der Baske — „Madame Louis, wären Sie wohl so gut uns einmal auf einen Augenblick den Brief zu geben?“

„Thut mir leid, Monsieur,“ antwortete ihm die Frau, eine etwas magere, schlanke, schwarzäugige Gestalt von ungefähr 26 Jahren, indem sie hinter dem Schenktisch vorkam und zu der Gruppe trat. „Die beiden Männer die ihn brachten, haben ihn, ihrem Auftrage zufolge, weiter nach Angels Camp hinunter genommen.“

„Und der Inhalt?“

„War kurz folgender. In Sonora haben die Amerikaner an Franzosen, die sich weigerten die Taxe zu zahlen, gewaltsam Hand gelegt. Zwei von ihnen und ein Deutscher liegen im Gefängniß, und man erwartet, daß gegen Recht und Gesetz des Lynch law an ihnen vollzogen werden wird, noch dazu, da auch der Sheriff von Sonora, ein Amerikaner, gestern von einem Spanier erstochen wurde. Die Franzosen in Sonora fordern nun in jenem Brief ihre Landsleute in den Minen auf, ihnen ohne weiteres Säumen bewaffnet zu Hülfe zu eilen, wenn sie nicht die scheußlichste Gewaltthat vor ihren Augen wollen verübt sehen. Das ist der Inhalt des Briefes, und unterzeichnet hat ihn ein sehr achtbarer Franzose, der ein Geschäft dort hat, ein gewisser Ledroy. Machen Sie sich übrigens fertig denn es wird spät,“ fuhr die junge Dame etwas lebhafter fort, „und in einer Stunde etwa brechen wir alle auf.“

„Und wollen Sie denn auch mit?“ — sagte der Schweizer verwundert.

„Certainement; ma vie pour mes paysans.“