„Ja, hier — war doch eine grenzenlose Frechheit von dem Kerl; da liegt auch noch seine alte Serape.“
„Wirf sie hinaus — so, und nun komm. — Jeder versucht’s auf seine Art, und wär’ er gut weggekommen hätt’ er Recht gehabt. — So war’s eine Dummheit.“
Und die Spieler, die letzten im Saal, schlossen die Thür ab und stiegen langsam hinauf in ihr Schlafzimmer, dem uneinträglichen Morgen ein Paar Stunden Schlaf abzugewinnen und dann zu neuer Thätigkeit bereit zu sein.
Vier Tage auf der Bai von San Francisco.
Die Regenzeit war jedenfalls vorüber, der Himmel lachte wieder so klar und blau, die Sonne schien so warm, die Luft wehte so lind und labend wie je. Einen schöneren Tag konnte man sich zu einer Wasserfahrt kaum denken, und da zugleich ein Geschäft damit verbunden werden sollte, säumten wir nicht die günstige Zeit zu benutzen. Die deutsche Brauerei auf der Mission Dolores, unter der Firma „Witzleben, Brothers und Walter,“ wollte nämlich eine Quantität Fässer aufkaufen, die in einer Bucht, Namens Corte Madeira, in der Bai von San Francisco lagern sollten, und um diese vorher in Augenschein zu nehmen, schifften wir, Herr A. von Witzleben und ich, am Sonnabend Morgens den neunten März, uns ein.
Der Wind wehte zu schwach um ein Segel mit Vortheil führen zu können, wir griffen deßhalb zu den Rudern, und da wir die Strömung der Ebbe für uns hatten, schossen wir rasch vorwärts, durchschnitten den äußeren Theil des Hafens von San Francisco, zwischen den letzten dort vor Anker liegenden Schiffen und der Insel Yerba Buena hindurch, und hielten auf die Insel Los Angelos zu, noch unschlüssig, ob wir sie zur Linken oder zur Rechten lassen sollten, da wir wohl ungefähr wußten nach welcher Richtung hin Corte Madeira lag, den Platz selber aber weiter auch nicht im entferntesten kannten.
Wir hatten ein nicht eben großes Ruderboot, eine sogenannte Captains Yawl, und machten ziemlich guten Fortgang, riefen dicht vor Los Angelos ein anderes Boot, des gesuchten Ortes wegen, an und hielten nun, den Eingang der San Francisco Bai, das sogenannte „goldene Thor“ zu Backbord lassend, auf die erste Spitze von Los Angelos zu. Die Ebbe, die uns bis jetzt günstig gewesen, kam uns von hier aus nämlich gerade entgegen, indem wir nun in den nördlichen, nach dem Sacramento und Joaquin hinaufführenden Theil der Bai einliefen.
An Los Angelos beschlossen wir zu landen und zu frühstücken; am sandigen Strome schlug jedoch die Dünung zu schwer gegen unser Boot an, und wir liefen deßhalb in eine kleine mehr geschützte Felsenbucht ein. Eigenthümlich war hier eine Höhle, die sich das Widerschlagen der Wellen bei steigender Fluth ausgehauen hatte. Sie bildete gerade mit dem über sie herabhängenden Felsen die eine Spitze der Insel, und lag nur jetzt, bei fallender Ebbe, trocken. Mit einiger Schwierigkeit kletterten wir über die bröcklichen schlüpfrigen Steine hindurch und fingen dort eine Partie Seekrabben oder Seespinnen, die sich hier auf den warmen Steinen sonnten und bei dem Geräusch von Fußtritten immer rasch und seitwärts in ihre Felsspalten zurückglitten.