Am sechsten Abend — und so regelmäßig hielt er dabei seine Zeit, daß die Spieler untereinander lachend sagten — „es ist noch nicht acht Uhr, der Mann hat uns seine achtundzwanzig Dollars noch nicht gebracht“ — dasselbe Spiel. Wieder verlor er sein Geld, und der Barkeeper oder Ausschenker am Spirituosentisch, dem gerade gegenüber dieser Spieltisch stand, lachte laut auf, als der merkwürdige Gesell das Geld so ruhig ausschüttete, als ob er für Jemand Anders hier seine regelmäßige Zahlung zu leisten, und nicht das eigene Geld verspielt und weggeworfen hätte.
Der siebente Abend kam. Es war schon eine volle Minute nach acht Uhr, und der eine Spieler rief lachend dem andern zu: „Wir sind zu hart mit ihm verfahren und haben ihn verscheucht;“ als sein Kamerad lächelnd zur Seite zeigte und der Mann im schwarzen Frack, ohne eine Miene zu verziehen oder auf das Kichern und Flüstern um ihn her zu achten, zu seinem gewöhnlichen Platz am Tisch trat, den ihm einige der zufällig schon früher mit ihm hier Zusammengetroffenen willig räumten, gerade bis ein Viertel auf neun dem Spiel ruhig zusah und dann den Allen wohlbekannten Leinwandsack neben die eben ausgeworfene Zwei niedersetzte.
Ein paar Karten wurden indeß abgezogen, ohne daß die Zwei erschien — jetzt fiel die Drei links, und rechts — ein feines, kaum bemerkbares Lächeln zuckte um des Spielers Lippen — die Zwei. Der Fremde wurde todtenbleich, aber ohne auch nur eine Sylbe über den endlichen Wechsel seines Glücks zu äußern, streckte er ruhig wieder die Hand nach dem Leinwandsack aus und war eben im Begriff ihn aufzubinden, die Dollar, wie er das am ersten Abend gethan, überzuzählen, als der Spieler lachend sagte:
„Laßt nur sein ich weiß schon wie viel d’rin sind. — Achtundzwanzig — hab’ ich nicht Recht?“
„Nein!“ sagte der Mann ruhig und schüttelte das Silber auf den Tisch und schüttelte den Sack stärker, und hinter dem Silber her eine Rolle fest zusammengewickelter Banknoten und ein fest ineinandergefaltetes Papier.
„Was ist das?“ riefen die Spieler erschreckt, und die Umstehenden drängten überrascht und neugierig hinzu.
„Mein Satz,“ sagte der Mann anscheinend gleichgültig und knüpfte das Band auf, das die Banknoten zusammenhielt.
„Halt, das gilt nicht!“ schrie aber der Spieler, seine Karten niederwerfend, „das ist falsches Spiel — Ihr habt die vorigen Abende nur achtundzwanzig Dollar gezahlt.“
„Falsches Spiel?“ — rief der Mann, und seine Augenbrauen zogen sich drohend zusammen — „beweist mir falsches Spiel, Ihr Kartenmischer. Hab’ ich den Sack nicht vollständig, wie er da ist, auf jene Karte gesetzt? und habt Ihr Euch etwa geweigert, ihn uneröffnet anzunehmen?“
„Nein, das ist Alles in Ordnung — Alles in Richtigkeit!“ riefen die Umstehenden, immer gern bereit, gegen den Spieler Parthei zu nehmen. Sie sind fest überzeugt, daß er nicht ehrlich spielt, und trotzdem treten sie doch immer und immer wieder selber hinzu, ihr Geld ebenfalls in den Brunnen zu werfen. „Er hat es gesetzt und gewonnen, und muß es bekommen!“ riefen Andere.