„Hab’ Acht — hab’ Acht!“ — schrieen in dem Augenblick mehrere Stimmen, und zwei oder drei Hände fuhren zu und warfen den Arm des Rasenden in die Höhe, der, mit einem Revolver bewaffnet und, unbekümmert um die Folgen, gerade auf den Kopf des Angreifers gerichtet war. Ob aber auch gefaßt, zuckte der Finger des jungen Verbrechers zweimal, ehe sie ihm die Waffe entreißen konnten, und die eine Kugel schmetterte die Glocke einer Astrallampe auf die Untenstehenden, die lachend und fluchend auseinanderstoben, während die andere harmlos in die Decke schlug, dort nur ein wenig Kalk niederwerfend. — Es war nicht das einzige derartige Zeichen da oben.

„Ich danke,“ — sagte der Miner im blauen Jagdhemd ruhig zu den Umstehenden, und ohne sich weiter um den Rasenden zu kümmern, der sich in den Händen der ihn Haltenden wand und förmlich schäumte vor Wuth, nahm er ein Päckchen Gold aus seiner Blouse und setzte es auf die ihm nächste Karte.

Der junge Spieler, von dem man fürchtete daß er noch andere Waffen bei sich haben könne, wurde indessen von einigen handfesten Irländern, die sich der Sache freundlich unterzogen, bis an die Thür geschleppt, wo ihn zwei durch den Schuß herbeigerufene Polizeidiener in Empfang nahmen und fortführten.

Die Neugierigen im Saal hatten indessen alle dahin gepreßt wo der Schuß gefallen war, so viel wie möglich von einem dort vermutheten Kampf zu sehen, und die Spieler der nächsten Tische mußten ein Paar Minuten wirklich Gewalt brauchen, die Andrängenden zurückzuhalten — selbst der Kuchentisch war für ein Paar Augenblicke leer geworden — aber nicht lange.

Zu viel des Neuen, zu viel des Interessanten bot sich indessen überall, die Aufmerksamkeit der Zuschauer lange auf einem Punkt, an einen Platz zu fesseln, selbst wenn ein solches Intermezzo mit einem Schuß gewürzt war. Von einer andern Seite des Saales her tönte in diesem Augenblick wieder Lärmen, Geschrei und Lachen — was war dort geschehen?

„Das war brav gemacht — bravo — hurrah!“ schrie die Menge, und die gellende Stimme eines Mannes, der gegen etwas eifrig protestirte, wurde immer wieder auf’s Neue von dem Jubelruf unterbrochen.

Ein eigener Zwischenfall hatte sich hier ereignet, bei dem sich die Menge bald zum Richter aufwarf und entschied.

Ein Mann in schwarzem Frack und dunklen Hosen, ganz anständig und reinlich gekleidet, war schon seit mehreren Abenden — heute am siebenten — regelmäßig um dieselbe Zeit zu ein und demselben Tisch getreten, hatte dem Spiel eine Weile beobachtend zugesehen, bis er zuletzt einen leinenen Sack aus seiner Brusttasche holte und ihn auf eine Karte setzte. Die Karte gewann am ersten Abend, und er schüttete den Sack, um das Geld zu zählen, auf den Tisch aus. Es waren achtundzwanzig Spanische Dollar, die ihm der Spieler ruhig auszahlte, und der „gentleman“ verließ mit seinem Gewinn, ohne Fortuna einen zweiten Wurf anzuvertrauen, und wahrscheinlich gegen die Erwartung des Spielers, den Tisch wieder.

Am zweiten Abend kam er wieder, setzte wieder und — verlor. Mit größter Kaltblütigkeit aber, ohne auch nur eine Miene zu verziehen, öffnete er den Sack, faßte ihn an den beiden unteren Zipfeln, schüttelte ihn aus — und er enthielt genau die gleiche Summe, wie am vorigen Abend — rollte ihn dann wieder zusammen und verließ, ihn in seine Tasche zurückschiebend, den Saal.

Am dritten, vierten und fünften Abend dieselbe Sache — die Spieler lernten den Mann kennen und amüsirten sich über sein wunderliches Wesen; wieder verlor er und betrug sich genau wie die ersten Male, den Sack nahm er jedesmal wieder mit sich fort.