„Ah quelle galanterie,“ lachte die Dame zu Pferd, „mais montez, montez. Es wird wahrhaftig zu spät, und wir können doch nicht allein nachreiten.“
Madame Louis steckte nur in der Eile noch etwas Eau de Cologne, Heftpflaster und Leinwand in ihren Arbeitsbeutel, warf einen flüchtigen Blick in den kleinen, am mittleren Pfosten hängenden Spiegel, einen flüchtigeren Gruß dem verlassenen Kellner zu, bückte sich dann rasch unter dem noch immer zum Zelt hereinschauenden Pferdekopf weg. Dabei stieß sie dieses mit der auf der Schulter hängenden Flinte dermaßen an die Nüstern, daß es schnaubend zurückfuhr und seine schwere Last bald sehr unceremoniös abgeladen hätte. Madame achtete aber nicht darauf, trat an ihr eigenes Thier hinan, schwang sich dort, von dem herbeieilenden Louis unterstützt, leicht in den Sattel, und die beiden Amazonen galopirten lachend und singend die Straße hinunter. Mr. Louis band indessen sein eigenes Pferd los, rückte die verschobene Brille wieder zurecht, rief noch einmal ein: bon soir, monsieur Fuchs in das Zelt zurück, das von da aus mit einer Art Knarren beantwortet wurde, und folgte dann in einem ungemein harten Trab den Damen, wobei er alle Hände voll zu thun hatte die Flaschen und das Gewehr an seinem auf und niederfliegenden Körper fest zu halten.
„Well if I ever,“ — sagte ein kleiner dünner Amerikaner, der bis dahin ganz erstaunt und stumm, im Schatten der gegenüberliegenden Zelte gestanden und die Damen hatte abreiten sehen, „what the devil is the matter with the French? haben denn die heute alle den Teufel im Leib? die wollen wohl Californien stürmen?“
„Californien nicht, aber Sonora,“ sagte eine andere Stimme neben ihm, und als sich der Kleine nach ihm umschaute, stand der Aelteste der dort in der Flat arbeitenden Texaner Compagnie, ein Mann Namens Fletcher neben ihm.
„Sonora? — zum Henker auch,“ rief der Kleine, „woher wißt Ihr denn das“ —
„Oh, Kurnel der Canadier da drüben hat mirs gesagt. Der spricht französisch.“
„Aber was ist denn da drüben vorgefallen?“ sagte der kleine Mann etwas ängstlich. „Da müßte man ja lieber gleich eine Meeting zusammenrufen und Gegenmittel ergreifen. Wenn sie nur“ —
„Ah was,“ brummte der Texaner phlegmatisch — „die ganze Sache wird auf einen Unsinn hinauslaufen. — Wirds aber ernsthaft, und brauchen sie uns drüben, so werden sie’s uns schon wissen lassen!“
„Hallo Fletcher, wißt Ihr’s schon?“ schrieen diesen jetzt ein paar junge 19 oder 20jährige Burschen an, die einen Fleischerladen in Compagnie hielten, und sich außerdem in dieser Compagnie noch täglich ein- bis zweimal prügelten. Der eine von ihnen trug eine mexicanische, an den Außennäthen offene Hose und eine sechsläufige Pistole im Gürtel. „Die Franzosen sind ausgezogen und wollen Sonora stürmen — jetzt nur alle unsere Jungen zusammengetrommelt und nach, nachher bekommen wir sie zwischen zwei Feuer.“