„Haben Sie kein Geld, Señor?“ lächelte er endlich verlegen.

„Si, poquito[36]“ — sagte der Californier und nimmt, ohne einen Blick von der Hand des Amerikaners, die die Karten hält, zu verwenden, einen alten geflickten Leinwandbeutel aus der Serape, den er auf die vor ihm liegende Karte setzt. Der Spieler taxirt ihn flüchtig, er kann etwa sechzig oder siebzig Dollar halten. Einen etwas unruhigen Blick wirft er dabei auf die eigenen Karten in seiner Hand, der dem Californier nicht entgeht.

„’sta bueno?“ sagt dieser mit einem leichten, fast boshaften Lächeln.

Der Spieler zögert, aber er wagt nicht seine gewöhnliche List dem gewitzten Gegner gegenüber anzuwenden. Die Gefahr, der er sich dabei ausgesetzt ist zu groß — er zieht ab, und die Karte des Californiers hat gewonnen.

„Wie viel enthält der Sack Señor?“ sagte der Amerikaner mit anscheinender Kaltblütigkeit.

„No se,“ — erwiederte der Gewinner achselzuckend — „zählt es.“

Der Amerikaner zieht den Sack zu sich herüber, öffnet ihn und kann einen Ausruf der Ueberraschung, des Entsetzens nicht zurückhalten. Der Sack ist mit Doublonen gefüllt, und die zitternde Hand, die sie auf den Tisch schüttelt, zählt hundert und dreizehn. Des Californiers Antlitz ist dabei wie aus Marmor gehauen. Er weiß, daß ihm das Geld werden muß, und wartet vollkommen ruhig das Zählen ab, das fast den Tisch aufräumt. Den unteren Zipfel seiner alten schmutzigen Serape dann aufhaltend, streicht er das Gold hinein, nimmt den Sack wieder unter den Arm und verschwindet so geräuschlos unter der Schaar der Zuschauer, wie er gekommen. — Aber nicht so unbeachtet, denn zwei, in dunkle Röcke gekleidete Männer sind Zeugen des Gewinnes gewesen. Ihre Augen begegnen sich dabei, aber haften nicht aufeinander. Gleichzeitig schweifen sie nach den Bildern an der Wand hinüber, und die Beiden treten, nach verschiedenen Richtungen hin und von Niemand beachtet, vom Tisch ab; doch sie behielten den dunklen Hut des Spaniers im Auge, und als dieser die düstere Plaza betritt, verlassen auch sie den hellerleuchteten Saal.

Wollen wir ihnen folgen? — Ueber die Plaza schreitet der Mann jetzt, da er aus dem Saal hinaus ist, und summt dabei ein leises, lustiges Spanisches Lied, denn er freut sich des Triumphs den er über die verhaßten Americanos davon getragen. Er hat ein schweres Gewicht im Arm, aber sein Schritt ist nichtsdestoweniger leicht und elastisch, und er lacht sogar einmal laut auf, wenn er an das Gesicht zurückdenkt das der Amerikaner schnitt, als er den Beutel öffnete und Gold fand, wo er billiges Silber vermuthete.

„Hahahaha, wie bleich er wurde!“ — murmelte er leise vor sich hin, und die Augen funkelten in dem Gedanken — „und wie ihm die Finger danach zuckten die Volte zu schlagen, jene fatale Karte, die der Schurke recht gut kannte, von oben fortzubringen — caramba, er wußte, daß mein Auge auf ihm haftete und ich ihn durchschaute — er wagte es nicht. Der — ha —“ Er horchte, ohne den Kopf zu wenden, zur Seite. Er hörte Schritte, die ebenfalls stehen blieben als er hielt. Kearney-Street hinunter und herauf gingen und kamen noch viele Leute, aber über California-Street hinüber, wo der Weg nach der Mission hinausführte, wurde es öde. Bis an die breite, sandige California-Street reichten auch die gedielten Straßen; dann hörten sie auf, und wer dort nicht Geschäfte hatte, vermied den beschwerlichen, öden Weg.