„Unsinn“ entgegnete ihm hierauf aber der andere, ein dickes rothbäckiges Gesicht mit glanzlosen nichtssagenden blauen Augen — „unsere Jungen werden dort schon allein mit ihnen fertig werden, aber ein amerikanisches Lager wollen wir hier indessen machen, eine Verschanzung aufwerfen, und keinen von den gottverdammten Franzosen wieder hereinlassen.“
„Unsinn?“ rief aber erzürnt sein Compagnon — „Du Holzkopf weißt wohl was Unsinn ist — nein zu feige bist Du mit auszurücken, und willst Dich lieber hier hinter einem Dutzend Baumstämme verschanzen.“
„Zu feige?“ entgegnete jetzt aber auch ingrimmig der mit den blauen Augen und der mexikanischen Hose — „Du verdammter“ —
„Ruhig, Boys, ruhig!“ mischte sich hier aber Fletcher, der bis dahin den beiderseitigen Ansichten und dem späteren Wortwechsel, ohne eine Miene zu verziehen, zugehört hatte, in das zu drohend werdende Gespräch. — „Seid vernünftig und geht ruhig zu Hause — Morgen wird die Sache ganz anders aussehen. Wer weiß auf was für einen blinden Lärm hin die ausgezogen sind, und morgen kommen sie dann wie die begossenen Pudel wieder heim.“
Einige andere wollten noch dagegen anstreiten, sprachen von „amerikanischer Flagge aufpflanzen und darunter sterben,“ von „Beispiel geben“ und „Undankbarkeit der Fremden,“ die man je eher je besser aus dem Lande jagen müsse. Die Vernünftigeren gewannen aber doch endlich die Oberhand, und erwirkten, daß die Uebrigen ruhig zu Hause gingen und der Sache, für heut Abend wenigstens, ihren Lauf ließen.
Die Franzosen sammelten sich indessen unverdrossen an dem bestimmten Ort, und die beiden Amazonen kamen gerade noch zeitig genug, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen.
Unter der Zeit waren aber auch die beiden, von Sonora ausgesandten Emissäre nicht müßig gewesen — und hatten die Nachricht, theils selber theils durch andere Gelegenheiten, an den Calaveres hinüber, nach Angels und Carsons und Douglas Flat geschickt. Von allen Seiten kamen in der That die ganze Nacht hindurch Franzosen, ihre Decken und Flinten mit ein paar spärlichen Provisionen zusammengepackt auf dem Rücken, anmarschirt, verlangten in Murphys die Bestätigung des Gehörten, und wanderten dann rasch der ungewissen Gefahr entgegen, weiter.
So wenig das Ganze auch in seinem Erfolg dem entsprach was man davon erwartet hatte, so gaben die Franzosen in dieser Zeit den Amerikanern doch eine ganz heilsame Lehre, wie sie, wenn wirklich einmal Noth sein sollte, zusammenhielten; und mehrere Amerikaner meinten später auch wirklich erstaunt, sie hätten nie geglaubt, daß so viele Franzosen noch einzeln in den Minen stäcken, denn wie aus dem Boden seien sie von allen Seiten und Ecken in der Nacht und am nächsten Tage, ja nach zwei Tagen noch, aufgetaucht.
Dieser, von Murphys ausgehende erste Zug war übrigens abenteuerlich und romantisch genug. Lauter kräftige, wild aussehende Gestalten, meistens in rothe wollene Hemden und eben solche Mützen, oder schwarze oder graue Filzhüte gekleidet. Dabei hatten sie sich mit jeder nur möglichen Wehr bewaffnet, die sie im Augenblick aufgetrieben. Die meisten trugen jedoch Doppelflinten, andere auch Büchsen oder nur ordinäre Musketen, viele sogar noch ihre französischen Seitengewehre, wie auch Säbel, Dolche und Pistolen.
Viele dieser Waffen waren nun gar nicht in Stand. Aus allen Winkeln, wo sie bis dahin in Staub und Rost unbeachtet gelegen, hatte man sie heute Abend vorgesucht; Zeit sie zu reinigen, wurde natürlich nicht gegeben, und viele nahmen sich nicht einmal die Mühe, zu untersuchen ob das alte Feuereisen, mit dem sie jetzt in den Kampf eilten, geladen gewesen oder nicht. Ruhig stießen sie noch eine andere Patrone oben auf und eilten dann weiter.