Ein junger Bursche steht dort am Tisch, zwischen den Spielenden und seinen Helfershelfern. Langsam mischt er die Karten, eine Beschäftigung zu haben bis das Spiel beginnt, und überwacht dann mit den kleinen, scharfen, grauen Augen, während die Hände fast unwillkührlich die Bewegung fortsetzen, die gesetzten Karten.
Das Spiel selbst ist uns allerdings fremd; der Spanier an der anderen Seite dagegen, der den Gang desselben und den Händen des Ausgebenden mit einem feinen, kaum bemerkbaren Lächeln folgt, ohne bis jetzt zu setzen, scheint es desto besser zu kennen. Es ist Monte, ein Spanisches Spiel, auch mit Spanischen Karten gespielt, und die wunderlichen Figuren der Karten selber, die gekreuzten Schwerter und goldenen Kugeln, die Reiter statt der Dame etc. etc., fesseln das Auge des Fremden im Anfang vor allen Dingen, und geben den keck darauf gesetzten Rollen und Säckchen von Silber und Gold einen noch viel höheren und geheimnißvolleren Reiz.
Das Spiel selbst hat Aehnlichkeit mit unserem Landsknecht; die links aufgeworfene Karte ist für den Banquier, die rechts geworfene für den Spieler, und es wird dadurch ein doppeltes, daß er zwei oben und zwei unten auswirft, dem einzelnen Spieler also auch Gelegenheit giebt, zwei zu gleicher Zeit zu setzen.
Der junge Bursch, für den wir uns gleich von vornherein interessirten, kann höchstens sechzehn Jahre alt sein. Er ist hoch und schlank aufgeschossen, aber seine Züge hätten noch etwas weichliches, kindliches, strafte den Gedanken nicht das dunkel und leidenschaftlich glühende, eingesunkene Auge, wie die fest und krampfhaft zusammengepreßten bleichen Lippen Lügen. Seine rechte Hand stützt sich geballt auf das grüne Tuch des Tisches, in dessen Mitte aufgestapelte Dollare eine Mauer um einen Haufen kleineren Goldes und Goldstücke, sowie kleiner eingenähter Säckchen mit Goldstaub bilden, und drei oder vier größere Klumpen Gold, und gemünzte kleine Barren, mehr als Zierrath als zum wirklichen Gebrauch obenauf liegen. Seine Linke hat er in der Weste, und der zurückgeschobene Filzhut läßt einzelne blonde Locken, wie die hohe feuchte Stirn frei. Sein Gold, vielleicht zwanzig oder fünfundzwanzig halbe „Eagles“ (5 Dollar), steht auf dem Reiter, und die in ihren Höhlen glühenden Augen haften in peinlicher Spannung auf den Händen des Spielenden.
Dieser, ein Amerikaner, sitzt kalt und ruhig hinter seinem Tisch, die abzuziehende Karte schon im Griff, und nur mit den Augen noch den Satz rings umher revidirend, ob Alles in Ordnung sei. Das Aß und die Dame sind die obersten Karten — der junge Bursche hat gewonnen, und ein triumphirendes Lächeln zuckt um seine Lippen.
„Heut zahl ich Euch zurück, was Ihr mir neulich angethan, Robertson,“ lachte er heiser zwischen den kaum geöffneten Zähnen durch.
„Hoffentlich,“ erwiedert der Spieler ruhig, mit einem zweideutigen Lächeln — „Ihr seid im Glück heute, Lowel, und solltet es eigentlich forciren.“
„Die Summe bleibt auf der Dame und das da auf die Drei!“ — Hier und da am Tisch werden kleinere Umsätze ausgezahlt oder eingezogen, und wieder fallen die Karten — beide Sätze haben verloren.
„Damn it,“ knirscht der junge Bursch leise und kaum hörbar vor sich hin, aber die Hand bringt fast unwillkührlich neue Beute zu Tage, ein Säckchen mit Goldstaub, das der Spieler selbst keines Blicks würdigt. Das Säckchen mochte etwa zwei Pfund enthalten, und der Spanier, der ihm gegenübersteht, wirft jetzt ein Paar Unzen auf die entgegengesetzte Karte.