Der pockennarbige Bäcker hatte übrigens die meiste Noth mit seiner Waffe, die unter keiner Bedingung losgehen wollte.

Er ging, wie fast alle seine Cameraden, zu Fuß, und blieb alle Augenblicke stehen seine alte Muskete in Ordnung zu bringen. Freilich wurde er nie damit fertig, mußte dann eine Strecke aus vollen Kräften laufen, die Uebrigen wieder einzuholen, und holte nur wieder Athem, sich auf’s Neue mit dem alten Schießeisen abzuquälen. In diesen Zwischenräumen schüttete er dann gewöhnlich zwei oder dreimal Pulver auf die Pfanne, nachdem er jedesmal vorher das Zündloch wohl aufgerührt hatte, blitzte es ab, versuchte einen anderen Ladestock mit einem Krätzer daran, den er sich geborgt, der aber, wie er recht gut wußte, zu kurz war, immer wieder von neuem, bis er ihn endlich abbrach, und blies dann endlich, als letzten verzweifelten Versuch, in den Lauf hinein, daß ihm das Gesicht dick und roth aufschwoll. Dieß war auch für solche Pausen die Schlußoperation, hiernach stieß er nur noch einen kräftigen Fluch aus, und eilte dann, schon durch das Blasen athemlos gemacht, keuchend hinter den Seinigen her.

Allerdings war es von Anfang an der Plan der Ausrückenden gewesen, nicht eher zu rasten bis sie in Sonora selber wären. Durch die ungewohnte Anstrengung aber ermüdet und, da sie weiter gar keine Provisionen mitgenommen und sich dafür desto mehr an den Brandy gehalten hatten, auch dadurch mehr als gewöhnlich erschlafft, machte der Zug um eilf Uhr etwa Halt, lagerte sich um mehrere, rasch entzündete gewaltige Feuer und campirte im Freien.

Toll genug ging es dabei her, die Flaschen kreisten, und muntere Lieder verscheuchten alle trüben Gedanken. Nur der pockennarbige Bäcker war mürrisch, sein widerspenstiges Gewehr aber doch endlich, Dank seinen unausgesetzten Bemühungen zum Losgehen bewogen. Freilich schlug er sich dabei den eigenen Backen und verlor den Hahn vom Schloß, den er in der Dunkelheit nicht wieder finden konnte.

Kaum besser ging es Mr. Louis mit seiner Frau. Sie war ihm, oder er ihr plötzlich abhanden gekommen, und der arme, kurzsichtige Teufel hatte jetzt nicht wenig Müh, unter all den roth wollenen Hemden das herauszufinden was seine zweite Hälfte umschloß. Durch das halbe Lager forschte er den Leuten dicht unter die großen Hüte und in die bärtigen, verdutzt nach ihm umschauenden Gesichter, bis er Madame endlich an der Seite ihrer Freundin, unter einem Baume ausgestreckt fand, und sich nun ebenfalls, über die dort Umhergestreuten erbarmungslos hinüber stolpernd, zu Ruhe begab.

Am nächsten Morgen brach der ganze Zug mit der ersten Dämmerung, und zwar ohne Frühstück, nur wieder durch einen Brandy gestärkt, auf, und selbst in der Nacht stießen noch mehrere ihrer Landsleute aus den benachbarten Minen zu ihnen. Keine Stunde waren sie aber noch marschirt, als ihnen plötzlich ein Trupp Mexicaner begegnete.

„Donde vais, amigos,“ riefen ihnen die ersten Franzosen erstaunt entgegen, „wo wollt Ihr hin und wo kommt Ihr her? Wißt Ihr nicht, daß wir Euch zu Hülfe ziehen gegen die Amerikaner? Wir wollen einmal sehen ob sie Euch wegtreiben sollen?“

Die Spanier schienen betreten und wollten nicht recht mit der Sprache heraus. So viel ließ sich übrigens endlich verstehen, daß man sie noch nicht förmlich vertrieben hatte, sondern daß sie vielmehr gutwillig gegangen waren.

Die Franzosen redeten ihnen ernstlich zu wieder mit ihnen umzukehren, und ihre eigene Sache nicht auf so schmähliche Art im Stich zu lassen. Nur bei sehr wenigen half aber dieses Zureden, die meisten meinten, sie wären nicht der Unruhen, sondern der Minen wegen fortgegangen. Die Sonora-Minen seien doch meistens ausgearbeitet, und es lohnte nicht mehr der Mühe noch viel Zeit darauf zu verschwenden.