Auf der Insel wuchs üppiges Gras, und eine frische Quelle sprudelte den Rasen hinunter und rieselte über den Sand des Ufers hin in die Bai. Die Insel Los Angelos ist die größte der Bai von San Francisco, mit etwa fünf Meilen im Umfang, und war in letzter Zeit an einen gewissen Tomson für eine verhältnißmäßig sehr geringe Summe verkauft, sonst aber fast noch gar nicht weiter benutzt, als daß an den entgegengesetzten Enden zwei Hütten darauf standen. Vieh habe ich nicht auf der Insel gesehen, ebenso wenig Fenzen oder andere Zeichen der Cultur, sie wird aber in späterer Zeit schon ihrer vortrefflichen Lage wegen gewiß ein nicht unbedeutender Platz in der schönen Bai werden.
Nach einigen Stunden, die wir zwischen den Felsen und auf den blumigen Wiesen zugebracht, ruderten wir in der jetzt stiller gehenden Ebbe am Ufer hinauf bis zu dem nächsten Vorsprung, und hielten von dort aus quer durch die Strömung und Nord zu West nach dem gegenüberliegenden Festland hin.
Wir wollten im Anfang nicht dort landen, ein halb Dutzend Seehunde aber, die am Ufer spielten, und deren glänzende Felle in der Sonne hell herüberblitzten, änderten unsern Entschluß. Wir liefen in eine kleine weiter oben liegende Bucht ein, und ich schlich mich von da zurück einen der faulen Bursche zum Schuß zu bekommen. Die Thiere waren aber entweder schlauer als ich gedacht, oder ihre Spielzeit mußte gerade vorüber sein; denn wie ich den Felsen erreicht hatte, den ich mir gemerkt, und der sich in ungefähr hundert Schritt von ihrem früheren Spielplatz befand, war dieser leer und ich sah die glattköpfigen Amphibien eine kurze Strecke vom Ufer herumschwimmen, manchmal mit den schwarzen erstaunten Gesichtern urplötzlich auftauchen und dann blitzesschnell wieder in der Tiefe verschwinden. Allerdings schoß ich von hier aus einen von ihnen, in der Hoffnung daß er vielleicht, wenn schwer verwundet, zum nahen Ufer kommen sollte, er sank aber unter und die übrigen entfernten sich rasch aus dem Bereich der Kugel.
Am Strand fanden wir ein zerschelltes Canoe, aus Cederholz leicht und scharf geschnitzt, das jedenfalls aus einer der Südseeinseln hierhergeschafft sein mußte; auch mehrere Stücke Planken, von welchen letzteren wir einige in unser Boot nahmen. Mein Gefährte fing ein Paar ganz eigenthümliche Seespinnen, die in den, die Felsen überwuchernden Seegewächsen saßen.
Der Abend rückte indeß allmählich heran, und es war Zeit daß wir aufbrachen, wenn wir heute noch einen ordentlichen Schlafplatz erreichen wollten. Eine lange Strecke ruderten wir jetzt, immer noch gegen die Strömung, aber dicht am Lande hin, aufwärts, und hielten nur manchmal, um theils eigenthümliche Pflanzen näher zu betrachten und Blumen zu pflücken, oder an den niederrieselnden Quellen zu trinken, da wir in der That ganz vergessen hatten einen Wasservorrath für unsere Seefahrt mitzunehmen.
Gerade mit einbrechender Nacht erreichten wir die Mündung einer Bai, und beschlossen in diese einzulaufen. In weiter Entfernung erkannten wir auch ein Licht und hielten darauf zu, es war aber schon zu dunkel, weiter etwas zu erkennen, und da das Licht ebenfalls bald darauf wieder verschwand, beobachteten wir nur die ungefähre Richtung nach dem Umriß der Berge und glitten, von keiner Gegenströmung mehr zurückgehalten, ziemlich rasch vorwärts. Manchmal kam es uns wohl noch so vor, als ob wir das Licht wieder blitzen sähen, es verschwand aber eben so rasch wieder, und unsere einzige Hoffnung blieb jetzt nur noch auf zwei dunkle Punkte geheftet, die wir deutlich auf dem hellern Wasserspiegel erkennen konnten und für dort angehangene oder vor Anker liegende Boote hielten. Jedenfalls mußten diese die Nähe menschlicher Wohnungen bekunden. Das einzige was uns etwas beunruhigte, war das immer seichter werdende Wasser; schon fühlten wir, daß unser Kiel auf dem weichen dünnen Schlamm hinglitt, und die Boote waren noch eine ziemliche Strecke entfernt. Das Rudern schien uns zuletzt gar nicht mehr von der Stelle zu bringen, wir nahmen deßhalb die Ruder aus den Dollen, und stießen das Boot langsam dem Orte zu, wo wir die Fahrzeuge vermutheten und wo dann auch wahrscheinlich tieferes Wasser war.
Nach wohl halbstündiger Anstrengung in der wirklich stockfinstern Nacht erreichten wir endlich, das eigene Boot aber dabei fortwährend in dem jetzt immer zäher werdenden Schlamm weiter stoßend, die vermeintlichen Kähne und fanden — zwei Muschelbänke, die aus dem hier kaum acht Zoll tiefen Wasser vorragten. Mit einem Landungsplatz war es nichts, so viel sahen wir bald, und wollten wir nicht hier in dem Schlamm übernachten, so mußten wir machen daß wir wieder zurückkamen. Nach ziemlicher Anstrengung gelang uns das auch endlich, und wir erreichten, jeden Gedanken an ein Nachtlager unter Dach und Fach aufgebend, das rechte Ufer der Bai, wo wir unser Boot so weit wir konnten auf den Sand zogen, nach frischem Wasser umschauten, aber leider keines in der Nähe fanden, und uns dann, müde und durstig im Boote selbst in unsere Decken wickelten.
Die Nacht war schön und wir schliefen vortrefflich, nur peinigte uns, wenn wir aufwachten, der Durst. Den konnten wir aber gleich mit anbrechendem Tage löschen, denn wie es heller wurde fanden wir nicht weit davon eine kleine Quelle, nahmen ein sehr frugales Frühstück, aus etwas Brod und Schinken und einem Cognac bestehend, ein, und machten uns jetzt fertig die Gegend, in der wir uns eigentlich befanden, zu recognosciren. Wilde Enten kamen indessen so nahe an unser Boot heran, daß wir zwei davon schießen konnten, wir holten sie aus dem Wasser, befestigten dann das Tau gut am Ufer, und stiegen nun die ziemlich steile Landspitze hinan, die hier, den oberen Theil der kleineren Bai bildend, in die größere — oder wie man recht gut sagen könnte — in See hinauslief.
Die Aussicht von hieraus war reizend; über dem Hügel hinüber fanden wir wieder eine andere Bai, die noch tiefer in das Land einschnitt als die, in welcher wir die Nacht campirt, und ziemlich weit oben, am Fuß der Hügel, die noch von der See durch eine breite Strecke morastigen Landes getrennt wurden, lag eine dicht gedrängte Häusergruppe mit rothen Dächern, neben der, in geringer Entfernung, ein einzelnes, ziemlich stattlich aussehendes Gebäude stand, das jedoch ganz in der Art der spanischen Ranchos errichtet war. Einzelne der den Hintergrund bildenden Hügel waren mit Bäumen bewachsen.
Viel pittoresker lag dagegen die andere, eben verlassene Bai da. Ein hoher spitzer Berg bildete den Hauptpunkt des Hintergrundes, düstere Rothholz- und Kieferwaldungen zogen sich an ihm hinauf, und bedeckten mit ihren spitzen, schlanken Wipfeln die benachbarten niedrigen Hügel. Wie ein Spiegel lag davor die ruhige Bai, auf der Hunderte von Wildenten hin und wieder strichen, und wellenförmiges Hügelland umschmückte, mit lebendigem Grün bekleidet, die stille Bai.