„Wer wird denn da zurückbleiben,“ schrie Fuchs kirschroth vor Eifer. „Das ist ja eine niederträchtige Scheußlichkeit, die nur mit Blut ausgewaschen werden kann.“
„Erst sehen und dann glauben,“ brummte aber, immer noch ungläubig, der Schweizer; „es haben in letzter Zeit hier so viele Lügen circulirt und überall gleich Aufnahme gefunden, daß man wohl Ursache hat ein wenig mißtrauisch zu werden. Kaltes Blut ist bei solchen Dingen die Hauptsache.“
„Kaltes Blut? Fischblut!“ zürnte, in kampflustigem Eifer, Fuchs, und goß ein Glas Claret die durstige Kehle hinab. „Wer kann bei solcher Nachricht noch an Ueberlegen denken. Und liegt denn Sonora etwa am andern Ende der Welt, daß „falsche Gerüchte“ so leicht zu uns herüber kommen könnten? Sonora ist kaum 25 Meilen von hier entfernt, und die beiden Männer, die sich dort auf ihre Pferde geworfen und uns die Nachricht gebracht haben, sind uns Bürge genug.“
„Wie wär’s, wenn ich mich heute Abend einmal hinüber machte,“ sagte da ein anderer Deutscher auf spanisch, denn er war der französischen Sprache nicht mächtig. — „Bis morgen früh kann ich drüben sein, und genaue Erkundigung über die Sache einziehen. Verhält sich dann Alles so, wie’s in dem Briefe steht, so bring’ ich die Bestätigung bis morgen gegen Mittag hierher. Nachher brechen wir alle auf, und dann wollen wir schon sehen ob eine Bande gesetzloser Amerikaner, ihrem eigenen Gesetz zum Trotz, mit den verachteten Fremden thun kann, was sie eben will. Dann sind wir auch noch da.“
Fuchs wollte hiergegen eben wieder eine grimmige Erwiederung machen, Madame schnitt ihm aber mit einer graciösen Bewegung der Hand, die gewissermaßen als Entschuldigung dienen sollte, hier aber etwa so viel sagte als: nachher, dann kannst du reden so viel du willst, das Wort ab, indem sie sich ohne weiteres zwischen die Männer drängte und besonders den letzten Sprecher anredete.
„Monsieur Fisher,“ sagte sie in ziemlich geläufigem Spanisch — „weitere Erkundigungen sind gar nicht nöthig. Der Brief, den wir fast alle gelesen haben, wie das mündliche Zeugniß der Ueberbringer verbürgt uns die Thatsachen. Also, wem noch ein muthiges Herz in der Brust schlägt, der reihe sich unserer Fahne an — Allons enfans de la patrie, le jour de gloire est arrivé!“
Fuchs fiel mit ein paar Umstehenden augenblicklich in das Lied ein, ein Gedränge nach dem Schenktische entstand zugleich, und das Gespräch wurde jetzt allgemein, lief aber auch in allen Richtungen auf den einen Punkt hinaus, daß sich sämmtliche Franzosen rüsten wollten, noch an dem nämlichen Abend nach Sonora, das sie dann am nächsten Morgen mit der Morgendämmerung erreichen konnten, aufzubrechen.
Fischer, von dem Schlachtenmuth der übrigen angesteckt, traf ebenfalls alle nöthigen Vorbereitungen, kaufte sich in aller Eile eine Doppelflinte und Pulverhorn für 40 Dollars, womit ihn ein Landsmann aus reiner Gefälligkeit, eben so in Eile, übers Ohr hieb, schaffte sich noch Pulver und Blei genug an, im schlimmsten Fall eine Belagerung von drei Wochen auszuhalten, und fand sich zur bestimmten Zeit pünktlich in Louis Zelt zum Aufbruch ein.
Dort ging es indessen bunt genug her; ein großer Theil hatte des Guten in Wein und Brandy schon weit mehr gethan, als sich mit seinen sonstigen Bedürfnissen und Gewohnheiten vertrug. Deutsche, Spanier und Franzosen waren dabei wild durcheinander gemischt, alle möglichen Sprachen wurden gesprochen, denn selbst Englisch mußte manchmal zwischen einzelnen, und nicht selten gemißhandelt genug, zur Aushülfe dienen.